Erhaltung des Breitblättrigen Wollgrases

Vor wenigen Wochen berichtete die nnz über den letzten Wuchsort des in Thüringen stark gefährdeten Breitblättrigen Wollgrases (Eriophorum latifolium) im Landkreis Nordhausen und über vorgesehene Erhaltungsmaßnahmen: Die zuständigen Behörden haben schnell und positiv reagiert…

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Foto: Bodo Schwarzberg

Blick auf einen Teil des Kalkquellmoores mit Breitblättrigem Wollgras. Durch die schonende Entfernung von Gehölzen leistet der Forst einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.

Noch im Februar gab es einen Vororttermin am Wuchsort der Art im südlichen Teil des Landkreises. Teilnehmer waren ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, ein Vertreter des Eigentümers der entsprechenden Fläche und der Antragsteller. Hervorzuheben ist auch die schnelle Reaktion der zuständigen Forstbehörde des Landkreises (Forstamt Bleicherode), die wesentlich zum Zustandekommen des Termins beigetragen hat. Der Wuchsort des Breitblättrigen Wollgrases befindet sich in einem kleinen Kalkquellmoor, das inmitten eines naturnahen Waldgebietes liegt.

Vereinbart wurde, vorbehaltlich einer Genehmigung des Eigentümers, die Entfernung von jungen Bäumen, die sich während der vergangenen Jahre in und am Kalkquellmoor wohl auf Grund von Nutzungsaufgabe entwickelten, auf einer Fläche von maximal ca. 150 Quadratmetern. Eine Nachpflege, die etwa die Entfernung des wahrscheinlichen Neuaustriebs zum Inhalt hätte, wird vom Antragsteller sichergestellt.
Die Genehmigung des Eigentümers liegt mittlerweile vor.

Da auch die Untere Naturschutzbehörde ihr Einverständnis gab, können die Pflegemaßnahmen zum nächsten geeigneten Zeitpunkt beginnen. Ob damit die Zukunft eines der letzten verbliebenen Wuchsorte der Art in Nordthüringen gesichert ist, muss abgewartet werden. Gerade sehr kleine Restbestände bedrohter Arten, die nicht selten weit entfernt von den nächsten verbliebenen Populationen siedeln, zeigen sich mitunter nur noch wenig flexibel gegenüber unterschiedlichsten negativen Einflüssen. Letztere sollten demnach weitestgehend eliminiert werden.

Wie bereits an den Wuchsorten zahlreicher anderer bedrohter Arten südlich des Harzes, so wird auch für den Wuchsort des seltenen Breitblättrigen Wollgrases eine regelmäßiges Beobachtung und Erfassung (Monitoring) sichergestellt. Hierdurch können auch wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, die den wissenschaftlichen und praktischen Artenschutz weiter voranbringen.

Die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Eigentümern und ehrenamtlichen Landschaftspflegern ist heute zwingend erforderlich, um Aufgaben zu erfüllen, die sich u.a. aus den Roten Listen und den Biodiversitätsstrategien von Bund und Land ergeben.

Das hier beschriebene Beispiel reiht sich ein in eine ganze Reihe von Erhaltungsbemühungen im Landkreis Nordhausen und auch darüber hinaus. Angesichts der gewaltigen Bedrohungslage für die Biodiversität, kann dies jedoch nur ein Anfang und nur Teil eines ganzen Maßnahmepakets sein.

Dem geplanten Naturschutzgroßprojekt im Naturpark Südharz blicken wir auch in diesem Sinne hoffnungsvoll entgegen. Der standortbezogene Artenschutz soll 2016 mit einer Fortsetzung des über das Programm ENL finanzierten Referenzprojekts Artenschutz gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser einen weiteren großen Schritt wagen.

Geplant sind aktuell auch Maßnahmen, die zunächst die negativen Auswirkungen der Rinderweide auf Wuchsorte bedrohter Arten im NSG Rüdigsdorfer Schweiz unterbinden. Zudem finden regelmäßig Pflegeeinsätze des BUND-Kreisverbandes Nordhausen statt.
Bodo Schwarzberg

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