Willkommen auf den Seiten des BUND Kreisverband Nordhausen

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künftiges Vorranggebiet vorsorgende Rohstoffgewinnung VRS-2 bei Steigerthal

Foto: BUND Kreisverband Nordhausen

Termin monatliche Sitzung:

Besuchen Sie unsere monatliche Sitzung und lernen Sie unsere Aufgaben und Projekte persönlich kennen:
Jeder 1. Dienstag im Monat
ab 18:30 Uhr
Ort:

BUND Kreisverband Nordhausen
Jugendklubhaus Nordhausen
Käthe- Kollwitz- Str. 10
99734 Nordhausen

Eine genaue Wegbeschreibung finden Sie unter Kontakt

Aktionsgruppe „Südharz bleibt natürlich“:

Jeder 1. Dienstag im Monat
ab 17:00 Uhr
Ort:
Vereinshaus „Thomas Mann“
Wilhelm-Nebelung-Straße 39
99734 Nordhausen

 

Nächster Landschaftspflegeeinsatz:

Interessenten melden sich bitte unter: 01716530123 bei Bodo Schwarzberg

Flyer „Gipskarst erkunden – Programm 2021“

FLYER_Gipskarst2021_Druck

Zwischen Juni und September 2021 finden diverse Veranstaltungen zum oder im Gipskarst Südharz statt. Mit Klick auf das Titelbild öffnet sich das Dokument.

Alle Termine kündigen wir Ihnen unter Vorbehalt
möglicher Einschränkungen und Verschiebungen aufgrund
der Corona-Pandemie oder des Wetters an.
Aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen finden
Sie unter www.bund-goettingen.de.
Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist nur auf
Anmeldung unter mail@bund-goettingen.de oder 0551-
56156 möglich!

Stellungnahme Holungsbügel

Stellungnahme des BUND Kreisverbandes Nordhausen zu den vorhabensbezogenen Bebauungsplänen Nr. 57-2
„Solarpark Am Holungsbügel“ sowie Nr. 57-1 „Solarpark Hinter der Steinmühle“

Sehr geehrte Damen und Herren,

DER BUND Kreisverband wurde mittels Vollmacht des BUND Landesverbandes Thüringen legitimiert, die in seiner territorialen Zuständigkeit befindlichen Planungen, Vorhaben etc., die mit einer öffentlichen Beteiligung verbunden sind, als Vertreter eines nach § 30 BNatschG anerkannten Umweltverbandes, hier: BUND Thüringen, wahrzunehmen.

Bei Bedarf legen wir diese Vollmacht vor.

1.Zur Planung der Photovoltaikanlage „Hinter der Steinmühle“

Die geplante Anlage soll auf einer sanierten Altlastfläche in sachlicher Zuständigkeit des Landes Thüringen,  errichtet werden.

Die Sanierung der Altlastenfläche ist mittels Überdeckung von Fremdmaterial erfolgt. In den Auflagen des zum Vorgang gehörenden Bescheides wurden Rekultivierungsleistungen mittels abschließender Bepflanzung/Begrünung festgeschrieben und haben dadurch eine rechtliche Verbindlichkeit erlangt.

Diese Auflagen sind im Rahmen des vorliegenden und zu ergänzenden Bebauungsplanes zu erörtern. Es ist darzulegen, wie bei Realisierung des geplanten Vorhabens die Begrünung an anderweitiger Stelle (Ausgleich-Ersatzmaßnahmen) realisiert wird. Zudem umfasste diese Begrünung finanzielle Leistungen des Betreibers, die gemäß rechtlicher Erfordernis als Sicherheitsleistungen zu hinterlegen sind.

Durch die Errichtung der Photovoltaikanlage auf dieser Fläche „hinter der Steinmühle“, die infolge der jahrzehntelangen Stilllegung bereits wertvolle Biotopstrukturen entwickelt hatte, wird eine ursprünglich geplante „Ausgleichspflanzung bzw. Begrünung zum Zweck der Wiedereingliederung in die Landschaft“ nicht verwirklicht werden. Es bedarf also der summarischen Betrachtung des Ausgleiches sowohl der nunmehr nicht mehr stattfindenden Begrünung als auch der mit der  Errichtung der Photovoltaikanlage erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen mittels Begrünung an anderweitiger Stelle.

 Durch den zeitlichen Verzug der Aussetzung der ursprünglich geplanten Begrünung wird eine Wiedereingliederung und Wiederbesiedlung der mit Erdreich und Baustoffen versiegelten Landschaft verzögert. Diese Verzögerung führt zu einer erforderlichen Höherwertigkeit der im Zuge der PVA vorzusehenden Ausgleichspflanzung und Begrünung.

Die Begrünung der unmittelbar die PVA umgrenzenden Fläche auf dem unmittelbaren Vorhabensstandort wird als nicht ausreichend betrachtet. Vielmehr sind zusätzliche Flächen innerhalb der ausgeräumten Agrarlandschaft in der Nähe des Vorhabensstandortes zu erwerben und diese mittels „Brachflächen“,  artenreichem Dauergrünland sowie durch anderweitige strukturschaffende Biotope (Hecken, Sträucher) naturschutzfachlich aufzuwerten.

Es wird angeregt, vorrangig die ohne Zustimmung der kommunalen Hoheitsträger/Eigentümer in Ackerflächen umgepflügten Feldraine und Wege innerhalb der städtischen Gemarkung  (im Außenbereich) bzw. der  Ortsteile wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen. Dies würde im Idealfall lediglich einer stringenten Bearbeitung der Fälle in der zuständigen Kommunalaufsicht bedürfen, ggf. in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Landwirtschaftsamt und der Thüringer Landgesellschaft mbH.

Es ist nachweislich darzulegen, dass die Wertigkeit der Begrünung im Zusammenhang mit der geplanten Photovoltaikanlage eine höhere ist als die für die Sanierung der Altlastenfläche geplante.

Der Zeitfaktor(Verzug) durch die entfallene Begrünung der Deponie gemäß geforderter Bepflanzung ist dabei zu berücksichtigen.

2. Zur Planung der Photovoltaikanlage „Holungsbügel“

1.)Der Flächennutzungsplan sowie die daraus hervorgehenden Planungen sind aus dem geltenden Regionalplan zu entwickeln.

Die im Regionalplan Nordthüringen am o.g. Standort definierte Flächennutzung widerspricht bei beiden Planungen der nunmehr vorgesehen Nutzung. Insofern ist der vorliegende Bebauungsplan nicht gesetzeskonform und nicht zulässig.

Forderung für beide Vorhaben: ein Zielabweichungsverfahren ist durchzuführen.

2.) Die  vorgesehene zeitliche Verzögerung der Überarbeitung des Flächennutzungsplanes im Anschluss an das B-Planverfahren (einschließlich des dazugehörigen LBP sowie der Umweltprüfung) ist nicht zulässig und widerspricht den Grundsätzen der Planung.

Die Überarbeitung des Flächennutzungsplanes ist zu terminieren. .

Es wird gefordert, hier eine vorrangige, mindestens aber parallele Ausführung des Flächennutzungsplanes der Stadt Nordhausen vorzulegen und die dazugehörigen Fachpläne den geplanten Maßnahmen anzupassen bzw. diese Maßnahmen darin zu erörtern und fachgerecht abzuwägen.

Die damit verbundenen Kosten können nicht als Ursache für eine zeitverzögernde Planung und nicht rechtkonformes Verhalten als Begründung dienen. Die Kosten des nicht zu verwirklichenden B-Planes „PVA Holungsbügel“ haben bereits jetzt auch in der Verwaltung der Stadt Nordhausen zu Buche schlagen.

Bei der Fläche „Holungsbügel“ handelt es sich um eine im Außenbereich liegende naturschutzfachlich hochwertige Fläche aufgrund der Biotop- und Artenvielfalt.

Das Vorhandensein von gefährdeten Tierarten, u.a. der Roten Liste ist hinlänglich bekannt.

Genannt seien u.a. (keine abschließende Aufzählung des Arteninventars)

  • Neuntöter

  • Zauneidechse

  • Rebhuhn

  • Feldlerche

  • Schwarz- und Braunkehlchen

  • Wiesenbrüter generell

  • Kibitz, Brachvögel (als Zugvögel)

  • Mittelspecht

  • Rotmilan

  • Ödlandschrecke

  • Das Gebiet ist auch wertvolles Nahrungshabitat für Waldkauz und Turmfalken

  • diverse Falterarten

  • Libellen

  • Wildkatze (Bedeutung als Wanderkorridor)

Zudem ist das Terrain ein beliebtes Jagdrevier verschiedener Fledermausarten. Die unmittelbare Nähe der ständig wassergefüllten Tongrube bietet zudem Amphibien ein Laichhabitat, die sich zu einem wertvollen Lebensraum entwickelnde Brachfläche stellt außerhalb dieser Zeit ein wertvolles Rückzugsbiotop (Ruhestätte) dar.

Forderung:

Insofern ist der räumliche Zusammenhang der vom Eingriff betroffenen Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu untersuchen und zu erörtern. Der relevante Wirkraum als auch die konkreten naturräumlichen Gegebenheiten sind zu berücksichtigen.

Bei Feststellung FFH-relevanter Arten ist die Prüfung um diesen rechtlichen Prüftatbestand zu erweitern.

Anerkannte Bewertungsverfahren sind anzuwenden.

Die vorhandenen, teilweise geschützten Biotope (u.a. Streuobstwiese), Tier- und Pflanzenarten  unterliegen dem besonderen naturschutzfachlichen Schutz.

Forderung:

Sowohl das Vorhandensein der geschützten Tier- als auch Pflanzenarten erfordert einen generell im Zuge der Planung erforderlichen Umweltbericht als auch eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (SaP).

Es wird bereits jetzt ausdrücklich seitens des Verfassers dieser Stellungnahme darauf aufmerksam gemacht, dass die offensichtlichen artenschutzrechtlichen Hürden für die Zulassungsebene nicht ausgeräumt werden können.

 Angesichts des fortschreitenden Artensterbens und der Biodiversitätsstrategie des Bundes kann die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf einer naturschutzfachlich hochwertigen Fläche kein Kriterium für die Vorzugsstellung von alternativen Energieformen sein. Ein überwiegend öffentliches Interesse kann standortbezogen nicht geltend gemacht werden!

 Gemäß § 44 Abs. 1 BNatSchG ist es verboten, wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören.

Verboten sind des Weiteren Handlungen zu bestimmten Zeiten. .. ff…

Ein weiterer Verbotstatbestand betrifft die Fortpflanzungs- und Ruhestätte der besonders geschützten Arten.  Unter Berücksichtigung der Kommentierung und zahlreicher Rechtssprechungen zu diesem Verbotstatbestand einschließlich der möglichen Befreiungsregelung wird deutlich, dass die vorgesehene Errichtung einer PVA im Bereich des Holungsbügels nicht realisiert werden kann. Sie scheitert u.a. daran, dass es an einer für die Ausnahme vom Verbotstatbestand wesentlichen Voraussetzung, hier der „Erweiterung eines bestehenden Vorhabens“ als auch dessen Umsetzung im planerischen Innenbereich mangelt.

Zudem lassen die vorgelegten Planunterlagen bereits in der jetzigen Phase den Schluss zu, dass es zu keiner objektiven Aufzählung, geschweige denn Berücksichtigung der tatsächlichen Standortkriterien kommt. Zumal diese Einschätzung sich auf die angeführten, vermeintlich aktuell existierenden Standortfaktoren bezieht, die vom Grad der Fortführung bzw. Auslegung des Planungsaktes unabhängig sind.

Bei der Aufzählung der vermeintlichen Standortvorteile (angesichts der hochwertigen Fläche am Holungsbügel) u.a. mittels der geplanten Aussaat von wertvollen, heimischen Grassorten von einer naturschutzfachlichen Aufwertung der Planfläche zu sprechen, grenzt an eine kaum zu überbietende Ignoranz hinsichtlich der tatsächlichen naturräumlichen und naturschutzfachlichen Rahmenbedingungen und der darauf beruhenden fachlichen Bewertung.

Es sei hier die Anmerkung gestattet, dass diese pauschalisierten Angaben zum Vorhaben „Photovoltaik – Solarpark „Am Holungsbügel“ durch eine auch als Planungsbüro fungierende Einrichtung wie der Thüringer Landgesellschaft  mbH, die von staatlicher Stelle anerkannt, gefördert  und personell hochrangig in Aufsichtsgremien vertreten wird , unwürdig ist.

 Zum Kriterium der „Vorbelastung des Bodens“ :

Zumindest im Bereich des Holungsbügels (ehem. Radarstation der russischen Streitkräfte) kann eine Vorbelastung des Bodens nur vermutet werden. An der ehemaligen Radarstation wurden bisher im Gegensatz zum Standort „hinter der Steinmühle“ nach Kenntnis des BUND keine tiefgreifenden Altlastenstandortuntersuchungen realisiert.  Eine in den 90er Jahren vorgenommene Entfernung/Entsorgung von Altlasten, vorrangig Zivilisationsmüll,  und eine anschließende Renaturierung des Geländes vorrangig in Form von Anpflanzungen, ebenso die Nutzung als Ausgleichsfläche für Pflanzungen im Zuge des Baus der A 38, findet keinen Eingang in die bisherigen Betrachtungen zur Standortauswahl. Auch kann davon ausgegangen werden, dass die für Ausgleichspflanzungen im Zuge des Baus der A 38 gewählte Fläche nicht für die umfangreiche Begrünung genutzt worden, wenn die Frage der Altlastenrekultivierung im Vorfeld nicht hinreichend abgeklärt worden wäre.

Forderung:

eingehende Untersuchung der tatsächlichen Standortfaktoren und bisher gesetzlich mittels bestehender Planungen bzw. planfestgestellten Unterlagen definierten Standortnutzungen. Die Betrachtung des Umgangs mit Steuermitteln sollte dabei ebenfalls einer Erörterung unterzogen werden.

 Die nachhaltige Nutzung des Gebietes als Naherholungsgebiet inklusive eines zwischenzeitlich entstandenen Wegenetzes sowie der Errichtung einer „Waldschänke“ in unmittelbarer Nähe eines Wohngebietes  in einer ausgeräumten Agrarlandschaft macht die defizitäre „Untersuchung“ der Auswirkungen der Errichtung einer PVA im Bereich des Holungsbügels ebenfalls hinterfragungswürdig.

Im Zuge der stattzufindenden Erörterung im Rahmen eines pflichtgemäß durchzuführenden Scopingtermins werden der BUND als auch die Bürger der Siedlung Holungsbügel die Gelegenheit nutzen, auf die bisherige nachhaltige Nutzung des Gebietes hinzuweisen und ihre Belange geltend machen.

Mit freundlichen Grüßen

Heidi Schell

Vorsitzende BUND Kreisverband Nordhausen

Nordhausen, den 18.12.2020

 

Link zum Dokument: 2020_12_Stellungnahme_BUND_KV_Holungsbügel

#rausausdemgips2045

Unter dem Motto: #rausausdemGips2045 wollen wir zeigen, welche fatalen Auswirkungen der Abbau auf die Südharzer Gipskarstlandschaft hat. Gemeinsam wollen wir verhindern, dass noch mehr wertvolle Flächen dem Gipsabbau zum Opfer fallen und auf eine erneute Anpassung des Regionalplans Nordthüringen drängen.

Jetzt mitmachen!

Schickt uns kurze Videos unter #rausausdemGips2045 oder postet sie direkt auf facebook.com/BUNDnordhausen. Darin solltet ihr vor naturbelassenen Landschaften oder Flächen, auf denen bereits Gips abgebaut wird, zu sehen sein. Die Videos sollten ein kurzes Statement enthalten und werden ab dem 15.02.2021 auf den Social-Media-Kanälen des BUND Nordhausen und des Landesverbandes Thüringen veröffentlicht.

Inhaltlich sollen sowohl die ökologische Vielfalt der Gipskarstlandschaft als auch der aktuelle Status quo des Naturgipsabbaus mit all seinen Auswirkungen auf Mensch und Natur abgebildet werden.

Folgende Motive bieten sich für die Videos an (dies sind nur Ideen, die nicht vollumfänglich umgesetzt werden müssen):

  • naturbelassene Landschaften, in denen kein Abbau stattfindet und auch in Zukunft nicht stattfinden soll
  • naturbelassene Landschaften, in denen in Zukunft ein Abbau stattfinden soll
    Landschaften, in denen der Naturgipsabbau bereits stattfindet
  • Abbaugebiete selbst, in denen Naturgipsabbau stattfindet oder in der Vergangenheit stattgefunden hat
  • Infrastruktur (LKWs, rauchende Schornsteine auf Gipswerken etc.), die mit dem Naturgipsabbau verbunden ist

Schutzgebiet am Bromberg offiziell ausgewiesen

Am 25. Januar 2021 wurde das Naturschutzgebiet „Bromberg – Mühlberg bei Woffleben“ offiziell ausgewiesen. Damit wurde eine zentrale Brücke zwischen den bestehenden Schutzgebieten „Himmelsberg“ und „Mühlberg“ geschaffen. Im begehrten Himmelsberg-Mühlberg-Massiv plant die Gipsindustrie bereits seit längerem, ihre Gips-Steinbrüche zu erweitern.

Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen: „Mit der Ausweisung des Naturschutzgebietes ‚Bromberg‘ hat die Landesregierung ein wichtiges Zeichen für den Erhalt der Südharzer Gipskarstlandschaft gesetzt. Die Ausbeutung der Region für den Naturgipsabbau muss endlich ein Ende haben.“

BUND fordert Ausstieg aus Naturgipsabbau bis 2045

Am 07. Oktober 2020 stellt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sein Gutachten zum Ausstieg aus dem Naturgipsabbau bis 2045 vor. Anlass sind die verstärkten Bemühungen der Gipsindustrie, den Wegfall von REA-Gips aus der Kohleverstromung durch neue Naturgips-Abbauflächen zu kompensieren. Der BUND fordert strengere Regelungen für Gips-Recycling und den verstärkten Einsatz alternativer Baustoffe. Nur so kann der Naturgipsverbrauch nachhaltig reduziert und die einzigartigen Landschaften geschont werden.

„Der Ausstieg aus der Kohleverstromung wird kurzerhand als Argument für die Steigerung des Naturgipsabbaus genutzt. Das ist eine Milchmädchenrechnung“, erklärt BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. „Naturgipsförderung in Deutschland zerstört unwiederbringlich Lebensräume, die in Europa einzigartig sind. Die angedachte Ausdehnung der Abbaugebiete in von der Europäischen Union ausgewiesene FFH-Gebiete oder andere streng geschützte Naturschutzgebiete ist seitens der Landesregierungen zu stoppen. Um zu vermeiden, dass unsere letzten Naturgipsvorräte als Gipskartonplatten auf der Mülldeponie landen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, auf zukunftsweisende Alternativen umzustellen.“

Laut des vom BUND in Auftrag gegebenen Gutachtens werden in Deutschland bisher weniger als ein Prozent der Gipsprodukte recycelt, der überwiegende Teil landet als Sondermüll auf der Deponie. Dabei handelt es sich vor allem um Gipswandbauplatten aus REA-Gips aus Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen. Naturgipse werden bisher vor allem als Füllgipse und in geringem Umfang für Spezialgipse verwendet.

„Wir brauchen dringend strengere Regelungen für das Recycling von Chemiegipsen und Gipsprodukten“, so Bandt. „Die Bundesregierung muss sich für ein Kreislaufwirtschaftsgesetz starkmachen, das den Ressourcenverbrauch deutlich reduziert und unsere Naturgipsvorräte schützt.“

Parallel dazu müssen laut BUND-Gutachten alternative Baustoffe wie Lehm, Holz und andere nachwachsende Rohstoffe gefördert werden, um den Gipsverbrauch generell zu reduzieren. Bandt: „Nachwachsende Rohstoffe speichern CO2, schonen die Natur und bieten uns die Möglichkeit, nachhaltig zu bauen.“

„Vor diesem Hintergrund fordern wir die Politik auf, standhaft zu bleiben und keine neuen Naturgips-Abbaugebiete zu genehmigen“, erklärt Ron Hoffmann, Landesvorsitzender des BUND Thüringen. „Denn gerade im Südharz steht mit der Gipskarstlandschaft ein einzigartiger Hotspot der Artenvielfalt auf dem Spiel, der schon jetzt bis zur absoluten Belastungsgrenze ausgebeutet wird. In Zeiten des akuten Artensterbens ist ein solches Vorgehen nicht mehr tragbar.“

Hintergrund:
In Deutschland liegt der aktuelle Gipsbedarf bei circa zehn Millionen Tonnen pro Jahr, davon stammen sechs Millionen aus REA-Gips aus Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen aus der Kohle- oder Öl-Verbrennung. Die restlichen vier Millionen Tonnen machen Naturgips aus. Davon werden mehr als eine Million Tonnen pro Jahr exportiert. Mit dem Wegfall von REA-Gips aus der Kohleverstromung würde eine Gips-Lücke von zirka vier Millionen Tonnen entstehen. Der Wegfall von REA-Gips erhöht den Druck vor allem im Südharz. Dort findet mit knapp zwei Millionen Tonnen pro Jahr der größte Naturgips- und Naturverbrauch statt.

Knapp 85 Prozent des aktuellen REA-Gips-Aufkommens wird bisher für die Produktion von Gipswandbauplatten eingesetzt. Naturgips findet dagegen vor allem bei Produkten aus gebranntem Gips wie Füllgipsen (Putze, Spachtel, usw.) oder Spezialgipsen Anwendung. Naturgips kann durch Gipsrecycling und Chemiegipse nahezu vollständig ersetzt werden. Der Bedarf an Gipswandbauplatten reduziert sich erheblich durch den Einsatz von Platten aus Lehm, Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen.

Gutachten:
https://www.bund-thueringen.de/gipskarst

Strategiepapier empfiehlt schrankenlosen Raubbau an Gipskarstlandschaft

Nordhausen/ Erfurt. Der BUND Thüringen kritisiert das vom Bundesverband Gipsindustrie e.V. in Auftrag gegebene Strategiepapier „Handlungsmöglichkeiten für den erleichterten Naturgipsabbau auf Länderebene“. Dieses enthält aus Sicht des Verbandes Empfehlungen, den Naturgipsabbau zu erweitern, ohne Rücksicht auf Umwelt und einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Dadurch würde der bisherige Gipsdialog grundlegend in Frage gestellt.

„Das Strategiepapier kommt der Aufforderung zum maßlosen Raubbau von Naturgips im Südharz gleich“, kritisiert Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Alle bisher geführten Gespräche über eine ressourcenschonende und nachhaltige Nutzung von Naturgips und den Erhalt der einzigartigen Gipskarstlandschaft werden damit ad absurdum geführt.“

Hauptforderung des Papiers sei der Abbau bestehender Gesetzeshürden, um den Naturgipsabbau im Südharz über genehmigte Flächen hinaus auszuweiten. Dazu sollten beispielsweise auch Regelungen aus Naturschutzgesetz und FFH-Richtlinie außer Kraft gesetzt werden, um zukünftig auch in Schutzgebieten zu arbeiten. Umweltbelange sollen demnach keine Rolle mehr spielen. Gleichzeitig würden verbindliche verwaltungsrechtliche Zusagen gefordert, bevor Prüfverfahren formal überhaupt abgeschlossen seien.

„Das Strategiepapier stellt kurzerhand jegliche gesellschaftlichen Regeln in Frage, die aufgestellt wurden, um den Einfluss des Gipsabbaus auf die Natur im Südharz zu minimieren“, erklärt Heidi Schell, Vorsitzende des BUND Kreisverbandes Nordhausen. „Besonders kritisch sehen wir die Forderung nach einer ‚bedarfsunabhängigen … Ausweisung von Gips-Rohstoffsicherungsflächen‘ in der Raumplanung. Das würde einer maßlosen Ausbeutung der Südharzer Gipskarstlandschaft Tür und Tor öffnen.“

Aus Sicht des BUND Thüringen wären Defizite aus dem möglichen Wegfall von REA-Gips durch den Kohleausstieg bereits jetzt mehr als überkompensiert. Vogel: „Es kann nicht sein, dass der Gipsabbau im Interesse einzelner Wirtschaftskonzerne auf Kosten der nachhaltigen Entwicklung einer ganzen Region intensiviert wird. Damit muss endlich Schluss sein. Stattdessen muss dem Kohleausstieg jetzt ein Ende des Naturgipsabbaus im Südharz folgen.“

Dies sei allerdings nur dann möglich, wenn die Bauindustrie noch stärker als bisher auf Alternativen, wie das Gipsrecycling und Lehmbaustoffe setzt. Schell: „Nicht nur die Abbauflächen, sondern auch der Naturgips selbst ist endlich. Vor allem der Industrie müsste daher eher an zukunftsweisenden Strategien gelegen sein, als an kurzfristige Lösungen.“

„Wir fordern die Politik auf, sich von dem Strategiepapier zu distanzieren“, erklärt Vogel. „Erst dann macht es überhaupt Sinn, den Dialog zum Naturgipsabbau im Südharz weiterzuführen.“

Wanderung zum Abbaufeld Kuhberg

Der Kuhberg – der Anfang vom Ende einer nachhaltigen Nutzung der Gipskarstlandschaft Südharz ??

Vor nunmehr 1 ½ Jahren trafen sich anlässlich einer Sternwanderung über 300 Menschen auf dem Kuhberg zwischen Harzungen, Rüdigsdorf und NIedersachswerfen. Was ist seitdem passiert?

Der BUND Kreisverband Nordhausen und die Initiative „Südharz bleibt natürlich“ möchten Sie einladen zu einer Exkursion zum neuen Steinbruch Kuhberg, kurz bevor die ersten Rohstoffe mittels Schwerlasttranportern durch unsere attraktive Karstlandschaft sowie durch Wohngebiete von Niedersachswerfen, Cleysingen und Woffleben gen` Walkenried/Kutzhütte über eigens dafür sanierte Brücken abgefahren werden.

Werfen Sie mit uns einen Blick in den neuen Tagebau, vis-a-vis des Kohnsteins, direkt am Karstwanderweg und Dampflocksteig gelegen.

Der jetzige Aufschluss wird ungeahnte Ausmaße annehmen, geht es nach dem Willen der Gipsindustrie. Ein Blick in den 1. Entwurf des Regionalplanes Nordthüringen spricht Bände.

Auf dem Rundweg werden wir mittels Kartenmaterial Erläuterungen zu weiteren Planungen geben. Noch ist es Zeit, sich einzuschalten. Aber die Politik muss uns sehen und hören.

Deshalb, begleiten Sie uns am

Samstag, den 22.02.2020 zur Rundwanderung

um den neuen Steinbruch „Kuhberg“

Treffpunkt: 13.30 Uhr an der Kirche in Harzungen

Bei Starkniederschlägen oder anderen Wetterunbilden werden weitere Informationen im Landcafe Kubath in Harzungen erfolgen.

Die Wanderung wird ca. 2,5 Stunden in Anspruch nehmen.

Wanderschuhe, wetterfeste Kleidung, warme Getränke,

Fotoapparat und Fernglas sollten mitgebracht werden.

Aufruf zur Wanderung zum Downlaod: Aufruf Rüdigsdorfer Schweiz beide Logos

Auf dem Weg zum Aussterben – und was wir noch dagegen tun können

Ein Vortrag über die Klimakrise, ökologischen Zusammenbruch und zivilen Ungehorsam.

Wo: Lesesaal der Stadtbibliothek Nordhausen

Wann: Freitag, dem 6.9.2019 um 19 Uhr

Wir stehen an einem entscheidenden Punkt in der Geschichte der Menschheit. Wenn sich Politik und Wirtschaft nicht in kürzester Zeit drastisch verändern, steuert die Erde auf eine katastrophale Erwärmung von mehr als 3°C zu, die nicht nur Tod, Armut und Elend für hunderte Millionen Menschen und Tiere bedeutet, sondern unsere ganze Zivilisation bedroht.
In der Lebenszeit heutiger junger Menschen könnten wir die Vernichtung fast aller Ökosysteme erleben.

Um das zu verhindern, reichen kleine Konsumveränderungen nicht aus: Wir müssen Grundprinzipien unserer Gesellschaft hinterfragen.

Wie ernst ist die Lage und wie wird sie sich, unserem aktuellen Kurs zufolge weiter verschlechtern? Was sagt uns die Wissenschaft? Was muss getan werden, um diese Krise zu stoppen? Und wie kann jede Person dazu beitragen?
Beitragende der weltweit wachsende Bewegung „Extinction Rebellion“ – Rebellion gegen das Aussterben bieten im Rahmen dieses Vortrags und einer anschließenden Diskussion Antworten auf diese höchst drängenden Fragen.

Ablauf der Veranstaltung:

– Vortrag von Mitgliedern der Extinction Rebellion Ortsgruppe Göttingen zur aktuellen Lage bezüglich der globalen Umweltkrisen und zur Strategie von Extinction Rebellion

– Vorstellung der Ortsgruppe Nordhausen, lokaler Brennpunkte und Möglichkeiten aktiv(er) zu werden

– Fragen, Diskussion und Vernetzung

Der Eintritt ist frei.

Kontakt für Nachfragen: nordhausen@extinctionrebellion.de
Link für weiterführende Informationen: https://extinctionrebellion.de/wer-wir-sind/

Waldkrise in Thüringen

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert mit Blick auf das geplante Spitzengespräch in der Thüringer Staatskanzlei zur Waldkrise eine neue Waldstrategie für Thüringen. Der Verband fordert die Gemeinwohlinteressen des öffentlichen Waldes über die Gewinninteressen der Holzwirtschaft zu setzen. Der BUND Thüringen mahnt außerdem, die Nadelholz-Monokulturen endlich in Laubmischwälder umzubauen und die Wälder ökologischer und nachhaltiger zu bewirtschaften, um diese besser gegen den Klimastress zu wappnen. Ausdrücklich begrüßt der BUND Thüringen den Waldaktionsplan von Ministerin Siegesmund.

Mehr Geld alleine reicht nicht aus, um das Waldsterben zu stoppen. Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag für den Wald. Wenn wir unsere Wälder retten wollen, müssen wir die Klimakrise stoppen, Luftschadstoffe aus dem Verkehrs- und Landwirtschaftssektor eliminieren und vor allem die Wälder wieder als Ökosysteme und nicht als Holzplantagen begreifen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Nach Einschätzung von Vogel ist die aktuelle dramatische Situation der Wälder überwiegend hausgemacht. Auf mehr als der Hälfte der Waldfläche Thüringens seien wegen kurzfristiger, forstökonomischer Interessen Nadelwälder aufgeforstet worden. Mit 38% der Waldfläche sei die Fichte die mit Abstand häufigste Baumart in Thüringen. Damit stocke die Fichte in weiten Teilen Thüringens außerhalb ihres ökologischen Optimums. Die sturmgefährdete und dürreempfindliche Baumart sei besonders anfällig gegenüber dem Borkenkäfer.

Durch die jahrzehntelange Förderung der Nadelwaldbestände sind die verheerenden Borkenkäferkalamitäten, welche wir jetzt erleben, vorprogrammiert“, sagte Vogel.

Bei den Laubwäldern seien Dürreschäden vielfach die Konsequenz intensiver forstlicher Bewirtschaftung. Häufige Durchforstung und ein dichtes Rückegassensystem beeinträchtige das Waldinnenklima und erhöhe die Anfälligkeit der Wälder gegenüber Austrocknung. Besonders betroffen seien sog. Altschirmschläge wie im Hainich oder am Possen. Hier seien nach forstlichen Eingriffen nur Überhälter als Schirm stehen geblieben. Gerade die Buche reagiere als Schattenbaumart empfindlich auf solche Freistellungen und erleide „Sonnenbrand“.

Zusätzlich mache sich die Dauerbelastung durch Luftschadstoffe in Form von Stickoxiden aus dem Straßenverkehr und Ammoniakemissionen aus Massentierhaltung bemerkbar. Während das Phänomen des „Sauren Regens“ durch die Entschwefelung von Großkraftwerken kaum noch eine Rolle spiele, seien die Stickoxidemissionen aus dem Verkehrsbereich und der Ammoniakeintrag aus der Landwirtschaft weiterhin große Belastungen für die Waldböden. Stickoxide schädigen das Feinwurzelsystem und damit die Wasseraufnahmefähigkeit der Bäume. Ammoniakeintrag führt zur Bodenversauerung und wirkt ähnlich wie der „Saure Regen“.

Weder der Ruf nach fremdländischen, vermeintlich klimastabilen Baumarten noch die Forderung nach einer Pflicht zur Wiederaufforstung zeugen von Sachkenntnis in der aktuellen Debatte“, sagte Vogel. „Heimische, standorttypische Baumarten sind an die hiesigen, klimatischen Bedingungen am besten angepasst. Die Förderung der Naturverjüngung und Sukzession statt Aufforstung ist der beste Garant für eine stabile Waldentwicklung. “

Forderungen, auf die Stilllegung von Waldflächen aus Gründen des Waldbrandschutzes oder der Verkehrssicherung zu verzichten, erteilte Vogel eine klare Absage: „Nur fünf Prozent des gesamten Waldes in Thüringen sind als Waldwildnisfläche ausgewiesen. Davon sind der größte Teil Laubmischwälder, in denen die Waldbrandgefahr vernachlässigbar ist. Der Nationalpark Hainich zeigt, wie die Verkehrssicherung in Waldwildnisflächen auch bei hoher Besucherfrequenz erfolgreich zu managen ist. Außerdem sind die Waldwildnisflächen auch als Freilandlabore unverzichtbar, weil sie uns zeigen, wie sich klimastabile Wälder der Zukunft entwickeln. Deshalb fordern wir alle Mitglieder der Thüringer Landesregierung auf, das vereinbarte 5%-Ziel nutzungsfreier Wälder nicht in Frage zu stellen.“