Willkommen auf den Seiten des BUND Kreisverband Nordhausen

Naturschutzgebiet "Mühlberg"

Foto: BUND Kreisverband Nordhausen

Termin monatliche Sitzung:

Besuchen Sie unsere monatliche Sitzung und lernen Sie unsere Aufgaben und Projekte persönlich kennen:
Jeder 1. Dienstag im Monat
ab 18.30 Uhr
Ort:
Vereinshaus „Thomas Mann“
Wilhelm-Nebelung-Straße 39
99734 Nordhausen

Eine genaue Wegbeschreibung finden Sie unter Kontakt

Nächster Landschaftspflegeeinsatz:

Samstag, den 27.05.2017

Interessenten melden sich bitte vorher unter: 01716530123 bei Bodo Schwarzberg

Dem „Harztiger“ auf der Spur

Mit dem Wildkatzenexperten unterwegs in der Südharzer Gipskarstlandschaft

Die Wildkatze findet langsam den Weg zurück in die deutschen Wälder, auch in die dichten Kalkbuchenwälder des Südharzes. Und das nicht ohne Grund: Die Gipskarstlandschaft bietet eine besonders hohe Vielfalt an Lebensräumen und wurde deshalb vom Bundesamt für Naturschutz als „Hotspot der biologischen Vielfalt“ ausgezeichnet. Erste Sichtungen belegen, dass die Wildkatze hier ideale Lebensbedingungen findet. Um die Bürger für die scheuen Jäger zu sensibilisieren, führt der BUND Nordhausen gemeinsam mit dem Wildkatzenexperten des Umweltverbandes, Thomas Mölich, eine geführte Wanderung auf den Spuren der Samtpfoten durch.

Datum: 06.05.2017

Uhrzeit: 10:30 Uhr

Ort: Woffleben an der Kirche

Auf der ca. 3,5-stündigen Exkursion werden die Teilnehmer u.a. erfahren, ob und wo die Wildkatze bereits gesichtet wurde und warum die Südharzer Gipskarstlandschaft mit ihrer großen Biotopvielfalt einen idealen Lebensraum für diese und viele weitere bedrohte Tierarten darstellt. Die interaktive Wanderung ist auch für Familien geeignet.

Die Teilnehmer sollten über eine gute Kondition verfügen, festes Schuhwerk und Verpflegung mitbringen.

BUND pflegt Orchideenwiese

Zu DDR-Zeiten bezeichnete man ehrenamtliche Gemeinschaftseinsätze an einem Sonnabend als Subbotnik, abgeleitet vom russischen Subbota für Sonnabend. Waren derartige, zwar auch heute noch als positiv bewertbare Aktivitäten eine Folge des Mangels an Dienst- und handwerklichen Leistungen, so sind sie heute nicht minder auch Ausdruck fehlenden staatlichen Engagements…
Und dem fielen in den neuen Bundesländern seit 1989 zum Beispiel tausende Hektar artenreicher Trocken- und Halbtrockenrasen und anderes mageres Grünland Opfer. Heute ist es daher oft der Enthusiasmus Einzelner und der unterschiedlichster Vereine, der die Widersprüche zwischen politischen Absichtsbekundungen, Koalitionsvereinbarungen, Gesetzen und anderen Schönwetterreden zum Beispiel auf dem Gebiet des Naturschutzes zu dämpfen versucht.

Viele heute bedrohte Pflanzenarten beispielsweise finden auch dort keine günstigen Lebensverhältnisse mehr vor, wo sie einst, ohne menschliche Einflussnahme noch siedeln konnten. Hierzu gibt es Untersuchungen. Pflegeeinsätze zur Erhaltung dieser und anderer Spezies sind also nicht nur Erhaltungsmaßnahmen für einzelne Wuchsorte seltener Arten, sondern immer mehr auch Erhaltungsmaßnahmen für die Arten selbst. – Eine sehr traurige Entwicklung angesichts des 80. Jahrestages des ersten deutschen Naturschutzgesetzes (Reichsnaturschutzgesetz) im Jahre 2015.

Dem sich angesichts von Intensivierung und Denaturierung unserer Landschaft im überwiegend freien Fall befindlichen Artenvielfalt versucht der BUND-Kreisverband Nordhausen wenigstens punktuell etwas entgegenzusetzen. Rund 500 Maßnahmen insgesamt erfolgten seitens des Autors seit 2003 im Großraum Harz, darunter seit 2010 43 seitens des BUND-Kreisverbandes Nordhausen. Der Wert letzterer Einsätze liegt, angesichts der Teilnehmerzahl, vor allem in ihrem Potenzial, auf relativ großen Flächen tätig zu werden, als dies allein möglich wäre.

Am vergangenen Sonnabend mähten vier Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen zum zweiten Mal rund 2.300 Quadratmeter einer orchideenreichen Wiese im Gebiet der Bleicheröder Berge. Sie beherbergt unter anderem einen großen Bestand der Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera). Bemerkenswert ist auch ein großes Vorkommen der in Thüringen stark gefährdeten Gelben Spargelerbse (Lotus maritimus).

Zu den Aktiven zählten Tobias Strietzel aus Nordhausen, der extra aus Sondershausen angereiste Fritz Daniel, das neu zu den Artenschützern gestoßene BUND-Mitglied Wolfgang Scholz aus Nordhausen und der Autor des Beitrages.

Der 43. Einsatz stand zunächst unter keinem guten Stern: Bei strömendem Regen waren wir in Richtung Obergebra gestartet, doch rechtzeitig, bevor wir unsere beiden Freischneider (einer davon gefördert von der Naturstiftung David) in Betrieb setzten, hörte es zu regnen auf.

Bereits 2015 waren wir auf der Wiese tätig gewesen. Damals mähten wir unter anderem Bereiche, die stark von Verbuschung bedroht sind, also insbesondere ausgewählte gebüschnahe Flächen. Diese „chirurgische Mahd“ zahlt sich aus: Der Neuverbuschungsgrad hielt sich 2016 in engen Grenzen. Er ist geringer, als 2015, obwohl wir nur etwa ein Drittel der gesamten Wiese mähen konnten. Dafür mähten wir 2016 Bereiche, die wir 2015 ausließen.

Es sollte untersucht werden, wie sich bestimmte, naturschutzrelevante Wiesen unter dem Einfluss einer nur alle zwei Jahre durchgeführten Mahd entwickeln. Auf Grund des meist begrenzten Potenzials der ehrenamtlichen Landschaftspfleger könnte hierin ein Schlüssel zur Erhaltung auch größerer artenreicher, aber auf kontinuierliche Bewirtschaftung angewiesener Magerstandorte liegen. Eventuell wird die Wiese an den Bleicheröder Bergen während der Wintermonate von uns aber noch komplett gemäht.

Dennoch wäre die Lösung einer Mahd im Abstand von zwei Jahren gewissermaßen ein Armutszeugnis für den staatlichen Naturschutz: Die für die Erhaltung bedrohter Pflanzenarten so dringend notwendige Kontinuität der Bewirtschaftung naturschutzfachlich extrem wichtiger Flächen hat sich zumindest im Landkreis Nordhausen trotz der neuen und noch dazu grünen Umweltministerin bisher kaum gezeigt: So wurde das erfolgreiche „Referenzprojekt Artenschutz“ des Autors (Verwaltung: Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser) unter CDU-Umweltminister Reinholz von 2013 bis 2015 Wirklichkeit, unter der Grünen Frau Siegesmund jedoch mündete die geplante Verlängerung nach einer rund einjährigen Zeit fehlender Informationen über den Fortgang in ein mit Tantiemen bezahltes Schmalspurprojekt – ein Affront gegen das bisher Erreichte! Dazu gibt es einen weiteren Beitrag.

Von daher sollten wir uns keine Illusionen machen: Wir müssen notgedrungen weiterhin und weitestgehend ehrenamtlich daran arbeiten, um die gesetzlichen Verpflichtungen, die sich für Staat und Behörden aus Naturschutzverordnungen und EU-Richtlinien ergeben, umzusetzen. Der BUND-Kreisverband Nordhausen wird dazu auch weiterhin einen aktiven Beitrag leisten sowie ein kritischer Beobachter des hiesigen Naturschutzes sein.

Gelegenheit, selbst aktiv zu werden, besteht wieder am 15.10. Dann wird der Halbtrockenrasen auf dem BUND-eigenen Grundstück zwischen den NSG Mühlberg und Himmelsberg gemäht, das die Fortsetzung des Casea-Raubbaus an unserer Landschaft vom heutigen Steinbruch Rüsselsee in Richtung Niedersachswerfen verhindern soll. Weitere Einsätze sind, frostfreies Wetter vorausgesetzt, auch weiterhin bis März geplant. Interessenten sind herzlich willkommen.
Bodo Schwarzberg

Interessenten melden sich bitte per Mail an: bodo_schwarzberg@yahoo.de

139_420400_1006_32881853

Was geht am Rüsselsee vor sich?

Wenn in letzter Zeit von einem „Kompromiss“ beim Gipsabbau im Landkreis Nordhausen die Rede ist, wird von beinahe allen beteiligten Akteuren auf das Tagebaugebiet bei Appenrode, den Rüsselsee geschaut.

Auch vor Ort tut sich dort etwas.

Bei einer Ortsbegehung des BUND Anfang dieser Woche fielen uns rund um das existierende Abbaugebiet eingeschlagene Markierungspfähle auf. Von uns wurden 30 Pfähle gesehen und deren Position bestimmt und dokumentiert. Wenn man sich diese Positionen in der Karte ansieht, steht zu vermuten, das es sich bereits um Markierungen des zukünftigen Abbaufeldes bzw. Stellen für die im Herbst geplanten Probebohrungen handelt. Das vorhandene Abbaufeld von Casea würde sich dann gen Südosten in einer Art Kesselsteinbruch in das existierende FFH- Gebiet hinein erweitern. Wir befürchten, das der geplante Abbau kurzerhand um unsere Sperrgrundstücke herum geplant ist.

Wir rufen alle interessierten Bürger, Mitglieder der Bürgerinitiative, Kreistagsabgeordnete, vor allem die heimischen Anwohner von Niedersachswerfen, Appenrode und Woffleben auf, sich die Markierungen einmal anzusehen. Am Besten geht man vom Mühlberg nach Woffleben auf den noch vorhandenen Waldweg auf dem Höhenzug.

Die GPS- Koordinaten des ersten Pfahles am Wiesenrand sind : 51° 33,818‘ N und 10° 44,711‘ E. Weitere Pfähle sind dann in Sichtweite auf der Wiese und im Waldstück gen Rüsselsee.

Natürlich wird der BUND sich mit einer Klage gegen den geplanten Eingriff in das unter dem Schutz der EU stehende FFH Gebiet zur Wehr setzen. Doch die Mühlen in Brüssel mahlen langsam, und genau darauf scheinen sich die Beteiligten des sog. Kompromisses, einschließlich des Umweltministeriums auch zu stützen.

Werden die Pläne der Gipsindustrie verwirklicht, wird der Höhenzug Himmelsberg – Mühlberg ein zweiter Kohnstein. Die Bevölkerung sollte am Ball bleiben, so wie ihre federführenden Bürgermeister Klante und Ehrhold im Gipskompromiss dies auch tun.

Nordhausen, den 25.08.2016

Karte_Pfähle_FFH_Grundstücke_mit Positionen_Pfähle

Für einen gerechten Welthandel: CETA & TTIP stoppen! – Jetzt wird entschieden!

Bundesweite Großdemonstrationen in Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart am 17. September 2016

CETA und TTIP, die Abkommen der EU mit Kanada und den USA, drohen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu untergraben. Im Herbst geht diese Auseinandersetzung in die heiße Phase: EU und USA drücken aufs Tempo und wollen TTIP bis zum Jahresende fertig verhandeln.
Kurz vor diesen Entscheidungen trägt ein breites Bündnis seinen Protest gegen CETA und TTIP auf die Straße! Weit über hunderttausend Menschen werden am Samstag, den 17. September in Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart auf die Straßen gehen. Damit auch die Landesregierungen aufgefordert werden, im Bundesrat CETA und TTIP nicht zuzustimmen.

Auch wir sind wieder mit dabei. Gemeinsam mit dem Stadtverband der Linken haben wir einen Bus organisiert, welcher nach Leipzig fährt, um Teilnehmer aus Thüringen die Möglichkeit zu geben, vor Ort an der Demonstration teilzunehmen.

Wir haben einen Bus für 53 Personen gebucht, der uns von Erfurt nach Leipzig und wieder zurück bringt.

  • Abfahrtszeit in Bad Langensalza:      08:00 Uhr vom ZOB am Bahnhof
  • Abfahrtszeit in Erfurt:                        09:00 Uhr vom Busbahnhof Bussteig 7 am                                                                                                                                                Hauptbahnhof
  • Zwischenstopp in Weimar:                09:30 Uhr an der Tankstelle in Gelmerode
  • Zwischenstopp in Weißenfels:           10:30 Uhr an der Promenade 19 am ZOB
  • Ankunftszeit in Leipzig:                      11:30 Uhr in der Nähe des Wilhelm-Leuschner-Platz
  • Abfahrtszeit in Leipzig:                      16:00 Uhr vom Ausstiegsort
  • Ankunftszeit in Erfurt:                       19:30 Uhr am Busbahnhof

Der Preis pro Person beträgt für Mitglieder des BUND 13€ und für Nichtmitglieder 15€

Um einen Überblick über alle Mitreisenden sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt zu haben, bitte ich Sie, mir in einer kurzen Mail oder einem Anruf mit Namen der Teilnehmer, Handynummer für Erreichbarkeit und Mail-Adresse mitzuteilen, dass Sie sich für die Fahrt anmelden. Die Anmeldung ist nach überweisen des Beitrags verbindlich.

Nummer: 0361 555 03 14
E-Mail: l.suss@bund-thueringen.de

Ich bitte sie, die Fahrtkosten möglichst gleich nach der Bestätigung ihrer Anmeldung mit dem Betreff „Leipzig 2016 – Name“ zu überweisen:

Sparkasse Mittelthüringen
BLZ:     820 510 00
Konto:  130 093 831
IBAN:   DE37 8205 1000 0130 0938 31
BIC:     HELADEF1WEM

Lionora Suß,
BFD (Bundesfreiwilligendienst)
BUND Thüringen e.V. Landesgeschäftsstelle

 

BUND pflegt Flachmoor

Einer der Mitbegründer des BUND war Prof. Dr. Bernhard Grzimek (1909-1987), der weltbekannte Tierschützer, Tierfilmer und langjährige Direktor des Zoos Frankfurt /Main. In seinem Buch „Wildes Tier, Weißer Mann“ aus dem Jahre 1969 setzte er sich intensiv mit den menschlichen Einflüssen auf die Biosphäre auseinander. Leider haben seine Warnungen nichts an Aktualität verloren…
Im Gegenteil: „Gerade das ist wohl der Keim des Verderbs, der in das Menschenhirn gelegt ist: die eigenen Taten zu überschätzen und die Dinge zu missachten, die nicht vom Menschen geschaffen sind.“ An diese Worte muss ich regelmäßig denken, wenn wir in der mitteldeutschen Provinz versuchen, die Artenvielalt vor Nutzungsaufgabe und / oder zu diskontinuierlicher ungeeigneter Landschaftspflege zu bewahren. Zu Grzimeks Zeiten gab es national wie international bedeutend weniger Schutzgebiete und Naturschutzregelungen, was er in seinem Buch auch anprangert: Doch trotzdem sich hier das Blatt komplett gewendet hat, bleiben Erfolge überwiegend aus: Wissenschaftler sprechen von der ungebremsten fünften Aussterbewelle auf Erden – verursacht durch eine weiterhin stark steigende Menschenpopulation und deren ungebremster wirtschaftlicher Gier.

Wir vom BUND-Kreisverband Nordhausen können daran nichts ändern. Wohl aber können wir lokal versuchen, ein wenig gegen diese dramatischen, ja apokalyptischen Veränderungen zu unternehmen.

Ein Niedermoor und seine Besonderheiten

Mitstreiter und Freunde des BUND -Kreisverbandes Nordhausen mähten am vergangenen Sonnabend in der Rüdigsdorfer Schweiz ein Moor. Moore in der von Trockenrasen und Trockengebüschen und Trockenwäldern geprägten Rüdigsdorfer Schweiz? Ein solches ökologisches Kleinod gibt es hier tatsächlich.

Es handelt sich um ein Flach- oder Niedermoor, das aus der Versumpfung des Mineralbodens entstanden ist. Aus einem angrenzenden Hang sickert wahrscheinlich schon seit sehr langer Zeit permanent Wasser, das sich in zwei kleinen Bächen mit wechselndem Wasserstand sammelt und von ihnen auf eine in einer flachen Senke liegende Wiese geschwemmt wird.

Da das Wasser offenbar auch noch recht nährstoffarm ist, hat sich eine besonders artenreiche Pflanzengemeinschaft entwickelt. Zu den bemerkenswerten Arten zählen Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium), Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Schuppenfrüchtige Gelbsegge (Carex lepidocarpa). Die erst- und letztgenannte Art konnten erst in den vergangenen Jahren für das Naturschutz- und FFH-Gebiet wieder- bzw. neu entdeckt werden.

Um den Artenreichtum dieser Flachmoore zu erhalten, müssen sie gemäht oder extensiv beweidet werden. Da viele in ihnen siedelnde Arten jedoch den vom Vieh meist verschmähten Sauergräsern und Binsen angehören, ist Mahd das bessere Mittel der Wahl. Früher wurden derartige Wiesen als Streuwiesen genutzt, sie lieferten die Einstreu für die Viehställe der bäuerlichen Kleinbetriebe. Diese Nutzung wird zumindest in Mitteldeutschland kaum noch praktiziert. Historische Streuwiesen sind daher ein floristisches Museum, die schon auf Grund ihres Reliktcharakters und ihrer Kleinheit langfristig wohl oft nur noch auf ehrenamtlicher Basis erhalten werden können. Sie sind Rückzugsräume für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten, die in unserer anthropogen stark überformten Kulturlandschaft ansonsten praktisch keine Überlebensräume mehr haben.

Besagte Wiese wurde zwischen 2013 und 2015 im Zuge des so genannten, vom Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser verwalteten und vom Autor dieses Beitrags umgesetzten Referenzprojekts Artenschutz einmal jährlich gemäht. Im Zuge dessen begannen ihre Pflanzengemeinschaften eine überwiegend positive Entwicklung zu nehmen, denn jahrelang war sie unbewirtschaftet geblieben. – Wichtig für Erfolge im Artenschutz aber ist jedoch die Aufrechterhaltung einer Kontinuität bei der Bewirtschaftung.

Mähen, Harken und Picknick

In diese, Sinne wurden am vergangenen Sonnabend sechs Enthusiasten aktiv: Der BUND-Kreisverband Nordhausen führt die Bewirtschaftung zunächst fort. Gemäht und geharkt wurde unter anderem von Tobias Strietzel, Heidi Schell, Uwe Dumjahn und dem Autor dieses Beitrages. Uwe Dumjahn war das erste Mal dabei und führte den einen der beiden Freischneider so professionell, dass wir uns alle schon jetzt auf seine nächste Teilnahme freuen.

Der Einsatz war übrigens nicht nur ein körperlich entspannendes Erlebnis: Das übliche Picknick unter freiem Himmel mundet auf einer seltenen Wiese ganz besonders. Zumal es diesmal gleich zwei Höhepunkte dieser Art gab: Michaela Sorgatz brachte einen geheimnisvoll gefüllten und inhaltlich sehr schmackhaften Picknickkorb vorbei.

Blick über Flachmoorgrenzen hinaus

Die landschaftspflegerischen Einsätze des BUND-Kreisverbandes Nordhausen leisten einen Beitrag zur Umsetzung jener Festlegungen, die in den Verordnungen unserer Naturschutzgebiete und in der FFH-Richtlinie der EU niedergeschrieben sind. Auch der 41. Einsatz seit 2010 diente deren Umsetzung. Durch die Mahd können nicht nur stark gefährdete Pflanzengemeinschaften sondern gleich mehrere bedrohte Pflanzenarten erhalten werden. Bedenkt man, dass sich z.B. auch zahlreiche Insektenarten auf derartige Flachmoore spezialisier haben, dienen unsere Maßnahmen auch dem zoologischen Artenschutz.

Wichtig wäre, dass sich auch die Programme des Freistaates noch mehr an den selbst verfassten Regelungen bzw. unterstützten Richtlinien orientieren, womit nicht nur großflächig wirksame Aktionen gemeint sind. Gezielte Maßnahmen auf kleinen artenreichen Flächen haben nachweislich einen nicht zu vernachlässigenden bis entscheidenden Einfluss auf die Erreichung von Schutzzielen. Sie sollten unbedingt Teil des geplanten Naturschutzgroßprojekts sein. Die Naturschutzbehörden und Landschaftspflegeverbände haben hierbei eine immense Verantwortung, die sie mit Engagement und vor allem mit Augenmaß wahrnehmen sollten.

Denn auch bestehende Regelungen bieten viele Möglichkeiten dazu. Weitere Verluste artenreicher Lebensgemeinschaften dürfen nicht hingenommen werden, wobei die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, zu erfahren, ob in Mitteldeutschland tatsächlich effektiv gegen den Verlust der Artenvielfalt vorgegangen wird oder nicht. Denn, wie schon eingangs geschrieben: Der Satz Grzimeks hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Der nächste Einsatz des BUND-Kreisverbandes ist für den 20. August geplant. Interessenten sind herzlich willkommen. Sie können sich unter bodo_schwarzberg@yahoo.de melden.
Bodo Schwarzberg

20160806_153726 20160806_145307 20160806_124208 20160806_122900 20160806_105545 20160806_105520

 

Kompromiss für den Artenschutz

Das Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz ist innerhalb Thüringens eines der floristischen Hotspots. Die Hauptbedrohung für die Artenvielfalt geht von der Gipsindustrie aus. Zur Abwendung einer anderen Bedrohung, gab es gestern ein wichtiges Treffen…

 Er sieht aus, wie ein ganz gewöhnlicher, weißer Doldenblütler, ist aber mittlerweile eine Rarität: Der stark gefährdete Steppen-Sesel (Seseli annuum) soll in der Rüdigsdorfer Schweiz erhalten bleiben. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Er sieht aus, wie ein ganz gewöhnlicher, weißer Doldenblütler, ist aber mittlerweile eine Rarität: Der stark gefährdete Steppen-Sesel (Seseli annuum) soll in der Rüdigsdorfer Schweiz erhalten bleiben.

Denn die meisten bedrohten Pflanzenarten des Gebietes siedeln in oftmals lückigen Trocken- und Halbtrockenrasen, die zu ihrer Erhaltung auf Beweidung oder Mahd angewiesen sind. Die Erhaltung des „Inventars“ ist in der Schutzgebietsverordnung ebenso festgeschrieben, wie in der FFH-Richtlinie der EU von 1992 mit ihrem Verschlechterungsverbot.

Das Naturschutzgebiet liegt im FFH-Gebiet Rüdigsdorfer Schweiz-Harzfelder Holz-Hasenwinkel. Dennoch gab es seit der Wende Verluste von Wuchsorten oder zumindest negative Entwicklungen bei mehreren Populationen, teils durch eine zum Teil kräftige Gehölzentwicklung infolge Nutzungsaufgabe, teils durch eine nicht optimale Landschaftspflege.

Das gestrige Treffen mit einem Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde und dem Bewirtschafter großer Teile des sensiblen Gebietes diente ganz in diesem Sinne dem Schutz verbliebener Wuchsorte bedrohter Pflanzenarten vor Fraßschäden, Tritt und weidebedingtem Nährstoffeintrag. Für einige Arten und Wuchsorte ist eine gezielte und gelegentliche extensive Mahd sinnvoller, als eine Beweidung während der besonders sensiblen Phase von Blüte und Fruchtbildung. Der möglichen Verdrängung bedrohter Arten sollte zumindest punktuell durch die Beibehaltung früherer, bewährter Bewirtschaftungsformen oder einer nur sporadischen Bewirtschaftung verhindert werden.

Ganz in diesem Sinne einigten sich die drei Vertreter von Behörde, Landwirtschaft und ehrenamtlichem Naturschutz auf eine Auskopplung von drei Wuchsorten zum Teil hochgradig bedrohter Pflanzenarten. Hierbei handelt es sich um den in Thüringen stark gefährdeten Steppen-Sesel (Seseli annuum), den ebenfalls stark gefährdeten Ährigen Blauweiderich (Veronica spicata), einen Wuchsort des sogar weltweit sehr seltenen und deutschlandweit vom Aussterben bedrohten Pilzes Zierlicher Braunsporstacheling (Sarcodon lepidus) und um ein Vorkommen u.a. der extrem nährstoffempfindlichen, vom Aussterben bedrohten Erdflechtenarten Squamarina lentigera und Buellia epigaea.

Im Gegenzug werden wir ehrenamtliche Naturschützer die meist sehr kleinen ausgekoppelten Flächen gelegentlich mähen, um eine Verbuschung oder Verfilzung zu verhindern.

Der Unteren Naturschutzbehörde sei ebenso gedankt wie dem Bewirtschafter der Rüdigsdorfer Schweiz, Meyk Forst, dessen Tiere weite Teile der Rüdigsdorfer Schweiz offenhalten und der die Auskopplungen vornimmt. Dass er den Auskopplungen zustimmen würde, ist nicht selbstverständlich. Sie sind nicht vorgeschrieben.
Bei aller berechtigter Genugtuung über das erreichte Einvernehmen bleibt also ein Wermutstropfen: Damit die Bewirtschaftung unserer Naturschutzgebiete von vornherein im Sinne einer Erfüllung von Schutzgebietsverordnungen, Biodiversitätsstrategie und FFH-Richtlinie gestaltet werden kann, müssen den zahlreichen Regelungen und Lippenbekenntnissen von Umweltministerin Siegesmund endlich auch bei uns spürbare Taten folgen. Das hieße zum Beispiel, Behörden dazu zu verpflichten, schon vor der Aufnahme einer wirtschaftlichen Nutzung den Bestand bedrohter Arten explizit zu berücksichtigen und die Bewirtschaftungsverträge punktuell an deren Ansprüchen auszurichten.

Dies könnte zum Beispiel auch durch die rechtzeitige Einbeziehung von Umweltverbänden geschehen, die sich hernach um die Pflege dieser Wuchsorte kümmern. Punktuelle Daten zu den Vorkommen bedrohter Arten wurden von uns Botanikern seit 1990 erfasst. Sie liegen bei der TLUG vor.

Eigentlich aber sollte es sich für Landwirte finanziell lohnen, zum Beispiel artenschutzbegründete punktuelle Auskopplungen oder eventuell notwendige spezielle Bewirtschaftungsweisen vorzunehmen. Damit wäre der wuchsortbezogene Artenschutz ein Teil der Bewirtschaftung! Dies müsste für Naturschutz- und FFH-Gebiete angesichts der ihnen zugrundeliegenden Regelungen eigentlich selbstverständlich sein.
Denn wie sonst wollen wir unter anderem unsere Biodiversitätsstrategien umsetzen und wie wollen wir den immer dramatischer ausfallenden Roten Listen bedrohter Arten etwas Wirksames entgegensetzen? Hier gibt es einige Widersprüche und zugleich eine ganze Reihe von Möglichkeiten: Im Sinne einer Möglichkeit wurde gestern ein hoffnungsvoller Beschluss gefasst.

Denn die zum Teil letzten Wuchsorte seltener Pflanzenarten befinden sich oft auf winzigen Splitterflächen. Mit einem verhältnismäßig kleinen Aufwand, zum Beispiel einer Auskopplung, kann ein großer Gewinn für den Naturschutz erreicht werden. Das wäre ein weiterer Schritt dazu, den Naturschutz in Naturschutzgebieten zu stärken. Die beschriebenen Widersprüche schreien doch eigentlich geradezu nach einer baldigen Lösung auf Landesebene. Fraglich nur, ob dies das grüne Umweltministerium genauso sieht.

Solange es jedoch kein Muss zur konkreten Berücksichtigung von Wuchsorten bedrohter Arten bei der Bewirtschaftungsplanung gibt, werden die Widersprüche weiter bestehen, und es wird weitere Verluste bedrohter Arten im Gebiet geben. Diesem Trend stand das gestrige Treffen „Freiwilliger“ erfreulicherweise entgegen. Es sollte beispielgebend sein.
Bodo Schwarzberg

BUND-Kreisverband mit 40. Einsatz

Am vergangenen Sonnabend war es wieder so weit: Zum 40. Mal seit 2010 griffen Mitstreiter und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen zu Freischneider, Harke und Heugabel. Diesmal wurde ein ökologisch wertvoller Halbtrockenrasen im Naturschutzgebiet (NSG) Alter Stolberg gemäht…

Hier siedeln unter anderem die vier laut Roter Liste Thüringen stark gefährdeten Gefäßpflanzenarten Steppen-Sesel (Seseli annuum), Abbiss-Pippau (Crepis praemorsa), Färber-Meier (Asperula tinctoria) und Einfache Wiesenraute (Thalictrum simplex ssp. tenuifolium).

Das Naturschutzgebiet Alter Stolberg beherbergt mindestens acht zum Teil nur kleine waldärmere Bereiche, in denen noch nach 1990 jeweils mindestens zwei stark gefährdete, höhere Pflanzenarten nachgewiesen werden konnten. Meist seit der Wende unterlagen sie mehrheitlich keiner oder keiner geeigneten Pflege bzw. Bewirtschaftung, die zur Erhaltung hochgradig bedrohter Arten beitragen konnte. Das Problem: Die einstige Schaf-/Ziegen-Hütehaltung ist im Naturschutzgebiet weitestgehend zum Erliegen gekommen. Zudem wurden nach dem Krieg zahlreiche, einst offene, artenreiche Landschaftsausschnitte aufgeforstet, was zu weiteren Verlusten führte.

Nachdem das vom Autor des Beitrages allein durchgeführte und vom Landschaftspflegeverband Südharz /Kyffhäuser verwaltete Referenzprojekt Artenschutz 2015 unter anderem auf Grund von bürokratischen und praxisfremden Problemen nicht weiter verfolgt werden konnte, wird der BUND Kreisverband Nordhausen einen Teil der ehemaligen Projektflächen zur Bewirtschaftung übernehmen. Die im Alten Stolberg am Sonnabend gemähte Fläche gehört dazu.

Zentral ist dabei die zeitlich lückenlose Fortführung einer artenschutzgerechten Bewirtschaftung, an der es auf sensiblen, mageren und artenreichen Flächen nicht selten mangelt. Dies aber steht mitunter im Widerspruch zu den festgeschriebenen Erhaltungszielen in unseren Naturschutz- und FFH-Gebieten.

Hierzu wird es demnächst eine neue nnz-Serie geben. Wichtig sind die artenerhaltenden Maßnahmen auch, um den naturschutzfachlichen Wert unserer Schutzgebiete gegenüber den Bestrebungen der Wirtschaft zu erhalten, auch noch die letzten inselartigen Naturschutzflächen ihren Profitinteressen unterzuordnen zu wollen.

Am vergangenen Sonnabend beteiligten sich insgesamt sechs Mitstreiter und Freunde des BUND-Kreisverbandes an dessen 40. Pflegeeinsatz: Klaus Liebenrodt (Ilfeld), Tobias Strietzel (Nordhausen), Heidi Schell (Nordhausen), Katrin Kulpa (Leipzig), Reiner Peix (Ilfeld) und Bodo Schwarzberg (Nordhausen).

Erstmals kamen zwei Big Bags zum Einsatz, mit denen das anfallende Mähgut leichter von der Fläche entfernt werden konnte. Besonderer Dank gilt den Mitstreitern Tobias Strietzel, Heidi Schell und Klaus Liebenrodt, die den Großteil des obligatorischen Imbisses beschafften. Und der war diesmal eine lukullische Rarität: Denn die Fleischerei Erwin Fessel aus Ilfeld hatte sich bereit erklärt, den BUND-Einsatz mit einem äußerst großzügigen, reichhaltigen und unglaublich schmackhaften Produktmix zu unterstützen. Ganz herzlichen Dank dafür.

Bedanken möchten wir uns auch bei der Unteren Naturschutzbehörde für die Unterstützung unserer Einsätze und bei den Eigentümern der Flächen, auf denen wir tätig werden möchten. Der nächste BUND-Einsatz ist für Ende Juli oder Anfang August geplant. Interessenten melden sich bitte bei bodo_schwarzberg@yahoo.de

139_405349_0712_72423690 139_405348_0712_52980185 139_405347_0712_98893154

 

139_405346_0712_16206417 139_405345_0712_93907582 139_405344_0712_55583307 139_405343_0712_14069605 139_405342_0712_76784541 139_405341_0712_77531439

 

Thüringer Umweltministerin plant am Winkelberg die Ausweisung von weiteren 18 ha als Naturschutzgebiet

Der BUND Thüringen begrüßt die von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund angekündigte Erweiterung des Naturschutzgebietes „Rüdigsdorfer Schweiz“ um die noch ausstehenden 18 Hektar am Winkelberg. Das aktuelle Rechtsgutachten bestätigt die Position des BUND Thüringen, dass aus dem sogenannten Gipskompromiss von 1997 keine Rechtsansprüche für einen Gipsabbau am Winkelberg bestehen.

„Der mehr als ein Vierteljahrhundert dauernde Kampf des BUND Thüringen gemeinsam mit den Bürgern in der Region um das Herz der Südharzer Gipskarstlandschaft hat sich gelohnt“, freute sich Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Mit Ihrer Entscheidung, den Winkelberg als Naturschutzgebiet auszuweisen, zieht Ministerin Siegesmund endlich einen Schlussstrich um die Auseinandersetzung und rettet ein Naturparadies der Extraklasse.“

Nach Angaben des BUND Thüringen nimmt die Rüdigsdorfer Schweiz als letztes zusammenhängendes Gipskarstgebiet eine Sonderstellung ein. Im Gegensatz zu allen anderen Karstgebieten im Südharz, die durch großflächige Gipssteinbrüche zerstückelt sind, bilde die Rüdigsdorfer Schweiz eine noch intakte landschaftliche Einheit. Das Mosaik verschiedenster Biotoptypen auf kleinstem Raum beherberge einen immensen Reichtum an gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Der Winkelberg bilde mit Trockenrasen, Streuobstwiesen, Magerwiesen sowie Birken- und Eichenwälder das Herzstück innerhalb der Rüdigsdorfer Schweiz und der gesamten Gipskarstlandschaft. Der Gipsabbau würde diese Naturschätze unwiederbringlich zerstören.

Den Anspruch der Firma CASEA GmbH auf Abbaurechte am Winkelberg unter Berufung auf den sogenannten Gipskompromiss von 1997 weist der BUND Thüringen zurück. Das vom Thüringer Umweltministerium in Auftrag gegebene Rechtsgutachten bestätige, dass die Vereinbarung von 1997 keine rechtsverbindliche Wirkung habe.

„Wir fordern CASEA und andere Gipsfirmen in der Region auf, endlich ihre Pläne für neue Gipsabbauvorhaben am Winkelberg oder anderswo im Südharz zu beerdigen“, sagte Dr. Burkhard Vogel, Landgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Das Gipswerk Rottleberode in Sachsen-Anhalt zeigt, dass mit modernen Technologien zur Verarbeitung von REA-Gips und Recyclinggips mehr Arbeitsplätze geschaffen werden als durch den Naturgipsabbau. Auch aus unternehmerischer Sicht ist der Raubbau an einem absehbar endlichen Rohstoff keine tragfähige Zukunftsperspektive“.

Landschaftspflegeeinsatz

Dass ehrenamtliches Engagement den Rückgang von Wuchsorten bedrohter Pflanzenarten entgegen dem allgemeinen Trend verlangsamen oder gar aufhalten kann, dafür gibt es im Landkreis Nordhausen belastbare Beweise. Die gezielten landschaftspflegerischen Einsätze des BUND-Kreisverbandes Nordhausen sind Teil eines umfassenden Konzeptes…

139_396887_0601_32438884 139_396889_0601_79274226

Dieses ist sozusagen in Nordhausen entwickelt worden und beschäftigt sich mit dem „wuchsortbezogenen Artenschutz“. Oftmals befinden sich die nicht selten weithin letzten Wuchsorte bedrohter Arten auf abgelegenen oder wirtschaftlich uninteressanten Splitterflächen.

Im Rahmen der floristischen Kartierung des Landkreises Nordhausen wurden viele von ihnen seit den 90er Jahren aufgesucht und hinsichtlich Arteninventar und Zustand analysiert. Die dabei erkannte Handlungsnotwendigkeit führte zu hunderten ehrenamtlichen Kleinstmaßnahmen, die den Verlust von Dutzenden Wuchsorten bedrohter Gefäßpflanzenarten verhindern halfen.

Einige, besonders seltene oder selten gewordene Arten werden zudem in so genannten Erhaltungskulturen vermehrt. Bedingt durch die zunehmende Zahl und Größe der zu pflegenden Wuchsorte bedrohter Arten werden seit 2010 Einsätze des BUND-Kreisverbandes durchgeführt. Das „Referenzprojekt Artenschutz“ des Autors gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser rundet den wuchsortbezogenen Artenschutz im Landkreis ab, der nur in enger Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde, mit der Forstbehörde und mit den Eigentümern sowie Pächtern realisiert werden kann.

Durch die BUND-Einsätze wurde es möglich, größere Flächen zu pflegen und damit die Effektivität der Maßnahmen zu erhöhen. Das Gemeinschaftserlebnis, der stundenlange, körperlich aktive Aufenthalt an landschaftlich reizvollen Örtlichkeiten und das Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben, hat zu einer schönen Regelmäßigkeit dieser Einsätze geführt. Im Abstand von vier bis acht Wochen lädt der BUND-Kreisverband dazu ein.

Am vergangenen Sonnabend war es wieder so weit: Acht Enthusiasten trafen sich im neuen Naturschutzgebiet Harzfelder Holz, um unter anderem einen seit langem verbuschenden Halbtrockenrasen von jüngerem Schlehenbewuchs zu befreien und eine erste Mahd durchzuführen. 800 m² wurden zunächst gepflegt. Die Ablagerung der Zweige erfolgte heckenartig am Rand des Halbtrockenrasens. Dadurch entsteht eine zusätzliche Struktur, die Kleinsäugern und Reptilien als Biotop dienen kann.

Von 10 bis 17 Uhr war die Gruppe im Einsatz, wobei besonders die Teilnahme der Sondershäuser Helga und Karl-Heinz Junker hervorzuheben ist. Michaela Sorgatz aus Nordhausen beteiligte sich zum ersten Mal an einem BUND-Einsatz. Sie bereicherte den unter freiem Himmel besonders wohlschmeckenden Imbiss mit ausgesuchter vegetarischer Kost.

Das längerfristige Ziel besteht darin, unter anderem die wenigen Halbtrockenrasen des Naturschutzgebietes Harzfelder Holz wieder in einen optimalen Zustand zu versetzen. Sie übernehmen eine wichtige Trittsteinfunktion zwischen den Halbtrockenrasen der NSG Pfaffenköpfe, Alter Stolberg und Rüdigsdorfer Schweiz. Im NSG Harzfelder Holz konnten zahlreiche bedrohte und geschützte Pflanzenarten nachgewiesen und bisher erhalten werden. Auch die Fledermausfauna ist bemerkenswert.

Dringend notwendig zur weiteren Verbesserung der Situation unserer Halbtrockenrasen wäre eine Wiederbelebung der Schaf-und Ziegenbeweidung und eine massive Unterstützung der beiden letzten verbliebenen Herden im Raum Buchholz und Harzungen/Petersdorf. Denn die Notwendigkeit ehrenamtlichen Engagements im Naturschutz ist auch Ausdruck des großen Widerspruchs zwischen politischen Zielen, Verordnungen und deren Umsetzung in der Praxis. Der landesweit kaum gebremste Rückgang der allermeisten bedrohten Arten hat bisher nicht zu wirksamen Gegenmaßnahmen geführt. Dabei gab es bereits 1937 ein Naturschutzgesetz.

Der BUND-Kreisverband Nordhausen plant auch eine weitere technische Aufrüstung: Neben den beiden leistungsstarken Freischneidern (einer davon privat, der andere gefördert durch die Thüringer Naturstiftung David) soll möglichst schon bald ein geländegängiger Mäher zum Einsatz kommen. Anzahl und Größe der vom BUND gepflegten Flächen könnte sich in den kommenden Jahren weiter erhöhen.

Bodo Schwarzberg

Unwiederbringlich: Vernichtet am Kohnstein (1)

In mehreren Teilen werden bemerkenswerte Pflanzenarten aufgeführt, die einst am Kohnstein siedelten. Die Zahl der Arten, von denen Wuchsorte durch Gipsabbau vernichtet werden und wurden, macht sprachlos. Eine Beitragsreihe von Bodo Schwarzberg…
614_391838_0506_86117351

Im Jahre 1905 umspülte die Zorge fast den Nordostfuß des Kohnsteins. Heute liegen zwischen beiden mehrere hundert Meter. Der auf der Postkarte sichtbare Teil des Kohnsteins wurde zu Schwefelsäure und Gipskartonplatten verarbeitet. Diese können nicht „renaturiert“ werden.Hier im Gebiet des Südharzer Zechsteinrandes leistet die Wirtschaft einen rigorosen Beitrag zur Verlängerung der Roten Listen. Gerade schickt sich die Gipsindustrie an, Vorschläge für die so genannte Renaturierung des Steinbruches am Kohnstein zu unterbreiten und präsentiert sich selbst als möglichen Vollstrecker. Dies der Bevölkerung als Wohltat zu verkaufen, verbietet sich aber. Denn die Beseitigung von durch den Bergbau angerichteten Schäden durch die Verursacher dürfte zum einen selbstverständlich sein.

Der Industrie muss das Wasser schon kurz unter den Ohrmuscheln stehen, wenn sich mehrere, letztlich konkurrierende Firmen genötigt sehen, gemeinsam ein derartiges Projekt zu verfolgen. Eine wirkliche Beseitigung der Schäden ist aber genau betrachtet gar nicht möglich. Dem Luftbild nach, dürfte dem Kohnstein gut ein Drittel seiner bisherigen Masse entrissen worden sein. Postkarten aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zeigen die Zorge tatsächlich am Fuße des Kohnsteins fließend. Heute liegen die oberen Ränder des Steinbruches mehrere hundert Meter westlich des Flusses!

Hier wurde Landschaft, wie auch im Raum Ellrich und im Alten Stolberg, im wahrsten Wortsinne vernichtet.
Das Wort „Renaturierung“ würde wörtlich übersetzt bedeuten, die ursprünglich dort gegebenen natürlichen Verhältnisse quasi 1:1 zurückzubringen. Niemand aber kann den abgebauten Kohnsteinteil zurückbringen und damit auch nicht die dort einst herrschende, ursprüngliche Vielfalt an Biotoptypen, Pflanzen- sowie Tiergemeinschaften.

Die früher dort u.a. siedelnden Blaugrasrasen beispielsweise könnten wenigstens zum Teil natürlichen Ursprunges gewesen sein, das heißt, eine Bewaldung fand auf Grund der Steilheit des Geländes, wie wahrscheinlich an Teilen des Mühlbergs in Niedersachswerfen, wenigstens stellenweise nicht statt. Wird die ursprüngliche Vegetation aber entfernt, dann kann es dort niemals wieder eine ursprüngliche Vegetation geben. Diese ist einmalig und unersetzlich.

Das Vorhaben, eine denaturierte Fläche „renaturieren“ zu wollen, kann also nur als Firlefanz bezeichnet werden. Es geht der Industrie einzig und allein darum, die in der Bevölkerung und in der Politik herrschende Antigipsabbaustimmung zu ihren Gunsten zu drehen.
Der am Kohnstein angerichtete Schaden ist aber zum anderen nicht wieder gut zumachen. Die besonderen Ausbildungsformen der Blaugrasrasen im Gebiet werden von verschiedenen Autoren als endemisch für Europa bezeichnet, sie gelten hier im Zechsteingebiet als einzige außerhalb der Alpen siedelnde („dealpine“) Reliktrasen (nach MEUSEL 1939).

Der Schaden ist auch deshalb nicht wieder gut zumachen, weil der Kohnsteinsteinbruch und all die anderen Steinbrüche eine Vielzahl heute bedrohter und teils gesetzlich geschützter Pflanzenarten vernichteten und vernichten. Diese haben sich überwiegend im Zuge der nacheiszeitlichen Entwicklung und durch eine extensive, d.h. naturschonende menschliche Wirtschaftsweise über Jahrtausende angesiedelt. Diese Arten sind z.T. hochsensibel, d.h. sie benötigen ein ganz bestimmtes Zusammenspiel unterschiedlicher Standortaktoren, die für so viele vernichtete Arten nicht künstlich geschaffen werden können.

Lassen Sie sich von der Industrie nicht einreden, sie könne alles wieder gut machen, neue Steinbrüche seien doch gar nicht so schlimm. Schauen Sie in die Welt hinaus: Die Wirtschaft hat den Planeten ökologisch an den Rand des Abgrunds designt. Der Mensch und seine Umwelt interessieren sie nur insofern, dass sie ihren Kapitalinteressen dienlich sind. Selbiges kann man am Verhalten der Gipsunternehmen gerade ausgiebig studieren. Eine Einheit von Ökonomie und Ökologie gibt es nicht, die Wirtschaft beweist dies tagtäglich. Nicht nur mit dem Abgasskandal. Lassen wir uns also nicht wie unwissende Eingeborene in den tropischen Regenwäldern Südamerikas über den Tisch ziehen.

In mehreren Teilen werde ich eine Liste von Arten präsentieren, die einst am Kohnstein siedelten, meist seit langem aber hier nicht mehr vorkommen. Als Literaturquelle dient die „Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend“ von 1886, geschrieben von den Botanikern A. VOCKE und C. ANGELRODT. Die von mir aus der Literaturquelle zusammengestellten Arten bevorzugen überwiegend Bedingungen, wie sie einst am verwerteten Ost- bzw. Nordostrand des Berges herrschten. Bei einigen Arten schreiben die Autoren auch konkret vom Ostrand des Kohnsteins als ehemaligen Wuchsort. Die Angaben hinter dem deutschen Namen beziehen sich auf die aktuell gültige Thüringer bzw. auf die deutsche Liste gefährdeter Gefäßpflanzenarten (RL 2=stark gefährdet, RL 3=gefährdet, ein „§“ kennzeichnet den Schutz nach Bundesnaturschutzgesetz).

Neben den genannten Botanikern VOCKE und ANGELRODT kann unter anderen auch der ehemalige hallesche Botanik-Professor Hermann MEUSEL (1909-1997) als wichtiger, wissenschaftlicher Zeitzeuge der Vernichtung benannt werden: Die damaligen Vegetationsverhältnisse u.a. am Kohnstein beschreibt er im Jahre 1939 ausführlich in seiner grundlegenden Arbeit „Die Vegetationsverhältnisse der Gipsberge am Kyffhäuser und im südlichen Harzvorland“.

MEUSEL setzte sich, wie auch der frühere, mit dem Bundesverdienstkreuz geehrte ehemalige Nordhäuser Kreisnaturschutzbeauftragte, das Kreistagsmitglied Dr. Walter ELMER (1913-2008), massiv für die Erhaltung unserer artenreichen Landschaft ein. MEUSEL schrieb 1939: „An der steilen Nordostwand dieses Berges müssen einst ausgedehnte Grasheiden vorgekommen sein. Heute ist fast alles durch Steinbruchbetrieb zerstört. Aber selbst die wenigen Reste bei der Schnabelsburg weisen noch eine sehr reiche Vegetation auf.“

MEUSEL dürfte sich kaum vorgestellt haben können, wie sich das Abbaugeschehen nach dem Zweiten Weltkrieg und bis heute entwickeln würde. Die Rasengesellschaften und wärmeliebenden Gebüsche, die er noch sah und beschrieb, wurden mit dem Gestein weggesprengt.

Folgende, bedrohte oder geschützte Pflanzenarten wurden, gemäß VOCKE & ANGELRODT (1886) und teils auch nach MEUSEL (1939) einst am Kohnstein nachgewiesen, die meisten in Pflanzengesellschaften, die vom abgebauten Teil des Berges beschrieben wurden (Teil 1).:

  • Pulsatilla vulgaris (Gewöhnliche Kuhschelle) RL 3/3/&
  • Anemone sylvestris (Großes Windröschen) RL -/3/§
  • Aconitum lycoctonum (Gelber Eisenhut) RL-/-/§
  • Arabis sagittata (Pfeilblättrige Gänsekresse) – Wiederfund weniger fruchtender Pflanzen durch den Autor am oberen Steinbruchrand 2015 RL 2/-
  • Biscutella laevigata ssp. tenuifolia (Schmalblättriges Brillenschötchen), die Sippe kommt heute weltweit nur noch an einer Stelle im Südharzer Zechsteingebiet vor. Der Endemismus der Unterart (bzw. ihre genetische Identität) ist jedoch nicht zweifelsfrei bewiesen. In jedem Fall aber gehört das Brillenschötchen zu den besonders schwerwiegenden Verlusten des Kohnstein-Steinbruchs. RL 2/2/§
  • Fumana procumbens (Nadelröschen) RL 2/3
  • Parnassia palustris (Sumpf-Herzblatt) RL 2/3
  • Viola collina (Hügel-Veilchen) RL 2/2
  • Dianthus armeria (Rauhe Nelke) RL 2/-
  • Genista germanica (Deutscher Ginster) 3/-

Teil 2 folgt
Bodo Schwarzberg

Quellen:
KORNECK, D, SCHNITTLER, M. & VOLLMER, I. (1996): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Deutschlands. – Schriftenreihe Vegetationsk. 28: 21-187.
Korsch, H., W. Westhus, K. HORN & W. JANSEN (2011): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 365-390.
MEUSEL, H. (1939): Die Vegetationsverhältnisse der Gipsberge im Kyffhäuser und im
südlichen Harzvorland. – Hercynia 2: 1-372
VOCKE, A. & ANGELRODT, C. (1886): Flora von Nordhausen und der weiteren Umgebung. Berlin.