Für Bienen-Ragwurz und Spargelerbse

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Rund 3.500 Quadratmeter eines Halbtrockenrasens mähten Mitglieder und Freundes des BUND-Kreisverbandes Nordhausen am vergangenen Sonnabend an den Bleicheröder Bergen. Diese Fläche ist mit insgesamt rund einem Hektar die größte von den Naturschützern gepflegte Fläche im Landkreis…

… und sie gehört zugleich zu den wenigen größeren verbliebenen Halbtrockenrasen in gutem Zustand und mit Dominanz der Grasart Aufrechte Trespe (Bromus erectus)…

Uns ehrenamtlichen Landschaftspflegern und Naturschützern bot sich zwar ein fast malerischer Blick auf die nahegelegene Eichsfelder Pforte und die Hainleite, aber eben auch auf ausgedehnte Ackerflächen an ihren Hängen. Grünland, und noch dazu artenreiches, extensiv bewirtschaftet und ungedüngt, wird in unserer Landschaft immer mehr zur Rarität.

Wiesen sind also nur noch wenige zu sehen. Der Grünlandreport des Bundesamtes für Naturschutz bemängelt die zunehmende Umwandlung von Grünland in Ackerland, was auch eine in Politik gern vernachlässigte Folge des Bioenergiebooms ist. Auch die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldine äußerte sich kritisch, was aber die Biomethananlage in Nordhausen aus purem Profitinteresse nicht verhindern konnte.

Denn: Im Interesse der hochsubventionierten, intensiven Landwirtschaft wird nicht nur noch mehr Artenvielfalt als ohnehin schon zerstört: Neue, aus Wiesen und Weiden gewonnene Ackerflächen setzen auch über Jahrhunderte gespeicherten Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid frei und produzieren unter bestimmten Bedingungen auch das noch viel klimaschädlichere Lachgas (Distickstoffmonoxid N2O). Beides aber fällt, da in der Landwirtschaft entstanden, bei der Klimadiskussion fast immer unter den Tisch. Die Ernsthaftigkeit des deutschen und internationalen Klimaschutzes muss daher kritisch betrachtet werden. Aber wir haben ja auch noch genügend Zeit.

Diese Gedanken können aufkommen, wenn man über das Wippertal auf die Ackerflächen zu Füßen der Hainleite blickt.

Zurück zu unserem Einsatz: Der von uns gemähte Halbtrockenrasen ist möglicherweise viele hundert Jahre alt und beherbergt eine ganze Reihe bedrohter und geschützter Pflanzengesellschaften sowie Pflanzen- und gewiss auch Tierarten. Wahrscheinlich wurde er überwiegend gemäht, statt beweidet, da das vorherrschende Gras, die Aufrechte Trespe (Bromus erectus), Beweidung nicht immer gut verträgt.
Im Jahre 2015 übernahmen wir dessen Pflege, da sich sonst niemand mehr dazu bereitfand.

Denn wirtschaftliche Erwägungen müssen dank der geringen öffentlichen Mittel, die hierfür zur Verfügung stehen, vom Idealismus eines jeden Teilnehmers ersetzt werden. Von Subventionen, wie die intensive Landwirtschaft, kann der Naturschutz nur träumen.

Neben der attraktiven Orchidee Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) und weiteren Orchideenarten beherbergt die Fläche auch ein Vorkommen der stark gefährdeten Gelben Spargelerbse (Lotus maritimus), die auf besonders kurzrasige und lückige Wiesen angewiesen ist. Erfreulich waren hunderte blaue Tupfer des Fransen-Enzians (Gentianopsis ciliata), den wir bei der Mahd teilweise aussparten. Der attraktive Herbstblüher wird allerdings durch die Mahd insgesamt gefördert. Auf extensiv mit Rindern beweideten Flächen scheint er hingegen recht schnell zu verschwinden.

Der Biomasse-Aufwuchs war geringer als in den beiden Vorjahren, was mit auf den verbreitet guten naturschutzfachlichen Zustand der Fläche hinweist. Daher war es uns möglich, in nur sieben Stunden rund 3.500 bis 4.000 Quadratmeter und damit die Hälfte der gesamten Wiese zu mähen und zu beräumen.
Teilnehmer waren Fritz Daniel, extra angereist aus Sondershausen, Tobias Stritzel aus Nordhausen, Rainer Peix aus Ilfeld und der Autor des Pressebeitrages. Wie im vergangenen Jahr soll die Wiese bis zum Beginn der nächsten Vegetationsperiode von uns komplett gemäht sein. Die nächsten Artenschutzeinsätze des BUND-Kreisverbandes Nordhausen sind für Anfang Oktober geplant.

Die Fotos zeigen neben einer kleinen Einsatzdokumentation auch die die in Thüringen stark gefährdete Gelbe Spargelerbse, deren Erhaltung wir unter anderem mit diesem Einsatz erreichen.
Bodo Schwarzberg; 01.10.2017

 

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