Strategiepapier empfiehlt schrankenlosen Raubbau an Gipskarstlandschaft

Nordhausen/ Erfurt. Der BUND Thüringen kritisiert das vom Bundesverband Gipsindustrie e.V. in Auftrag gegebene Strategiepapier „Handlungsmöglichkeiten für den erleichterten Naturgipsabbau auf Länderebene“. Dieses enthält aus Sicht des Verbandes Empfehlungen, den Naturgipsabbau zu erweitern, ohne Rücksicht auf Umwelt und einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Dadurch würde der bisherige Gipsdialog grundlegend in Frage gestellt.

„Das Strategiepapier kommt der Aufforderung zum maßlosen Raubbau von Naturgips im Südharz gleich“, kritisiert Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Alle bisher geführten Gespräche über eine ressourcenschonende und nachhaltige Nutzung von Naturgips und den Erhalt der einzigartigen Gipskarstlandschaft werden damit ad absurdum geführt.“

Hauptforderung des Papiers sei der Abbau bestehender Gesetzeshürden, um den Naturgipsabbau im Südharz über genehmigte Flächen hinaus auszuweiten. Dazu sollten beispielsweise auch Regelungen aus Naturschutzgesetz und FFH-Richtlinie außer Kraft gesetzt werden, um zukünftig auch in Schutzgebieten zu arbeiten. Umweltbelange sollen demnach keine Rolle mehr spielen. Gleichzeitig würden verbindliche verwaltungsrechtliche Zusagen gefordert, bevor Prüfverfahren formal überhaupt abgeschlossen seien.

„Das Strategiepapier stellt kurzerhand jegliche gesellschaftlichen Regeln in Frage, die aufgestellt wurden, um den Einfluss des Gipsabbaus auf die Natur im Südharz zu minimieren“, erklärt Heidi Schell, Vorsitzende des BUND Kreisverbandes Nordhausen. „Besonders kritisch sehen wir die Forderung nach einer ‚bedarfsunabhängigen … Ausweisung von Gips-Rohstoffsicherungsflächen‘ in der Raumplanung. Das würde einer maßlosen Ausbeutung der Südharzer Gipskarstlandschaft Tür und Tor öffnen.“

Aus Sicht des BUND Thüringen wären Defizite aus dem möglichen Wegfall von REA-Gips durch den Kohleausstieg bereits jetzt mehr als überkompensiert. Vogel: „Es kann nicht sein, dass der Gipsabbau im Interesse einzelner Wirtschaftskonzerne auf Kosten der nachhaltigen Entwicklung einer ganzen Region intensiviert wird. Damit muss endlich Schluss sein. Stattdessen muss dem Kohleausstieg jetzt ein Ende des Naturgipsabbaus im Südharz folgen.“

Dies sei allerdings nur dann möglich, wenn die Bauindustrie noch stärker als bisher auf Alternativen, wie das Gipsrecycling und Lehmbaustoffe setzt. Schell: „Nicht nur die Abbauflächen, sondern auch der Naturgips selbst ist endlich. Vor allem der Industrie müsste daher eher an zukunftsweisenden Strategien gelegen sein, als an kurzfristige Lösungen.“

„Wir fordern die Politik auf, sich von dem Strategiepapier zu distanzieren“, erklärt Vogel. „Erst dann macht es überhaupt Sinn, den Dialog zum Naturgipsabbau im Südharz weiterzuführen.“

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