Selbstloser Einsatzwille für den Artenschutz

Auch in diesem Jahr waren die Mitglieder des BUND Nordhausen viel in der Natur unterwegs um seltene Flora und Fauna zu bewahren. Bodo Schwarzberg will sich kurz vor Weihnachten noch einmal für den selbstlosen Einsatz bedanken und fordert neue Herangehensweisen in Sachen Artenschutz…

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,ich wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2018, und ich möchte Euch zugleich meinen Dank aussprechen für Euren selbstlosen Einsatzwillen in der am Artenschutz ausgerichteten Landschaftspflege. Auch 2017 habt ihr, haben wir, die erforderliche Pflegekontinuität auf den artenreichsten Flächen unserer einmaligen Landschaft fortgesetzt, und damit überregional bedeutsame Bestände von zum Teil hochgradig gefährdeten Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften erhalten können.

Damit handelten wir im Sinne der Verordnungen, die einst zur Sicherung des Inventars unserer Naturschutzgebiete erlassen wurden und im Sinne des Verschlechterungsverbotes der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Nachgewiesenermaßen haben sich die Individuenzahlen einer ganzen Reihe bedrohter Arten auf unseren Pflegeflächen seit Beginn der regelmäßigen Einsätze im Jahre 2003, und verstärkt ab 2010, vergrößert.

Als Beispiel sei hier nur die nationale Verantwortungsart Breitblättriges Knabenkraut im NSG Rüdigsdorfer Schweiz angeführt, das nach jahrelangem Rückgang durch Nutzungsaufgabe in diesem Jahr erstmals eine Bestandserholung anzeigte. Im Umkehrschluss kann es als sicher gelten, dass unsere Landschaft ohne unsere Maßnahmen um einige Dutzend Vorkommen bedrohter Arten ärmer wäre.

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Durch kontinuierliche, von Mitgliedern und Freunden des BUND-Kreisverbandes Nordhausen durchgeführte Mahd entwickelte sich in einem kalkreichen Flachmoor im NSG Rüdigsdorfer Schweiz ein Massenbestand des gefährdeten Schmalblättrigen Wollgrases. Auch weitere bedrohte Arten, die auf Mahdund Nährsrtoffarmut angewiesen sind, siedeln in diesem extrem selten gewordenen Biotoptyp. Durch einseitige Vorhaben des Landschaftspflegeverbandes jedoch ist diese positive Entwicklung gefährdet. (Aufnahme 2015)

Dies gilt umso mehr, als die öffentlich angestrengten Vorhaben fast ausschließlich flächen- und nicht wuchsortbezogen, das heißt auch zeitlich begrenzt sind. Damit aber finden die oft isolierten Trocken- und Halbtrockenrasen oder auch besonders seltene kalkreiche Flachmoore bzw. die Ansprüche der dort siedelnden gefährdeten Pflanzenarten zu wenig Berücksichtigung.

In Zeiten der von Wissenschaftlern erkannten so genannten 6. Aussterbewelle sind jedoch neue Herangehensweisen notwendig, denen wir uns verpflichtet fühlen. Leider zeigt das lavierende, oft nur linear statt komplex ausgerichtete Verhalten der Politik und auch der verantwortlichen Behörden nicht immer, dass es hier die so notwendigen grundlegenden Veränderungen im Entscheiden und im Handeln gibt.

Nicht immer erfahren wir aktive Ehrenamtler bei unseren Artenschutzprojekten die Unterstützung, die notwendig wäre, um den Verlust von Beständen bedrohter Arten in unseren Naturschutzgebieten zu verhindern. Leider gibt es hierzu mittlerweile konkreter Beispiele. Auf Grund der verbreiteten Unfähigkeit der Politik, das Arten- und Wuchsortsterben zu begrenzen, müsste eigentlich jede sich bietende Chance genutzt werden, um den Verlust von Wuchsorten zu verhindern, sind eventuell hierfür auch Schwierigkeiten zu überwinden.

Daran werden wir die Verantwortlichen leider weiterhin erinnern müssen. Allzu oft scheinen wir uns gegenüber den Behörden noch dafür rechtfertigen müssen, dass wir eigentlich im Sinne von politischen Beschlüssen und Strategien agieren.

Es wird dabei vernachlässigt, dass unsere Region in den vergangenen 60 Jahren bereits zahlreiche Vorkommen bemerkenswerter Arten verloren hat und dass es daher umso wichtiger ist, das relativ Wenige das noch vorhanden ist, nicht durch fehlende oder einseitige Entscheidungen auch noch zusätzlich zu gefährden.

Für das kommende Jahr werden gegenwärtig die vertraglichen Grundlagen für die Fortsetzung unserer Pflegeaufgaben gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser e.V. vorbereitet.

Ich würde mich freuen, wenn unsere so wichtigen Einsätze von Euch auch weiterhin so aktiv unterstützt werden, wie in den vergangenen Jahren. Ihr habt wunderbare und zukunftsweisende Arbeit geleistet.
Bodo Schwarzberg; 22.12.2017

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