BUND pflegt Orchideenwiese

Zu DDR-Zeiten bezeichnete man ehrenamtliche Gemeinschaftseinsätze an einem Sonnabend als Subbotnik, abgeleitet vom russischen Subbota für Sonnabend. Waren derartige, zwar auch heute noch als positiv bewertbare Aktivitäten eine Folge des Mangels an Dienst- und handwerklichen Leistungen, so sind sie heute nicht minder auch Ausdruck fehlenden staatlichen Engagements…
Und dem fielen in den neuen Bundesländern seit 1989 zum Beispiel tausende Hektar artenreicher Trocken- und Halbtrockenrasen und anderes mageres Grünland Opfer. Heute ist es daher oft der Enthusiasmus Einzelner und der unterschiedlichster Vereine, der die Widersprüche zwischen politischen Absichtsbekundungen, Koalitionsvereinbarungen, Gesetzen und anderen Schönwetterreden zum Beispiel auf dem Gebiet des Naturschutzes zu dämpfen versucht.

Viele heute bedrohte Pflanzenarten beispielsweise finden auch dort keine günstigen Lebensverhältnisse mehr vor, wo sie einst, ohne menschliche Einflussnahme noch siedeln konnten. Hierzu gibt es Untersuchungen. Pflegeeinsätze zur Erhaltung dieser und anderer Spezies sind also nicht nur Erhaltungsmaßnahmen für einzelne Wuchsorte seltener Arten, sondern immer mehr auch Erhaltungsmaßnahmen für die Arten selbst. – Eine sehr traurige Entwicklung angesichts des 80. Jahrestages des ersten deutschen Naturschutzgesetzes (Reichsnaturschutzgesetz) im Jahre 2015.

Dem sich angesichts von Intensivierung und Denaturierung unserer Landschaft im überwiegend freien Fall befindlichen Artenvielfalt versucht der BUND-Kreisverband Nordhausen wenigstens punktuell etwas entgegenzusetzen. Rund 500 Maßnahmen insgesamt erfolgten seitens des Autors seit 2003 im Großraum Harz, darunter seit 2010 43 seitens des BUND-Kreisverbandes Nordhausen. Der Wert letzterer Einsätze liegt, angesichts der Teilnehmerzahl, vor allem in ihrem Potenzial, auf relativ großen Flächen tätig zu werden, als dies allein möglich wäre.

Am vergangenen Sonnabend mähten vier Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen zum zweiten Mal rund 2.300 Quadratmeter einer orchideenreichen Wiese im Gebiet der Bleicheröder Berge. Sie beherbergt unter anderem einen großen Bestand der Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera). Bemerkenswert ist auch ein großes Vorkommen der in Thüringen stark gefährdeten Gelben Spargelerbse (Lotus maritimus).

Zu den Aktiven zählten Tobias Strietzel aus Nordhausen, der extra aus Sondershausen angereiste Fritz Daniel, das neu zu den Artenschützern gestoßene BUND-Mitglied Wolfgang Scholz aus Nordhausen und der Autor des Beitrages.

Der 43. Einsatz stand zunächst unter keinem guten Stern: Bei strömendem Regen waren wir in Richtung Obergebra gestartet, doch rechtzeitig, bevor wir unsere beiden Freischneider (einer davon gefördert von der Naturstiftung David) in Betrieb setzten, hörte es zu regnen auf.

Bereits 2015 waren wir auf der Wiese tätig gewesen. Damals mähten wir unter anderem Bereiche, die stark von Verbuschung bedroht sind, also insbesondere ausgewählte gebüschnahe Flächen. Diese „chirurgische Mahd“ zahlt sich aus: Der Neuverbuschungsgrad hielt sich 2016 in engen Grenzen. Er ist geringer, als 2015, obwohl wir nur etwa ein Drittel der gesamten Wiese mähen konnten. Dafür mähten wir 2016 Bereiche, die wir 2015 ausließen.

Es sollte untersucht werden, wie sich bestimmte, naturschutzrelevante Wiesen unter dem Einfluss einer nur alle zwei Jahre durchgeführten Mahd entwickeln. Auf Grund des meist begrenzten Potenzials der ehrenamtlichen Landschaftspfleger könnte hierin ein Schlüssel zur Erhaltung auch größerer artenreicher, aber auf kontinuierliche Bewirtschaftung angewiesener Magerstandorte liegen. Eventuell wird die Wiese an den Bleicheröder Bergen während der Wintermonate von uns aber noch komplett gemäht.

Dennoch wäre die Lösung einer Mahd im Abstand von zwei Jahren gewissermaßen ein Armutszeugnis für den staatlichen Naturschutz: Die für die Erhaltung bedrohter Pflanzenarten so dringend notwendige Kontinuität der Bewirtschaftung naturschutzfachlich extrem wichtiger Flächen hat sich zumindest im Landkreis Nordhausen trotz der neuen und noch dazu grünen Umweltministerin bisher kaum gezeigt: So wurde das erfolgreiche „Referenzprojekt Artenschutz“ des Autors (Verwaltung: Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser) unter CDU-Umweltminister Reinholz von 2013 bis 2015 Wirklichkeit, unter der Grünen Frau Siegesmund jedoch mündete die geplante Verlängerung nach einer rund einjährigen Zeit fehlender Informationen über den Fortgang in ein mit Tantiemen bezahltes Schmalspurprojekt – ein Affront gegen das bisher Erreichte! Dazu gibt es einen weiteren Beitrag.

Von daher sollten wir uns keine Illusionen machen: Wir müssen notgedrungen weiterhin und weitestgehend ehrenamtlich daran arbeiten, um die gesetzlichen Verpflichtungen, die sich für Staat und Behörden aus Naturschutzverordnungen und EU-Richtlinien ergeben, umzusetzen. Der BUND-Kreisverband Nordhausen wird dazu auch weiterhin einen aktiven Beitrag leisten sowie ein kritischer Beobachter des hiesigen Naturschutzes sein.

Gelegenheit, selbst aktiv zu werden, besteht wieder am 15.10. Dann wird der Halbtrockenrasen auf dem BUND-eigenen Grundstück zwischen den NSG Mühlberg und Himmelsberg gemäht, das die Fortsetzung des Casea-Raubbaus an unserer Landschaft vom heutigen Steinbruch Rüsselsee in Richtung Niedersachswerfen verhindern soll. Weitere Einsätze sind, frostfreies Wetter vorausgesetzt, auch weiterhin bis März geplant. Interessenten sind herzlich willkommen.
Bodo Schwarzberg

Interessenten melden sich bitte per Mail an: bodo_schwarzberg@yahoo.de

139_420400_1006_32881853

Teile diesen Inhalt: