Pflegeeinsatz in der Rüdigsdorfer Schweiz

2013-04-10 Helm-KnabenkrautAm vergangenen Wochenende stand für zwei Mitglieder der BUND-Kreisgruppe ein Pflegeeinsatz im Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz auf dem Programm. Seit Jahren war vorgesehen, an einem von drei im Landkreis bekannten Standorten der Orchideenart Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), mehrere Kiefern zu fällen…

Nun war es so weit: Die Genehmigungen vom Forst und von der Unteren Naturschutzbehörde waren erteilt, eine gemeinsame Begehung mit den Behördenvertretern hatte keine Einwände ergeben.

Orchidee mit Ansprüchen

Das Helm-Knabenkraut besiedelt überwiegend submediterrane (etwa mittelmeerklimageprägte Halbtrockenrasen). Es kann aber aber auch in lichten Kiefernwäldern geeignete Wachstumsbedingungen finden. Am Einsatzstandort jedoch hatten die Kiefern mittlerweile eine derartige Höhe und Dichte erreicht, dass die Vitalität der Pflanzen deutlich nachließ. Dies zeigte sich in schmaleren Blättern und in kleineren Blütenständen.

Durch die Rodung sollte nun eine Lichtschneise geschaffen werden, ohne jedoch dauerhaft „pralle“ Sonneneinstrahlung und Austrocknung zu bewirken. Der Grund: Orchis militaris ist eine Halblichtpflanze. Beobachtungen zeigen, dass sie sich gern im Schatten einzelner Sträucher ansiedelt, um so der direkten, aggressiven Mai- und Junisonne zu entgehen. Im Vergleich zu anderen Orchis-Arten „mag sie es etwas weniger heiß“. Ganz in diesem Sinne werden die Pflanzen in der Rüdigsdorfer Schweiz auch weiterhin vom umgebenden Wald geschützt.

Eigene Beobachtungen haben ergeben, dass die belegt klimawandelbedingten immer trockeneren Frühjahre zu z.T. massiven Trockenschäden an den Pflanzen des einen Standortes im Gebiet führen, der sich auf einem recht offenen Halbtrockenrasen befindet. Durch die ausgleichenden Bedingungen des umgebenden Waldes am von uns aufgelichteten Stamdort hingegen wiesen die Orchideen auch in solchen Jahren keine Trockenheitsschäden auf. Hier gilt es also einen Kompromiss zu finden: Den Lichtgenuss erhöhen, ohne die Schutzfunktion des Waldes zu beeinträchtigen.

Rückgang 75 Prozent

Das Helm-Knabenkraut hat in den letzten Jahrzehnten im Landkreis etwa 75 Prozent seiner Standorte u.a. durch Intensivierung der Landnutzung verloren. Die Erhaltung ihrer Standorte erfüllt wichtige Funktionen. Die negativen Folgen intensiver Nutzung sind bekannt. Die Artenvielfalt zu erhalten, bedeutet auch, zu mahnen, was uns verloren geht, wenn wir naturschädlich wirtschaften. Längst ist erweisen, dass der Mensch in verschiedener Hinsicht von einer hohen Biodiversität im wahrsten Wortsinne profitiert. Er ist nur ein winziger Baustein eines Gebäudes aus vielen Ziegelsteinen. Bricht ein Stein, sprich eine Art heraus, wird das Gebäude von Mal zu Mal instabiler. Bricht es zusammen, wird auch der Mensch aus seiner Verankerung gerissen.

Programm für Jahre

Der Einsatz vom vergangenen Wochenende fand als Teil des Flexiblen Artenhilfsprogrammes (FAHP) statt, das von mir 2004 initiiert wurde. Seitdem wurden mehr als 200 gut dokumentierte kleine und Kleinstmaßnahmen im Artenschutz des Landkreises, aber auch darüber hinaus vorgenommen. Die Maßnahmen sind „Nischenmaßnahmen“, weil diese punktuellen, standortbezogenen Einsätze bisher von keinem gängigen Landschaftspflegeprogramm gefördert werden.

Bezüglich des Einsatzes vom vergangenen Wochenende danken wir der Unteren Naturschutzbehörde (Herrn Täger und Herrn Schiffler) ebenso, wie Herrn Weißleder vom Forstamt Bleicherode für die Genehmigung und die Unterstützung sozusagen von Amts wegen. Auf die gute Zusammenarbeit mit den Behörden sind wir bei derartigen Maßnahmen dringend angewiesen.

Ein besonderer Dank gilt auch unserem BUND-Mitstreiter Reiner Peix. Ohne ihn als Forstarbeiter hätten wir die Bäume nicht fachgerecht fällen und zerlegen können.
Text & Fotos: Bodo Schwarzberg

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