Der Himmelsberg wird kahl gemacht

Foto: BUND Nordhausen

BUND Nordhausen: Was klein anfing, mausert sich zu einem Krebsgeschwür

Wer die Natur im nördlichen Bereich des Himmelsberges noch einmal ohne den Lärm von Motorsägen, Bohrmeißeln und Sprengungen genießen möchte, der sollte an diesem Wochenende den Wanderweg zwischen Appenrode und Woffleben ein letztes Mal begehen. Denn dann, so der BUND Kreisverband Nordhausen, ist Schluss mit lustig.Weder der herrliche Laubmischwald, noch das dort beheimatete Käuzchen und auch nicht die in diesem Terrain gesichtete Wildkatze vermögen den Drang der Gipsindustrie zu stoppen, dieser seit Jahrzehnten forstwirtschaftlich nachhaltig genutzte Landschaft dem Garaus zu machen.
Der BUND Kreisverband empfiehlt den Bewohnern der umliegenden Gemeinden sich beim Forstamt Bleicherode Südharz zu erkundigen, in welcher Gemarkung die erforderlichen Ersatzaufforstungen für den Kahlschlag am Himmelsberg umgesetzt wurden und hoffentlich werden. Dort kann die ihres Waldes beraubte Bevölkerung dann entlang einer eingezäunten Schonung spazieren gehen, denn ihr Hausberg wird dem Erdboden gleich gemacht.
„Zu verdanken ist dies in erster Linie dem Thüringer Oberbergamt“, so Christian Darr, Sprecher des Umweltverbandes. Diese Behörde hatte 2006 ungeachtet des von der Gemeinde Niedersachswerfen und den Südharzer Gipswerken initiierten Pilotprojektes „Rüsselsee“ in eben diesem Naturraum einen weiteren Abbau für ein in Niedersachsen ansässiges Unternehmen mittels einer Bewilligung außerhalb eines so genannten Bergwerksfeldes genehmigt. Der neue Tagebau Himmelsberg, unmittelbar südlich des sog. Rüsselsee-Tagebaus gelegen, ist eine Katastrophe für diesen Natur- und Kulturraum im Gipskarstgürtel Südharz.
„Keiner der hier lebenden Menschen kann sich an eine derartige Verschandelung der Natur erinnern“, so der BUND Kreisverband. Der Leiter des Thüringer Forstamtes Bleicherode Südharz sieht zur Verwunderung der Naturschützer wie auch in den vorangegangenen Anträgen zur Rodungsgenehmigung im Bereich des Himmelsberges, ungeachtet des von Forstleuten in seiner Funktion als nicht wieder herstellbar deklarierten Waldes, keine Versagungsgründe. Wohl aus diesem Grunde konzentrierte sich die Forstbehörde bisher auf sog. „funktionsgleiche Ersatzforstungen“ weit außerhalb des Gipskarstes.
Die nach Naturschutzrecht anerkannten Umweltverbände wurden in den laufenden Genehmigungsverfahren, dank der in Thüringen geschaffenen hohen rechtlichen Hürden, nicht zuletzt auf Grund der Defizite im Thüringer Naturschutzrecht, nicht beteiligt. Und so wurden die von der Regionalplanung geäußerten Anregungen, für das Gesamtvorhaben Gipsabbau am Rüsselsee und am Himmelsberg einen gemeinsamen Rahmenbetriebsplan aufzustellen, sowohl von den Unternehmen als auch dem zuständigen Bergamt ignoriert. Zugleich wurde von der dem ehemaligen Umweltministerium unterstellten Regionalplanung ein Freibrief für den Abbau erteilt, ungeachtet dessen, dass der Himmelsberg nicht als Vorrangfläche für den Rohstoffabbau deklariert war.
Ein Rahmenbetriebsplan hätte die Möglichkeit eröffnet, sowohl den Verbänden als auch den Kommunen ein Mitspracherecht zu eröffnen. Aber dies sei, wie auch in so vielen anderen Fällen, schlichtweg nicht erwünscht. Runde Tische, so Christian Darr, sind nach Meinung des BUND nur dann sinnvoll, wenn nicht zuvor Pflöcke in die Erde geschlagen werden. Die Berichterstattung zum Himmelsberg wird durch den BUND fortgesetzt.
Die dem BUND zugesandten Fotos von der Naturausstattung am Himmelsberg sowie den Gipstagebauen hat der Umweltverband hier eingestellt. Sie stehen Interessierten zur Verfügung.

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