Die Arnika bleibt im Landkreis!

Auf den Filetstücken der botanischen Artenvielfalt im Landkreis Nordhausen sind Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen regelmäßig tätig. Um die Erhaltung dieser Artenvielfalt ging es auch bei ihrem 53. und 54. Einsatz, berichtet Bodo Schwarzberg…

Die Arnika bleibt im Landkreis! (Foto: B. Schwarzberg)

Im nicht enden wollenden Regen mähten zwei Enthusiasten am 1.7. eine besondere Bergwiese im Thüringer Südharz: In der unmittelbaren Nähe der Mähfläche siedeln die hier wahrscheinlich letzten Exemplare der Arnika, dieser einst massenhaft gesammelten und von den alten Nordhäuser Botanikern VOCKE und ANGELRODT als „im Harze sehr häufig“ benannten Heilpflanze, die in Thüringen mittlerweile als „stark gefährdet“ gilt.

Nicht die Sammelwut alter Kräuterweiblein machte ihr aber den flächendeckenden Garaus, sondern zum Beispiel die Intensivierung der Bergwiesennutzung, die Aufgabe extensiver Mahd und der anschließenden schonender Beweidung sowie nicht zuletzt die fehlenden, wirksamen Konzepte des staatlichen Naturschutzes. Noch in den 60er Jahren wurde die Arnika als „arger Platzräuber“ auf den Mittelgebirgswiesen betrachtet, weil sie das Weidevieh verschmähte und sich die Art auf den kurzrasigen mageren Flächen dadurch immer weiter ausbreitete. Heute sind derartige magere Bergwiesen hingegen zur absoluten Ausnahme geworden.

Die gesetzlich geschützte, attraktive, weithin durch ihre großen, gelben Korbblüten auffallende Pflanze benötigt neben dem ständigen Nährstoffentzug durch Mahd und Beweidung vor allem Bodenverwundungen, die das schnelle Überwuchern der dem Boden flach anliegenden Jungpflanzenrosetten durch konkurrierende Arten verhindern, ja die die erfolgreiche Entwicklung der nur kurz keimungsfähigen Samen begünstigen.

Einst als wohlfeile wilde Nutzpflanze behandelt, ist die Arnika heute eine seltene, vom Bundesamt für Naturschutz sogar zur „nationalen Verantwortungsart“ erklärte Pflanze geworden.

Beim 53. BUND-Einsatz ging es um einen Schritt zur allmählichen Wiederherstellung eines kleinen Teils einer seit rund sieben Jahren nicht mehr bewirtschafteten Bergwiese. Hier soll die benachbart siedelnde, und seit etwa 2006 gepflegte Arnika Ausbreitungsmöglichkeiten finden, hier imitierten wir durch tiefe, bodenverwundende Mahd die einstigen „Trittschäden“ historischer Wild- oder Weidetiere.

Die gezielte Ausbringung von Arnikasamen soll zudem die Erhaltung der Art für den Südharz im Verein mit einer Fortsetzung der kontinuierlichen extensiven Mahd, unterstützen.

Am vergangenen Sonnabend hingegen mähten vier Enthusiasten beim 54. BUND-Einsatz einen Halbtrockenrasen im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz. Beim Betreten der Fläche wurden wir von hunderten Schmetterlingen umschwirrt, die an den Blüten der vielen blühenden Blumen nach Nektar suchten, – ein auffallender Unterschied zur unmittelbar benachbarten, mit Gülle oder Klärschlamm gedüngten Intensiv-Mähwiese.

Die Arnika bleibt im Landkreis! (Foto: Bodo Schwarzberg)

Wir mähten nur etwa zwei Drittel der Fläche, um Arten wie dem hier noch häufigen Kaisermantel und mehreren Bläulingsarten Nektarpflanzen und den Raupen Futterpflanzen zu erhalten. Mit der einschürigen Mahd helfen wir, die Schutzgebietsverordnung ebenso umzusetzen, wie die FFH-Richtlinie und die Vorstellungen der Politik für ihr Jahrzehnt der Biodiversität 2010 bis 2020.

Zumindest im kleinen Maßstab sehen wir, dass es gelingen kann: Durch kontinuierliche, da ehrenamtliche, extensive Pflege haben sich Orchideen wie das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) und die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) auf der Projektfläche ausgebreitet, und auch andere Arten, wie das geschützte und in Thüringen stark gefährdete Katzenpfötchen (Antennaria dioica), verloren bisher nicht, wie an kaum zählbaren anderen Stellen in Deutschland ihren Wuchsort.

Die beiden Fotos zeigen die Arnika an ihrem vermutlich letzten größeren Südharzer Wuchsort bei Ilfeld und den Kaisermantel, eine attraktive Schmetterlingsart mancher wärmebegünstigter Lagen im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz zwischen Buchholz und Neustadt.

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