Waldkrise in Thüringen

Erfurt. Der BUND Thüringen fordert mit Blick auf das geplante Spitzengespräch in der Thüringer Staatskanzlei zur Waldkrise eine neue Waldstrategie für Thüringen. Der Verband fordert die Gemeinwohlinteressen des öffentlichen Waldes über die Gewinninteressen der Holzwirtschaft zu setzen. Der BUND Thüringen mahnt außerdem, die Nadelholz-Monokulturen endlich in Laubmischwälder umzubauen und die Wälder ökologischer und nachhaltiger zu bewirtschaften, um diese besser gegen den Klimastress zu wappnen. Ausdrücklich begrüßt der BUND Thüringen den Waldaktionsplan von Ministerin Siegesmund.

Mehr Geld alleine reicht nicht aus, um das Waldsterben zu stoppen. Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag für den Wald. Wenn wir unsere Wälder retten wollen, müssen wir die Klimakrise stoppen, Luftschadstoffe aus dem Verkehrs- und Landwirtschaftssektor eliminieren und vor allem die Wälder wieder als Ökosysteme und nicht als Holzplantagen begreifen“, erklärte Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

Nach Einschätzung von Vogel ist die aktuelle dramatische Situation der Wälder überwiegend hausgemacht. Auf mehr als der Hälfte der Waldfläche Thüringens seien wegen kurzfristiger, forstökonomischer Interessen Nadelwälder aufgeforstet worden. Mit 38% der Waldfläche sei die Fichte die mit Abstand häufigste Baumart in Thüringen. Damit stocke die Fichte in weiten Teilen Thüringens außerhalb ihres ökologischen Optimums. Die sturmgefährdete und dürreempfindliche Baumart sei besonders anfällig gegenüber dem Borkenkäfer.

Durch die jahrzehntelange Förderung der Nadelwaldbestände sind die verheerenden Borkenkäferkalamitäten, welche wir jetzt erleben, vorprogrammiert“, sagte Vogel.

Bei den Laubwäldern seien Dürreschäden vielfach die Konsequenz intensiver forstlicher Bewirtschaftung. Häufige Durchforstung und ein dichtes Rückegassensystem beeinträchtige das Waldinnenklima und erhöhe die Anfälligkeit der Wälder gegenüber Austrocknung. Besonders betroffen seien sog. Altschirmschläge wie im Hainich oder am Possen. Hier seien nach forstlichen Eingriffen nur Überhälter als Schirm stehen geblieben. Gerade die Buche reagiere als Schattenbaumart empfindlich auf solche Freistellungen und erleide „Sonnenbrand“.

Zusätzlich mache sich die Dauerbelastung durch Luftschadstoffe in Form von Stickoxiden aus dem Straßenverkehr und Ammoniakemissionen aus Massentierhaltung bemerkbar. Während das Phänomen des „Sauren Regens“ durch die Entschwefelung von Großkraftwerken kaum noch eine Rolle spiele, seien die Stickoxidemissionen aus dem Verkehrsbereich und der Ammoniakeintrag aus der Landwirtschaft weiterhin große Belastungen für die Waldböden. Stickoxide schädigen das Feinwurzelsystem und damit die Wasseraufnahmefähigkeit der Bäume. Ammoniakeintrag führt zur Bodenversauerung und wirkt ähnlich wie der „Saure Regen“.

Weder der Ruf nach fremdländischen, vermeintlich klimastabilen Baumarten noch die Forderung nach einer Pflicht zur Wiederaufforstung zeugen von Sachkenntnis in der aktuellen Debatte“, sagte Vogel. „Heimische, standorttypische Baumarten sind an die hiesigen, klimatischen Bedingungen am besten angepasst. Die Förderung der Naturverjüngung und Sukzession statt Aufforstung ist der beste Garant für eine stabile Waldentwicklung. “

Forderungen, auf die Stilllegung von Waldflächen aus Gründen des Waldbrandschutzes oder der Verkehrssicherung zu verzichten, erteilte Vogel eine klare Absage: „Nur fünf Prozent des gesamten Waldes in Thüringen sind als Waldwildnisfläche ausgewiesen. Davon sind der größte Teil Laubmischwälder, in denen die Waldbrandgefahr vernachlässigbar ist. Der Nationalpark Hainich zeigt, wie die Verkehrssicherung in Waldwildnisflächen auch bei hoher Besucherfrequenz erfolgreich zu managen ist. Außerdem sind die Waldwildnisflächen auch als Freilandlabore unverzichtbar, weil sie uns zeigen, wie sich klimastabile Wälder der Zukunft entwickeln. Deshalb fordern wir alle Mitglieder der Thüringer Landesregierung auf, das vereinbarte 5%-Ziel nutzungsfreier Wälder nicht in Frage zu stellen.“

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