Mahd gegen den Gipsabbau

13 Enthusiasten mähten am Sonnabend auf einem BUND-eigenen Sperrgrundstück gegen die Abbaubestrebungen der Gipsfirma Casea – und für die Erhaltung der Biodiversität im amtlich erklärten Hotspot der Artenvielfalt Südharzer Zechsteinrand. Unter den Teilnehmern war auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Thüringer Landtag, Dirk Adams…

Mit seiner Teilnahme am BUND-Einsatz bekräftigte Dirk Adams die Haltung der Grünen, eine Ausweitung des Gipsabbaus in das FFH-Gebiet zu verhindern. Wenn am Winkelberg in der Rüdigsdorfer Schweiz nicht abgebaut wird, darf es im Raum Himmelsberg keine Winkelbergersatzsteinbrüche geben. Das ist mit der FFH-Richtlinie unvereinbar, aber auch mit vielen anderen Verlautbarungen und Beschlüssen der Politik zur Erhaltung und Förderung des Artenreichtums.

Zumal wir es hier nicht mit irgendeinem Gebiet zu tun haben, sondern mit einem vom Bundesamt für Naturschutz erklärten Hotspot der Biodiversität im Bundes- und europäischen Maßstab.

Dirk Adams interessierte sich auch für die langjährigen Artenschutzaktivitäten von Mitgliedern und Freunden des BUND-Kreisverbandes auf rund 20 Flächen im Gebiet. Nur durch sie kann der Verlust zahlreicher Wuchsorte bemerkenswerter Arten verhindert werden. Auch wurde über mögliche Förderungen dieser ehrenamtlichen Aktivitäten gesprochen.

Seit 2011 mähen Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen einmal jährlich den Halbtrockenrasen im (Flora-Fauna-Habitat-) FFH-Gebiet Nr. 4, Kammerforst-Himmelsberg-Mühlberg. Dass dieses Grundstück heute Eigentum des Umweltverbandes ist, kann in seiner Bedeutung nicht hoch genug bewertet werden. Es macht eine Vernichtung dieses wertvollen Landschaftssauschnittes durch den Bergbau nahezu unmöglich.

Unterstützt wurden die Mitstreiter und Freunde des BUND zum wiederholten Male von einigen aktiven Geocachern aus der Region, die großes Interesse an dem Pflegeeinsatz zeigten und mehr über dessen Hintergründe wissen wollten. Es entstand ein reger Gedankenaustausch, in dessen Verlauf wir BUNDler auch viel über die ebenso naturverbundene und zum Teil recht abenteuerlich-spannende Beschäftigung der Geocacher erfuhren.

Und wir konnten ihnen über Erfolge unserer alljährlichen Mahd berichten: So beweisen Fotovergleiche und Untersuchungen am Arteninventar, dass nur eine kontinuierliche und geeignete Landschaftspflege allmählich wieder zu einer Vergrößerung der Artenvielfalt führt. Erst jetzt, nach sechs Jahren regelmäßiger, einschüriger Mahd, gehen Neuverbuschung, Verfilzung und insgesamt der Biomasseaufwuchs so weit zurück, dass sich besonders sensible, bedrohte Magerkeitszeiger beginnen, auszubreiten. So konnten wir das zurückgehende und laut Roter Liste Thüringen stark gefährdete Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) am Sonnabend erstmals in Bereichen des Halbtrockenrasens finden, in denen es 2011 noch undenkbar war. Neben dieser bemerkenswerten Art siedelt auf der Fläche auch ein Bestand der Orchidee Fliegen-Ragwurz mit alljährlich hunderten Pflanzen. Zahlreiche andere bedrohte Arten aus unterschiedlichsten Pflanzen- und Tiergruppen kommen hinzu.

Ein besonders reichhalter, bunter Imbiss sorgte auch für ein lukullisches Vergnügen dieses aktiven Sonnabends. Allen, die dazu beitrugen, sei ebenso herzlich gedankt, wie allen Helfern, ohne die wir die Fläche an nur einem einzigen Tag nicht hätten mähen und beräumen können.
Apropos beräumen: Ein Landwirt aus der Region holte das garantiert biologische Mähgut zur weiteren Verwendung in seinem Betrieb ab. Auch ihm gebührt unser Dank. Wir würden uns freuen, wenn er uns auch im kommenden Jahr unterstützt.

Und wenn ich gerade beim Danken bin: Sofern es einen Wettergott gibt, so scheint er es gut mit uns zu meinen. Wie schon so oft, schloss der Himmel genau zur Zeit eines BUND-Einsatzes für einige Stunden seine Schleusen. Wenn das kein gutes Omen ist?

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Die Arnika bleibt im Landkreis!

Auf den Filetstücken der botanischen Artenvielfalt im Landkreis Nordhausen sind Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen regelmäßig tätig. Um die Erhaltung dieser Artenvielfalt ging es auch bei ihrem 53. und 54. Einsatz, berichtet Bodo Schwarzberg…

Die Arnika bleibt im Landkreis! (Foto: B. Schwarzberg)

Im nicht enden wollenden Regen mähten zwei Enthusiasten am 1.7. eine besondere Bergwiese im Thüringer Südharz: In der unmittelbaren Nähe der Mähfläche siedeln die hier wahrscheinlich letzten Exemplare der Arnika, dieser einst massenhaft gesammelten und von den alten Nordhäuser Botanikern VOCKE und ANGELRODT als „im Harze sehr häufig“ benannten Heilpflanze, die in Thüringen mittlerweile als „stark gefährdet“ gilt.

Nicht die Sammelwut alter Kräuterweiblein machte ihr aber den flächendeckenden Garaus, sondern zum Beispiel die Intensivierung der Bergwiesennutzung, die Aufgabe extensiver Mahd und der anschließenden schonender Beweidung sowie nicht zuletzt die fehlenden, wirksamen Konzepte des staatlichen Naturschutzes. Noch in den 60er Jahren wurde die Arnika als „arger Platzräuber“ auf den Mittelgebirgswiesen betrachtet, weil sie das Weidevieh verschmähte und sich die Art auf den kurzrasigen mageren Flächen dadurch immer weiter ausbreitete. Heute sind derartige magere Bergwiesen hingegen zur absoluten Ausnahme geworden.

Die gesetzlich geschützte, attraktive, weithin durch ihre großen, gelben Korbblüten auffallende Pflanze benötigt neben dem ständigen Nährstoffentzug durch Mahd und Beweidung vor allem Bodenverwundungen, die das schnelle Überwuchern der dem Boden flach anliegenden Jungpflanzenrosetten durch konkurrierende Arten verhindern, ja die die erfolgreiche Entwicklung der nur kurz keimungsfähigen Samen begünstigen.

Einst als wohlfeile wilde Nutzpflanze behandelt, ist die Arnika heute eine seltene, vom Bundesamt für Naturschutz sogar zur „nationalen Verantwortungsart“ erklärte Pflanze geworden.

Beim 53. BUND-Einsatz ging es um einen Schritt zur allmählichen Wiederherstellung eines kleinen Teils einer seit rund sieben Jahren nicht mehr bewirtschafteten Bergwiese. Hier soll die benachbart siedelnde, und seit etwa 2006 gepflegte Arnika Ausbreitungsmöglichkeiten finden, hier imitierten wir durch tiefe, bodenverwundende Mahd die einstigen „Trittschäden“ historischer Wild- oder Weidetiere.

Die gezielte Ausbringung von Arnikasamen soll zudem die Erhaltung der Art für den Südharz im Verein mit einer Fortsetzung der kontinuierlichen extensiven Mahd, unterstützen.

Am vergangenen Sonnabend hingegen mähten vier Enthusiasten beim 54. BUND-Einsatz einen Halbtrockenrasen im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz. Beim Betreten der Fläche wurden wir von hunderten Schmetterlingen umschwirrt, die an den Blüten der vielen blühenden Blumen nach Nektar suchten, – ein auffallender Unterschied zur unmittelbar benachbarten, mit Gülle oder Klärschlamm gedüngten Intensiv-Mähwiese.

Die Arnika bleibt im Landkreis! (Foto: Bodo Schwarzberg)

Wir mähten nur etwa zwei Drittel der Fläche, um Arten wie dem hier noch häufigen Kaisermantel und mehreren Bläulingsarten Nektarpflanzen und den Raupen Futterpflanzen zu erhalten. Mit der einschürigen Mahd helfen wir, die Schutzgebietsverordnung ebenso umzusetzen, wie die FFH-Richtlinie und die Vorstellungen der Politik für ihr Jahrzehnt der Biodiversität 2010 bis 2020.

Zumindest im kleinen Maßstab sehen wir, dass es gelingen kann: Durch kontinuierliche, da ehrenamtliche, extensive Pflege haben sich Orchideen wie das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) und die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) auf der Projektfläche ausgebreitet, und auch andere Arten, wie das geschützte und in Thüringen stark gefährdete Katzenpfötchen (Antennaria dioica), verloren bisher nicht, wie an kaum zählbaren anderen Stellen in Deutschland ihren Wuchsort.

Die beiden Fotos zeigen die Arnika an ihrem vermutlich letzten größeren Südharzer Wuchsort bei Ilfeld und den Kaisermantel, eine attraktive Schmetterlingsart mancher wärmebegünstigter Lagen im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz zwischen Buchholz und Neustadt.

Mahd im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz

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Sieben Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen beteiligten sich am vergangenen Sonnabend am 52. Einsatz zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Wie schon mehrmals in den Jahren zuvor wurden Teile eines Halbtrockenrasens im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz gemäht. Für ihn hat der BUND-Kreisverband einen Pflegevertrag mit dem Landesverwaltungsamt abgeschlossen…

Da zurzeit noch einige Orchideenarten sowie weitere geschützte oder bedrohte Arten blühen und fruchten, wurde nur etwa ein Drittel der Vertragsfläche bewirtschaftet. Der Schwerpunkt lag hier auf besonders stickstoffreichen Flächen, deren Arteninventar sich durch jahrelang fehlende oder zu diskontinuierliche Nutzung sowie durch jagdlichen Einfluss gegenüber dem des extensiven Grünlandes verändert hat. Diese Art der Landschaftspflege entspricht auch gut historischen Nutzungsformen, als das Grünland oftmals den zum Teil winzigen Grundstücken entsprechend, mitunter auch zu recht unterschiedlichen Zeiten gemäht oder beweidet wurde.

Dies unterstützt die Erhaltung und Entwicklung von Arten mit unterschiedlichen Wachstums- und Blühzeiten und damit die Artenvielfalt. Auch dient diese vorsichtige Herangehensweise der Erhaltung unserer Insektenwelt.
Zudem wurde der Neuaustrieb von in früheren Jahren entfernten Schlehen abgemäht, was die auf den Halbtrockenrasen unerwünschten Sträucher derzeit besonders schwächt und die Verbuschungstendenz verringert.

Zu den Teilnehmern gehörten diesmal insbesondere Helga und Karl-Heinz Junker aus Sondershausen, Stefan Stolze, Bodo Schwarzberg und Tobias Strietzel aus Nordhausen (letzterer spendierte diesmal den Imbiss anlässlich seines Geburtstages!), Klaus Liebenrodt aus Ilfeld und Uwe Dumjahn aus Neustadt.

Gemeinsam bewunderten wir die Ergebnisse der ehrenamtlichen Arbeit mehrerer Jahre, die sich im floristischen Reichtum dieses NSG-Ausschnittes zeigen: So haben sich der niedrige und leuchtend gelb blühende Magerkeitszeiger Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) ebenso ausgebreitet, wie der auffallend lila blühende und gefährdete Dänische Tragant (Astragalus danicus) und das stark gefährdete Helm-Knabenkraut (Orchis militaris, siehe Nahaufnahme Blüte). Bemerkenswert ist auch die Entdeckung von einigen Exemplaren des seltenen Borretschgewächses Deutsche Hundszunge (Cynoglossum germanicum, Foto) am Rande eines Gebüsches der Projektfläche. Der Vergleich mit der nahe verwandten Echten Hundszunge (Cynoglossum officinale) war problemlos möglich, da von dieser viel häufigeren Art ebenso einige Exemplare nachgewiesen werden konnten.

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Treff im Alten Stolberg

Gegensätze auf engem Raum: Hier der den Alten Stolberg zerstörende Steinbruch Knauf, dort die einmalige Artenvielfalt des gleichnamigen Naturschutzgebietes. Um sich diese anzusehen, trafen Waldeigentümer und Vertreter sowie Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen zusammen…

Dieser mäht zwei für den botanischen Artenschutz bedeutende Flächen innerhalb des NSG, die zum Teil einer Eigentümergemeinschaft gehören. Am vergangenen Sonntag kam es zu einer gemeinsamen Exkursion zu den bewirtschafteten Flächen. Die Waldbesitzer informierten sich über die dort seit 2004 vom Autor des Beitrages geleistete Pflegearbeit, die seit 2010 regelmäßig auch vom BUND-Kreisverband erbracht wird.

Und dabei geht es nicht um eine x-beliebige Wiese: Auf der einen der beiden bewirtschafteten Flächen wurden 29 bedrohte und nach Bundesartenschutzverordnung geschützte Pflanzenarten nachgewiesen. Eine solch hohe Konzentration bemerkenswerter Arten ist im Gebiet des gesamten Südharzer Zechsteinrandes einmalig.

Den Waldeigentümern wurden anlässlich der Exkursion mehrere Arten vorgestellt, so die in Thüringen stark gefährdeten Arten Abbiss-Pippau (Crepis praemorsa), Färber-Meier (Asperula tinctoria), die Orchidee Langblättriges Waldvöglein (Cephalanthera longifolia) und das erst in den vergangenen Jahren wieder entdeckte Echte Federgras (Stipa joannis). Zur Sprache kam die enorme Bedeutung einer kontinuierlichen Mahd für die Erhaltung dieses Artenreichtums in unseren Naturschutzgebieten, womit ehrenamtlich gesetzliche Vorgaben und politische Vereinbarungen erfüllt werden.

Ausgehend vom Buch des Autors Otto Schwarz „Thüringen – Kreuzweg der Blumen“ wurde das NSG Alter Stolberg als hoch interessanter „Treffpunkt“ für Arten mit westlicher, südlicher, östlicher und nördlicher Verbreitung in Europa vorgestellt.

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Für die Vertreter und Freunde des BUND waren die Ausführungen der Waldbesitzer zur Geschichte der Waldbewirtschaftung im Alten Stolberg besonders interessant, so der frühere Niederwaldbetrieb und die Probleme, die der flachgründige Gipsboden für die forstlichen Erträge mit sich bringt. Unter dem Strich kam heraus, dass die botanische Artenvielfalt im Alten Stolberg genau davon profitiert. Die dadurch bedingten lichten Waldverhältnisse kommen vielen Arten zugute.

Spannend waren auch die Ausführungen der Waldeigentümer über die Gefahren, die dem heutigen NSG Alter Stolberg kurz nach der Wende durch die Interessen der Gipsindustrie drohten und ihr letztlich erfolgreicher Einsatz für ihr Eigentum.

Die Waldeigentümer zeigten sich beeindruckt von den vielen Besonderheiten, die es auf ihren Waldwiesen zu bewundern gibt, aber auch von der ehrenamtlich erbrachten Arbeit an den weitläufigen, oft steilen Hangpartien. Eine weitere Exkursion in den kommenden Jahren ist geplant.

Dem „Harztiger“ auf der Spur

Mit dem Wildkatzenexperten unterwegs in der Südharzer Gipskarstlandschaft

Die Wildkatze findet langsam den Weg zurück in die deutschen Wälder, auch in die dichten Kalkbuchenwälder des Südharzes. Und das nicht ohne Grund: Die Gipskarstlandschaft bietet eine besonders hohe Vielfalt an Lebensräumen und wurde deshalb vom Bundesamt für Naturschutz als „Hotspot der biologischen Vielfalt“ ausgezeichnet. Erste Sichtungen belegen, dass die Wildkatze hier ideale Lebensbedingungen findet. Um die Bürger für die scheuen Jäger zu sensibilisieren, führt der BUND Nordhausen gemeinsam mit dem Wildkatzenexperten des Umweltverbandes, Thomas Mölich, eine geführte Wanderung auf den Spuren der Samtpfoten durch.

Datum: 06.05.2017

Uhrzeit: 10:30 Uhr

Ort: Woffleben an der Kirche

Auf der ca. 3,5-stündigen Exkursion werden die Teilnehmer u.a. erfahren, ob und wo die Wildkatze bereits gesichtet wurde und warum die Südharzer Gipskarstlandschaft mit ihrer großen Biotopvielfalt einen idealen Lebensraum für diese und viele weitere bedrohte Tierarten darstellt. Die interaktive Wanderung ist auch für Familien geeignet.

Die Teilnehmer sollten über eine gute Kondition verfügen, festes Schuhwerk und Verpflegung mitbringen.

BUND pflegt Orchideenwiese

Zu DDR-Zeiten bezeichnete man ehrenamtliche Gemeinschaftseinsätze an einem Sonnabend als Subbotnik, abgeleitet vom russischen Subbota für Sonnabend. Waren derartige, zwar auch heute noch als positiv bewertbare Aktivitäten eine Folge des Mangels an Dienst- und handwerklichen Leistungen, so sind sie heute nicht minder auch Ausdruck fehlenden staatlichen Engagements…
Und dem fielen in den neuen Bundesländern seit 1989 zum Beispiel tausende Hektar artenreicher Trocken- und Halbtrockenrasen und anderes mageres Grünland Opfer. Heute ist es daher oft der Enthusiasmus Einzelner und der unterschiedlichster Vereine, der die Widersprüche zwischen politischen Absichtsbekundungen, Koalitionsvereinbarungen, Gesetzen und anderen Schönwetterreden zum Beispiel auf dem Gebiet des Naturschutzes zu dämpfen versucht.

Viele heute bedrohte Pflanzenarten beispielsweise finden auch dort keine günstigen Lebensverhältnisse mehr vor, wo sie einst, ohne menschliche Einflussnahme noch siedeln konnten. Hierzu gibt es Untersuchungen. Pflegeeinsätze zur Erhaltung dieser und anderer Spezies sind also nicht nur Erhaltungsmaßnahmen für einzelne Wuchsorte seltener Arten, sondern immer mehr auch Erhaltungsmaßnahmen für die Arten selbst. – Eine sehr traurige Entwicklung angesichts des 80. Jahrestages des ersten deutschen Naturschutzgesetzes (Reichsnaturschutzgesetz) im Jahre 2015.

Dem sich angesichts von Intensivierung und Denaturierung unserer Landschaft im überwiegend freien Fall befindlichen Artenvielfalt versucht der BUND-Kreisverband Nordhausen wenigstens punktuell etwas entgegenzusetzen. Rund 500 Maßnahmen insgesamt erfolgten seitens des Autors seit 2003 im Großraum Harz, darunter seit 2010 43 seitens des BUND-Kreisverbandes Nordhausen. Der Wert letzterer Einsätze liegt, angesichts der Teilnehmerzahl, vor allem in ihrem Potenzial, auf relativ großen Flächen tätig zu werden, als dies allein möglich wäre.

Am vergangenen Sonnabend mähten vier Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen zum zweiten Mal rund 2.300 Quadratmeter einer orchideenreichen Wiese im Gebiet der Bleicheröder Berge. Sie beherbergt unter anderem einen großen Bestand der Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera). Bemerkenswert ist auch ein großes Vorkommen der in Thüringen stark gefährdeten Gelben Spargelerbse (Lotus maritimus).

Zu den Aktiven zählten Tobias Strietzel aus Nordhausen, der extra aus Sondershausen angereiste Fritz Daniel, das neu zu den Artenschützern gestoßene BUND-Mitglied Wolfgang Scholz aus Nordhausen und der Autor des Beitrages.

Der 43. Einsatz stand zunächst unter keinem guten Stern: Bei strömendem Regen waren wir in Richtung Obergebra gestartet, doch rechtzeitig, bevor wir unsere beiden Freischneider (einer davon gefördert von der Naturstiftung David) in Betrieb setzten, hörte es zu regnen auf.

Bereits 2015 waren wir auf der Wiese tätig gewesen. Damals mähten wir unter anderem Bereiche, die stark von Verbuschung bedroht sind, also insbesondere ausgewählte gebüschnahe Flächen. Diese „chirurgische Mahd“ zahlt sich aus: Der Neuverbuschungsgrad hielt sich 2016 in engen Grenzen. Er ist geringer, als 2015, obwohl wir nur etwa ein Drittel der gesamten Wiese mähen konnten. Dafür mähten wir 2016 Bereiche, die wir 2015 ausließen.

Es sollte untersucht werden, wie sich bestimmte, naturschutzrelevante Wiesen unter dem Einfluss einer nur alle zwei Jahre durchgeführten Mahd entwickeln. Auf Grund des meist begrenzten Potenzials der ehrenamtlichen Landschaftspfleger könnte hierin ein Schlüssel zur Erhaltung auch größerer artenreicher, aber auf kontinuierliche Bewirtschaftung angewiesener Magerstandorte liegen. Eventuell wird die Wiese an den Bleicheröder Bergen während der Wintermonate von uns aber noch komplett gemäht.

Dennoch wäre die Lösung einer Mahd im Abstand von zwei Jahren gewissermaßen ein Armutszeugnis für den staatlichen Naturschutz: Die für die Erhaltung bedrohter Pflanzenarten so dringend notwendige Kontinuität der Bewirtschaftung naturschutzfachlich extrem wichtiger Flächen hat sich zumindest im Landkreis Nordhausen trotz der neuen und noch dazu grünen Umweltministerin bisher kaum gezeigt: So wurde das erfolgreiche „Referenzprojekt Artenschutz“ des Autors (Verwaltung: Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser) unter CDU-Umweltminister Reinholz von 2013 bis 2015 Wirklichkeit, unter der Grünen Frau Siegesmund jedoch mündete die geplante Verlängerung nach einer rund einjährigen Zeit fehlender Informationen über den Fortgang in ein mit Tantiemen bezahltes Schmalspurprojekt – ein Affront gegen das bisher Erreichte! Dazu gibt es einen weiteren Beitrag.

Von daher sollten wir uns keine Illusionen machen: Wir müssen notgedrungen weiterhin und weitestgehend ehrenamtlich daran arbeiten, um die gesetzlichen Verpflichtungen, die sich für Staat und Behörden aus Naturschutzverordnungen und EU-Richtlinien ergeben, umzusetzen. Der BUND-Kreisverband Nordhausen wird dazu auch weiterhin einen aktiven Beitrag leisten sowie ein kritischer Beobachter des hiesigen Naturschutzes sein.

Gelegenheit, selbst aktiv zu werden, besteht wieder am 15.10. Dann wird der Halbtrockenrasen auf dem BUND-eigenen Grundstück zwischen den NSG Mühlberg und Himmelsberg gemäht, das die Fortsetzung des Casea-Raubbaus an unserer Landschaft vom heutigen Steinbruch Rüsselsee in Richtung Niedersachswerfen verhindern soll. Weitere Einsätze sind, frostfreies Wetter vorausgesetzt, auch weiterhin bis März geplant. Interessenten sind herzlich willkommen.
Bodo Schwarzberg

Interessenten melden sich bitte per Mail an: bodo_schwarzberg@yahoo.de

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Was geht am Rüsselsee vor sich?

Wenn in letzter Zeit von einem „Kompromiss“ beim Gipsabbau im Landkreis Nordhausen die Rede ist, wird von beinahe allen beteiligten Akteuren auf das Tagebaugebiet bei Appenrode, den Rüsselsee geschaut.

Auch vor Ort tut sich dort etwas.

Bei einer Ortsbegehung des BUND Anfang dieser Woche fielen uns rund um das existierende Abbaugebiet eingeschlagene Markierungspfähle auf. Von uns wurden 30 Pfähle gesehen und deren Position bestimmt und dokumentiert. Wenn man sich diese Positionen in der Karte ansieht, steht zu vermuten, das es sich bereits um Markierungen des zukünftigen Abbaufeldes bzw. Stellen für die im Herbst geplanten Probebohrungen handelt. Das vorhandene Abbaufeld von Casea würde sich dann gen Südosten in einer Art Kesselsteinbruch in das existierende FFH- Gebiet hinein erweitern. Wir befürchten, das der geplante Abbau kurzerhand um unsere Sperrgrundstücke herum geplant ist.

Wir rufen alle interessierten Bürger, Mitglieder der Bürgerinitiative, Kreistagsabgeordnete, vor allem die heimischen Anwohner von Niedersachswerfen, Appenrode und Woffleben auf, sich die Markierungen einmal anzusehen. Am Besten geht man vom Mühlberg nach Woffleben auf den noch vorhandenen Waldweg auf dem Höhenzug.

Die GPS- Koordinaten des ersten Pfahles am Wiesenrand sind : 51° 33,818‘ N und 10° 44,711‘ E. Weitere Pfähle sind dann in Sichtweite auf der Wiese und im Waldstück gen Rüsselsee.

Natürlich wird der BUND sich mit einer Klage gegen den geplanten Eingriff in das unter dem Schutz der EU stehende FFH Gebiet zur Wehr setzen. Doch die Mühlen in Brüssel mahlen langsam, und genau darauf scheinen sich die Beteiligten des sog. Kompromisses, einschließlich des Umweltministeriums auch zu stützen.

Werden die Pläne der Gipsindustrie verwirklicht, wird der Höhenzug Himmelsberg – Mühlberg ein zweiter Kohnstein. Die Bevölkerung sollte am Ball bleiben, so wie ihre federführenden Bürgermeister Klante und Ehrhold im Gipskompromiss dies auch tun.

Nordhausen, den 25.08.2016

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Für einen gerechten Welthandel: CETA & TTIP stoppen! – Jetzt wird entschieden!

Bundesweite Großdemonstrationen in Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart am 17. September 2016

CETA und TTIP, die Abkommen der EU mit Kanada und den USA, drohen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu untergraben. Im Herbst geht diese Auseinandersetzung in die heiße Phase: EU und USA drücken aufs Tempo und wollen TTIP bis zum Jahresende fertig verhandeln.
Kurz vor diesen Entscheidungen trägt ein breites Bündnis seinen Protest gegen CETA und TTIP auf die Straße! Weit über hunderttausend Menschen werden am Samstag, den 17. September in Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart auf die Straßen gehen. Damit auch die Landesregierungen aufgefordert werden, im Bundesrat CETA und TTIP nicht zuzustimmen.

Auch wir sind wieder mit dabei. Gemeinsam mit dem Stadtverband der Linken haben wir einen Bus organisiert, welcher nach Leipzig fährt, um Teilnehmer aus Thüringen die Möglichkeit zu geben, vor Ort an der Demonstration teilzunehmen.

Wir haben einen Bus für 53 Personen gebucht, der uns von Erfurt nach Leipzig und wieder zurück bringt.

  • Abfahrtszeit in Bad Langensalza:      08:00 Uhr vom ZOB am Bahnhof
  • Abfahrtszeit in Erfurt:                        09:00 Uhr vom Busbahnhof Bussteig 7 am                                                                                                                                                Hauptbahnhof
  • Zwischenstopp in Weimar:                09:30 Uhr an der Tankstelle in Gelmerode
  • Zwischenstopp in Weißenfels:           10:30 Uhr an der Promenade 19 am ZOB
  • Ankunftszeit in Leipzig:                      11:30 Uhr in der Nähe des Wilhelm-Leuschner-Platz
  • Abfahrtszeit in Leipzig:                      16:00 Uhr vom Ausstiegsort
  • Ankunftszeit in Erfurt:                       19:30 Uhr am Busbahnhof

Der Preis pro Person beträgt für Mitglieder des BUND 13€ und für Nichtmitglieder 15€

Um einen Überblick über alle Mitreisenden sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt zu haben, bitte ich Sie, mir in einer kurzen Mail oder einem Anruf mit Namen der Teilnehmer, Handynummer für Erreichbarkeit und Mail-Adresse mitzuteilen, dass Sie sich für die Fahrt anmelden. Die Anmeldung ist nach überweisen des Beitrags verbindlich.

Nummer: 0361 555 03 14
E-Mail: l.suss@bund-thueringen.de

Ich bitte sie, die Fahrtkosten möglichst gleich nach der Bestätigung ihrer Anmeldung mit dem Betreff „Leipzig 2016 – Name“ zu überweisen:

Sparkasse Mittelthüringen
BLZ:     820 510 00
Konto:  130 093 831
IBAN:   DE37 8205 1000 0130 0938 31
BIC:     HELADEF1WEM

Lionora Suß,
BFD (Bundesfreiwilligendienst)
BUND Thüringen e.V. Landesgeschäftsstelle

 

BUND pflegt Flachmoor

Einer der Mitbegründer des BUND war Prof. Dr. Bernhard Grzimek (1909-1987), der weltbekannte Tierschützer, Tierfilmer und langjährige Direktor des Zoos Frankfurt /Main. In seinem Buch „Wildes Tier, Weißer Mann“ aus dem Jahre 1969 setzte er sich intensiv mit den menschlichen Einflüssen auf die Biosphäre auseinander. Leider haben seine Warnungen nichts an Aktualität verloren…
Im Gegenteil: „Gerade das ist wohl der Keim des Verderbs, der in das Menschenhirn gelegt ist: die eigenen Taten zu überschätzen und die Dinge zu missachten, die nicht vom Menschen geschaffen sind.“ An diese Worte muss ich regelmäßig denken, wenn wir in der mitteldeutschen Provinz versuchen, die Artenvielalt vor Nutzungsaufgabe und / oder zu diskontinuierlicher ungeeigneter Landschaftspflege zu bewahren. Zu Grzimeks Zeiten gab es national wie international bedeutend weniger Schutzgebiete und Naturschutzregelungen, was er in seinem Buch auch anprangert: Doch trotzdem sich hier das Blatt komplett gewendet hat, bleiben Erfolge überwiegend aus: Wissenschaftler sprechen von der ungebremsten fünften Aussterbewelle auf Erden – verursacht durch eine weiterhin stark steigende Menschenpopulation und deren ungebremster wirtschaftlicher Gier.

Wir vom BUND-Kreisverband Nordhausen können daran nichts ändern. Wohl aber können wir lokal versuchen, ein wenig gegen diese dramatischen, ja apokalyptischen Veränderungen zu unternehmen.

Ein Niedermoor und seine Besonderheiten

Mitstreiter und Freunde des BUND -Kreisverbandes Nordhausen mähten am vergangenen Sonnabend in der Rüdigsdorfer Schweiz ein Moor. Moore in der von Trockenrasen und Trockengebüschen und Trockenwäldern geprägten Rüdigsdorfer Schweiz? Ein solches ökologisches Kleinod gibt es hier tatsächlich.

Es handelt sich um ein Flach- oder Niedermoor, das aus der Versumpfung des Mineralbodens entstanden ist. Aus einem angrenzenden Hang sickert wahrscheinlich schon seit sehr langer Zeit permanent Wasser, das sich in zwei kleinen Bächen mit wechselndem Wasserstand sammelt und von ihnen auf eine in einer flachen Senke liegende Wiese geschwemmt wird.

Da das Wasser offenbar auch noch recht nährstoffarm ist, hat sich eine besonders artenreiche Pflanzengemeinschaft entwickelt. Zu den bemerkenswerten Arten zählen Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium), Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Schuppenfrüchtige Gelbsegge (Carex lepidocarpa). Die erst- und letztgenannte Art konnten erst in den vergangenen Jahren für das Naturschutz- und FFH-Gebiet wieder- bzw. neu entdeckt werden.

Um den Artenreichtum dieser Flachmoore zu erhalten, müssen sie gemäht oder extensiv beweidet werden. Da viele in ihnen siedelnde Arten jedoch den vom Vieh meist verschmähten Sauergräsern und Binsen angehören, ist Mahd das bessere Mittel der Wahl. Früher wurden derartige Wiesen als Streuwiesen genutzt, sie lieferten die Einstreu für die Viehställe der bäuerlichen Kleinbetriebe. Diese Nutzung wird zumindest in Mitteldeutschland kaum noch praktiziert. Historische Streuwiesen sind daher ein floristisches Museum, die schon auf Grund ihres Reliktcharakters und ihrer Kleinheit langfristig wohl oft nur noch auf ehrenamtlicher Basis erhalten werden können. Sie sind Rückzugsräume für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten, die in unserer anthropogen stark überformten Kulturlandschaft ansonsten praktisch keine Überlebensräume mehr haben.

Besagte Wiese wurde zwischen 2013 und 2015 im Zuge des so genannten, vom Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser verwalteten und vom Autor dieses Beitrags umgesetzten Referenzprojekts Artenschutz einmal jährlich gemäht. Im Zuge dessen begannen ihre Pflanzengemeinschaften eine überwiegend positive Entwicklung zu nehmen, denn jahrelang war sie unbewirtschaftet geblieben. – Wichtig für Erfolge im Artenschutz aber ist jedoch die Aufrechterhaltung einer Kontinuität bei der Bewirtschaftung.

Mähen, Harken und Picknick

In diese, Sinne wurden am vergangenen Sonnabend sechs Enthusiasten aktiv: Der BUND-Kreisverband Nordhausen führt die Bewirtschaftung zunächst fort. Gemäht und geharkt wurde unter anderem von Tobias Strietzel, Heidi Schell, Uwe Dumjahn und dem Autor dieses Beitrages. Uwe Dumjahn war das erste Mal dabei und führte den einen der beiden Freischneider so professionell, dass wir uns alle schon jetzt auf seine nächste Teilnahme freuen.

Der Einsatz war übrigens nicht nur ein körperlich entspannendes Erlebnis: Das übliche Picknick unter freiem Himmel mundet auf einer seltenen Wiese ganz besonders. Zumal es diesmal gleich zwei Höhepunkte dieser Art gab: Michaela Sorgatz brachte einen geheimnisvoll gefüllten und inhaltlich sehr schmackhaften Picknickkorb vorbei.

Blick über Flachmoorgrenzen hinaus

Die landschaftspflegerischen Einsätze des BUND-Kreisverbandes Nordhausen leisten einen Beitrag zur Umsetzung jener Festlegungen, die in den Verordnungen unserer Naturschutzgebiete und in der FFH-Richtlinie der EU niedergeschrieben sind. Auch der 41. Einsatz seit 2010 diente deren Umsetzung. Durch die Mahd können nicht nur stark gefährdete Pflanzengemeinschaften sondern gleich mehrere bedrohte Pflanzenarten erhalten werden. Bedenkt man, dass sich z.B. auch zahlreiche Insektenarten auf derartige Flachmoore spezialisier haben, dienen unsere Maßnahmen auch dem zoologischen Artenschutz.

Wichtig wäre, dass sich auch die Programme des Freistaates noch mehr an den selbst verfassten Regelungen bzw. unterstützten Richtlinien orientieren, womit nicht nur großflächig wirksame Aktionen gemeint sind. Gezielte Maßnahmen auf kleinen artenreichen Flächen haben nachweislich einen nicht zu vernachlässigenden bis entscheidenden Einfluss auf die Erreichung von Schutzzielen. Sie sollten unbedingt Teil des geplanten Naturschutzgroßprojekts sein. Die Naturschutzbehörden und Landschaftspflegeverbände haben hierbei eine immense Verantwortung, die sie mit Engagement und vor allem mit Augenmaß wahrnehmen sollten.

Denn auch bestehende Regelungen bieten viele Möglichkeiten dazu. Weitere Verluste artenreicher Lebensgemeinschaften dürfen nicht hingenommen werden, wobei die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, zu erfahren, ob in Mitteldeutschland tatsächlich effektiv gegen den Verlust der Artenvielfalt vorgegangen wird oder nicht. Denn, wie schon eingangs geschrieben: Der Satz Grzimeks hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Der nächste Einsatz des BUND-Kreisverbandes ist für den 20. August geplant. Interessenten sind herzlich willkommen. Sie können sich unter bodo_schwarzberg@yahoo.de melden.
Bodo Schwarzberg

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Kompromiss für den Artenschutz

Das Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz ist innerhalb Thüringens eines der floristischen Hotspots. Die Hauptbedrohung für die Artenvielfalt geht von der Gipsindustrie aus. Zur Abwendung einer anderen Bedrohung, gab es gestern ein wichtiges Treffen…

 Er sieht aus, wie ein ganz gewöhnlicher, weißer Doldenblütler, ist aber mittlerweile eine Rarität: Der stark gefährdete Steppen-Sesel (Seseli annuum) soll in der Rüdigsdorfer Schweiz erhalten bleiben. (Foto: Bodo Schwarzberg)
Er sieht aus, wie ein ganz gewöhnlicher, weißer Doldenblütler, ist aber mittlerweile eine Rarität: Der stark gefährdete Steppen-Sesel (Seseli annuum) soll in der Rüdigsdorfer Schweiz erhalten bleiben.

Denn die meisten bedrohten Pflanzenarten des Gebietes siedeln in oftmals lückigen Trocken- und Halbtrockenrasen, die zu ihrer Erhaltung auf Beweidung oder Mahd angewiesen sind. Die Erhaltung des „Inventars“ ist in der Schutzgebietsverordnung ebenso festgeschrieben, wie in der FFH-Richtlinie der EU von 1992 mit ihrem Verschlechterungsverbot.

Das Naturschutzgebiet liegt im FFH-Gebiet Rüdigsdorfer Schweiz-Harzfelder Holz-Hasenwinkel. Dennoch gab es seit der Wende Verluste von Wuchsorten oder zumindest negative Entwicklungen bei mehreren Populationen, teils durch eine zum Teil kräftige Gehölzentwicklung infolge Nutzungsaufgabe, teils durch eine nicht optimale Landschaftspflege.

Das gestrige Treffen mit einem Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde und dem Bewirtschafter großer Teile des sensiblen Gebietes diente ganz in diesem Sinne dem Schutz verbliebener Wuchsorte bedrohter Pflanzenarten vor Fraßschäden, Tritt und weidebedingtem Nährstoffeintrag. Für einige Arten und Wuchsorte ist eine gezielte und gelegentliche extensive Mahd sinnvoller, als eine Beweidung während der besonders sensiblen Phase von Blüte und Fruchtbildung. Der möglichen Verdrängung bedrohter Arten sollte zumindest punktuell durch die Beibehaltung früherer, bewährter Bewirtschaftungsformen oder einer nur sporadischen Bewirtschaftung verhindert werden.

Ganz in diesem Sinne einigten sich die drei Vertreter von Behörde, Landwirtschaft und ehrenamtlichem Naturschutz auf eine Auskopplung von drei Wuchsorten zum Teil hochgradig bedrohter Pflanzenarten. Hierbei handelt es sich um den in Thüringen stark gefährdeten Steppen-Sesel (Seseli annuum), den ebenfalls stark gefährdeten Ährigen Blauweiderich (Veronica spicata), einen Wuchsort des sogar weltweit sehr seltenen und deutschlandweit vom Aussterben bedrohten Pilzes Zierlicher Braunsporstacheling (Sarcodon lepidus) und um ein Vorkommen u.a. der extrem nährstoffempfindlichen, vom Aussterben bedrohten Erdflechtenarten Squamarina lentigera und Buellia epigaea.

Im Gegenzug werden wir ehrenamtliche Naturschützer die meist sehr kleinen ausgekoppelten Flächen gelegentlich mähen, um eine Verbuschung oder Verfilzung zu verhindern.

Der Unteren Naturschutzbehörde sei ebenso gedankt wie dem Bewirtschafter der Rüdigsdorfer Schweiz, Meyk Forst, dessen Tiere weite Teile der Rüdigsdorfer Schweiz offenhalten und der die Auskopplungen vornimmt. Dass er den Auskopplungen zustimmen würde, ist nicht selbstverständlich. Sie sind nicht vorgeschrieben.
Bei aller berechtigter Genugtuung über das erreichte Einvernehmen bleibt also ein Wermutstropfen: Damit die Bewirtschaftung unserer Naturschutzgebiete von vornherein im Sinne einer Erfüllung von Schutzgebietsverordnungen, Biodiversitätsstrategie und FFH-Richtlinie gestaltet werden kann, müssen den zahlreichen Regelungen und Lippenbekenntnissen von Umweltministerin Siegesmund endlich auch bei uns spürbare Taten folgen. Das hieße zum Beispiel, Behörden dazu zu verpflichten, schon vor der Aufnahme einer wirtschaftlichen Nutzung den Bestand bedrohter Arten explizit zu berücksichtigen und die Bewirtschaftungsverträge punktuell an deren Ansprüchen auszurichten.

Dies könnte zum Beispiel auch durch die rechtzeitige Einbeziehung von Umweltverbänden geschehen, die sich hernach um die Pflege dieser Wuchsorte kümmern. Punktuelle Daten zu den Vorkommen bedrohter Arten wurden von uns Botanikern seit 1990 erfasst. Sie liegen bei der TLUG vor.

Eigentlich aber sollte es sich für Landwirte finanziell lohnen, zum Beispiel artenschutzbegründete punktuelle Auskopplungen oder eventuell notwendige spezielle Bewirtschaftungsweisen vorzunehmen. Damit wäre der wuchsortbezogene Artenschutz ein Teil der Bewirtschaftung! Dies müsste für Naturschutz- und FFH-Gebiete angesichts der ihnen zugrundeliegenden Regelungen eigentlich selbstverständlich sein.
Denn wie sonst wollen wir unter anderem unsere Biodiversitätsstrategien umsetzen und wie wollen wir den immer dramatischer ausfallenden Roten Listen bedrohter Arten etwas Wirksames entgegensetzen? Hier gibt es einige Widersprüche und zugleich eine ganze Reihe von Möglichkeiten: Im Sinne einer Möglichkeit wurde gestern ein hoffnungsvoller Beschluss gefasst.

Denn die zum Teil letzten Wuchsorte seltener Pflanzenarten befinden sich oft auf winzigen Splitterflächen. Mit einem verhältnismäßig kleinen Aufwand, zum Beispiel einer Auskopplung, kann ein großer Gewinn für den Naturschutz erreicht werden. Das wäre ein weiterer Schritt dazu, den Naturschutz in Naturschutzgebieten zu stärken. Die beschriebenen Widersprüche schreien doch eigentlich geradezu nach einer baldigen Lösung auf Landesebene. Fraglich nur, ob dies das grüne Umweltministerium genauso sieht.

Solange es jedoch kein Muss zur konkreten Berücksichtigung von Wuchsorten bedrohter Arten bei der Bewirtschaftungsplanung gibt, werden die Widersprüche weiter bestehen, und es wird weitere Verluste bedrohter Arten im Gebiet geben. Diesem Trend stand das gestrige Treffen „Freiwilliger“ erfreulicherweise entgegen. Es sollte beispielgebend sein.
Bodo Schwarzberg