Vortrag „Der Wolf im Südharz“

Referent: Armin Hoch, Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz

Wolf

Foto: Dieter Hoppe

Wann? Dienstag, den 27. Februar 2018, um 18:00 Uhr

Wo? Thomas-Mann-Vereinshaus Nordhausen, Wilhelm-Nebelung-Straße 39

Kaum eine Tierart polarisiert die öffentliche Meinung derart wie der Wolf. Als vermeintliche Gefahr für Menschen und Schädling für Haus- und Wildtiere ist der Wolf über einen langen Zeitraum erbittert bekämpft und schließlich ausgerottet worden.

Seit den 1990er Jahren leben Wölfe wieder in Deutschland und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich die Art auch im Harz wieder ansiedelt. Viele Naturfreunde begrüßen diese Entwicklung, während Landwirte, Jäger und andere Bevölkerungsgruppen diese Entwicklung kritisch betrachten.

Armin Hoch zeichnet in seinem Vortrag ein sachliches Bild dieser Wildhundart, berichtet über die ehemalige Verbreitung im Südharz, stellt Nachweismethoden vor und lässt auch das Thema Wölfe und Nutztiere nicht aus.

Selbstloser Einsatzwille für den Artenschutz

Auch in diesem Jahr waren die Mitglieder des BUND Nordhausen viel in der Natur unterwegs um seltene Flora und Fauna zu bewahren. Bodo Schwarzberg will sich kurz vor Weihnachten noch einmal für den selbstlosen Einsatz bedanken und fordert neue Herangehensweisen in Sachen Artenschutz…

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,ich wünsche Euch ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2018, und ich möchte Euch zugleich meinen Dank aussprechen für Euren selbstlosen Einsatzwillen in der am Artenschutz ausgerichteten Landschaftspflege. Auch 2017 habt ihr, haben wir, die erforderliche Pflegekontinuität auf den artenreichsten Flächen unserer einmaligen Landschaft fortgesetzt, und damit überregional bedeutsame Bestände von zum Teil hochgradig gefährdeten Pflanzenarten und Pflanzengesellschaften erhalten können.

Damit handelten wir im Sinne der Verordnungen, die einst zur Sicherung des Inventars unserer Naturschutzgebiete erlassen wurden und im Sinne des Verschlechterungsverbotes der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Nachgewiesenermaßen haben sich die Individuenzahlen einer ganzen Reihe bedrohter Arten auf unseren Pflegeflächen seit Beginn der regelmäßigen Einsätze im Jahre 2003, und verstärkt ab 2010, vergrößert.

Als Beispiel sei hier nur die nationale Verantwortungsart Breitblättriges Knabenkraut im NSG Rüdigsdorfer Schweiz angeführt, das nach jahrelangem Rückgang durch Nutzungsaufgabe in diesem Jahr erstmals eine Bestandserholung anzeigte. Im Umkehrschluss kann es als sicher gelten, dass unsere Landschaft ohne unsere Maßnahmen um einige Dutzend Vorkommen bedrohter Arten ärmer wäre.

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Durch kontinuierliche, von Mitgliedern und Freunden des BUND-Kreisverbandes Nordhausen durchgeführte Mahd entwickelte sich in einem kalkreichen Flachmoor im NSG Rüdigsdorfer Schweiz ein Massenbestand des gefährdeten Schmalblättrigen Wollgrases. Auch weitere bedrohte Arten, die auf Mahdund Nährsrtoffarmut angewiesen sind, siedeln in diesem extrem selten gewordenen Biotoptyp. Durch einseitige Vorhaben des Landschaftspflegeverbandes jedoch ist diese positive Entwicklung gefährdet. (Aufnahme 2015)

Dies gilt umso mehr, als die öffentlich angestrengten Vorhaben fast ausschließlich flächen- und nicht wuchsortbezogen, das heißt auch zeitlich begrenzt sind. Damit aber finden die oft isolierten Trocken- und Halbtrockenrasen oder auch besonders seltene kalkreiche Flachmoore bzw. die Ansprüche der dort siedelnden gefährdeten Pflanzenarten zu wenig Berücksichtigung.

In Zeiten der von Wissenschaftlern erkannten so genannten 6. Aussterbewelle sind jedoch neue Herangehensweisen notwendig, denen wir uns verpflichtet fühlen. Leider zeigt das lavierende, oft nur linear statt komplex ausgerichtete Verhalten der Politik und auch der verantwortlichen Behörden nicht immer, dass es hier die so notwendigen grundlegenden Veränderungen im Entscheiden und im Handeln gibt.

Nicht immer erfahren wir aktive Ehrenamtler bei unseren Artenschutzprojekten die Unterstützung, die notwendig wäre, um den Verlust von Beständen bedrohter Arten in unseren Naturschutzgebieten zu verhindern. Leider gibt es hierzu mittlerweile konkreter Beispiele. Auf Grund der verbreiteten Unfähigkeit der Politik, das Arten- und Wuchsortsterben zu begrenzen, müsste eigentlich jede sich bietende Chance genutzt werden, um den Verlust von Wuchsorten zu verhindern, sind eventuell hierfür auch Schwierigkeiten zu überwinden.

Daran werden wir die Verantwortlichen leider weiterhin erinnern müssen. Allzu oft scheinen wir uns gegenüber den Behörden noch dafür rechtfertigen müssen, dass wir eigentlich im Sinne von politischen Beschlüssen und Strategien agieren.

Es wird dabei vernachlässigt, dass unsere Region in den vergangenen 60 Jahren bereits zahlreiche Vorkommen bemerkenswerter Arten verloren hat und dass es daher umso wichtiger ist, das relativ Wenige das noch vorhanden ist, nicht durch fehlende oder einseitige Entscheidungen auch noch zusätzlich zu gefährden.

Für das kommende Jahr werden gegenwärtig die vertraglichen Grundlagen für die Fortsetzung unserer Pflegeaufgaben gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser e.V. vorbereitet.

Ich würde mich freuen, wenn unsere so wichtigen Einsätze von Euch auch weiterhin so aktiv unterstützt werden, wie in den vergangenen Jahren. Ihr habt wunderbare und zukunftsweisende Arbeit geleistet.
Bodo Schwarzberg; 22.12.2017

Halbtrockenrasen im Harzfelder Holz

Kurzfristig anberaumt, aber trotzdem erfolgreich: Zwei Mitstreiter des BUND-Kreisverbandes Nordhausen haben am vergangenen Sonnabend im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz gemäht und entbuscht. Wie so oft, ging es um die Erhaltung eines Stücks historischer, artenreicher Kulturlandschaft…

Dieses Ziel wird in den Schutzgebietsverordnungen ebenso gefordert, wie in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Trotz hervorragender Regelwerke klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit auf diesem Gebiet seit der Wende eine besonders deutlich Lücke, die schon großen Flächen früheren Extensivgrünlandes nicht nur im Landkreis Nordhausen die Existenz gekostet hat.

 Zwar gibt es mittlerweile durch die Neugründung von Landschaftspflegeverbänden bzw. durch die Planung diverser Projekte eine gewisse Hoffnung, dass der Abwärtsstrudel beim Verlust bedrohter Pflanzengesellschaften gestoppt wird. Bisher aber scheint mir die so dringend notwendige Kontinuität der Pflege bedeutsamer Flächen mit, das ist ganz wichtig, geeigneten Pflegemethoden, im Raum Nordhausen noch nicht dort zu sein, wo sie hingehört.

Auch ist die Zahl wenigstens zeitweise extensiv und geeignet bewirtschafteter Flächen nach wie vor zu gering. Dabei haben wir keinerlei Zeit mehr fürs Warten auf bessere Zeiten. Das gilt im Umweltbereich lokal wie global, wie uns gerade die Bonner Weltklimakonferenz vor Augen führt.

Um ein weiteres, regionales und überregionales Problem wird sich ebenso kaum Gedanken gemacht: Durch die seit bald 30 Jahren nur noch rudimentär praktizierte Hütehaltung von Schafen und die Verluste vieler Wuchsorte, sind immer mehr Populationen bedrohter Arten isoliert und haben keine Möglichkeit, ihren Genotyp fit zu halten, was umso mehr gilt, wenn die Populationen wie so oft, nur noch klein sind. Die damit langfristig heraufbeschworene Generosion sollte viel mehr bei künftigen Planungen Berücksichtigung finden. Zudem kommt es darauf an, kleine Populationen so schnell wie möglich zu vergrößern. Mit einfacher Pflege wird es schon bald nicht mehr getan sein, weswegen ex-situ-Erhaltungsmaßnahmen in Erhaltungsgärten weiter an Bedeutung gewinnen.

In diesem Sinne ist einzig die Entwicklung bedrohter Arten, beobachtet durch ein langfristiges Monitoring, ein eindeutiger Marker für den Erfolg der über staatlich finanzierte Projekte erzeugten Maßnahmen und natürlich auch der ehrenamtlichen. Daran werden sich alle künftigen Projekte messen lassen müssen.

Ohne konkrete, wuchsortbezogene Pflege wird man wahrscheinlich auch künftig nicht immer auskommen. So muss der BUND-Kreisverband ehrenamtlich-kostenlos auf bereits geförderten aber ungeeignet bewirtschafteten Projektflächen nachmähen, um dort befindliche Wuchsorte bedrohte Arten nicht zu verlieren. Oder die Untere Naturschutzbehörde darum bitten, bedrohte Vorkommen aus einer ungünstigen Bewirtschaftung zu nehmen. Andere Projekte, wie das sehr erfolgreiche Referenzprojekt Artenschutz enden nach ein oder zwei Jahren und werden nicht verlängert. Sollen die dafür aufgewendeten Steuergelder nicht in den Sand gesetzt sein, muss ehrenamtlich, d.h. ohne Geld oder mit einer geringen Aufwandsentschädigung weitergepflegt werden.

Aber auch hier gibt es vielleicht einen Hoffnungsschimmer durch neue, langfristigere, vielleicht zukunftsfähige Projekte. Wir vom BUND-Kreisverband werden wertvolle, artenreiche Flächen auch künftig artgerecht pflegen, sollte es auch in Zukunft keine bessere, effektivere Lösung geben. Die Betonung liegt hier auf effektiver: Auch eine Schafbeweidung kann potenziell zum Artenverlust führen, wenn sie zu extensiv betrieben wird. Rinderbeweidung einst extensiv genutzter Flächen führt, das ist hinreichend belegt, zu Artenverlusten in unseren Naturschutzgebieten.

Im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz mähen Mitglieder des BUND-Kreisverbandes mittlerweile relativ große Flächen. Am vergangenen Sonnabend geschah dies, um insbesondere Halbtrockenrasen der Aufrechten Trespe und der Fieder-Zwenke zu erhalten und ebenso die darin vorkommenden Pflanzenarten: Zu ihnen zählen mehrere Orchideenarten sowie der kleine urtümliche Farn Mondraute (Botrychium lunaria), der auf sehr magere, lückige Verhältnisse angewiesen ist. Das Schnittgut aus Entbuschung und Mahd wird vor allem als benjesartige Hecke gelagert, die dann nicht nur als Abgrenzung und Schutz zum benachbarten stark gedüngtem Grünland dient, sondern auch als Aufenthalts-, Brut- bzw. Überwinterungsort für Vögel, Kleinsäuger oder Reptilien.

Erwähnenswert ist, dass die am Sonnabend von uns bearbeitete Fläche seit vielen Jahren keiner Bewirtschaftung mehr unterlag und dadurch bereits Flächenverluste für die Halbtrockenrasen zu beklagen sind. Diese traten aber offenbar auch durch stellenweise Aufforstung mit Kiefer ein.

Glück hatten wir mit dem Wetter. So konnten wir von 11 bis 17 Uhr alle für diesen Tag geplanten Arbeiten durchführen. Künftig sind weitere Entbuschungen im NSG vorgesehen, um die von uns betreute Gesamtfläche möglichst in ihren ursprünglichen, historischen Zustand zurück zu versetzen und ein weiteres, herausragendes Refugium der Biodiversität in unserem Südharzer Zechsteinrand zu erhalten und zu fördern. Besonderer Dank gilt Rainer Peix aus Ilfeld für seine aktive, unverzichtbare Mitwirkung.
Bodo Schwarzberg, BUND-Kreisverband Nordhausen; 05.11.2017

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Mähen und nette Jäger

Rechtzeitig vor dem einsetzenden Schneefall haben Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen am Sonnabend einen für den botanischen Artenschutz besonders bedeutsamen Halbtrockenrasen im neuen NSG Hundegrube-Katzenschwanz gemäht…

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 Das in Thüringen stark gefährdete Katzenpfötchen (Antennaria dioica) galt einst als verbreitet, hat bis heute aber mehr als zwei Drittel seiner einstigen Wuchsorte im Freisstaat verloren. Der Südharzer Gipskarst gehört zu den wenigen verbliebenen Häufungszentren der Art, wobei sie auch hier unter fehlender oder diskontinuierlicher sowie nicht artenschutzgerechter Bewirtschaftung leidet und auch durch den Gipsabbau (insbesondere am Kohnstein) zurückgegangen ist. Vom BUND-Kreisverband werden mehrere Flächen ehrenamtlich gepflegt, in denen die Art noch über Wuchsorte verfügt (Aufnahme vom 24.05.2010 bei Steigerthal).

Da nach 1989 eine ganze Reihe von Flächen nicht mehr mit Schafen beweidet wurde, setzte verbreitet Verbuschung ein. Dadurch verschwanden die besonders artenreichen und farbenfrohen, auf eine regelmäßige, extensive Nutzung angewiesenen Pflanzengesellschaften.

Gelingt es, zunächst wenigstens kleine Ausschnitte der früher ausgedehnten Halbtrockenrasen traditionell mit Schafen (Hütehaltung) oder per ein- bis zweimaliger Mahd pro Jahr zu bewirtschaften, so können diese bei der anzustrebenden späteren Renaissance einer verbreiteten artenschutzgerechten Nutzung gewissermaßen als Reservoir bedrohter Arten dienen. Dies streben wir in mehreren Naturschutzgebieten mit suboptimaler Bewirtschaftung an oder wir praktizieren dies bereits in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und/oder dem Landschaftspflegeverband.

Auf der am Sonnabend gemähten Fläche gilt das zum Beispiel für das Katzenpfötchen Antennaria dioica (Foto), das äußerst magere und dazu noch dauerhaft kurzrasige Standortverhältnisse benötigt.

Zeitgleich mit unserem Einsatz fand in der Nähe eine Jagd statt. Es gab ein ausgesprochen nettes Gespräch mit einem Jäger, dessen Ergebnis man in etwa als „gleichberechtigtes Nebeneinander von Jagd und Landschaftspflegeeinsatz“ benennen könnte. Zugleich wurde deutlich, wie viele unterschiedliche Interessen in einem dichtbesiedelten Land wie Deutschland auf so manchen Flächen bestehen. – Aber auch, dass es oft einen Ausgleich geben kann.

Im Übrigen waren alle Begegnungen mit Jägern im Zuge der Landschaftspflege auch in den vergangenen Jahren keinesfalls von Konfrontation, sondern eher von gegenseitigem Informationsaustausch geprägt. Da Jäger gewissermaßen über Insiderwissen zu mancher heimischen Tierart im Gebiet verfügen, haben die Gespräche mit ihnen oft den Charakter einer kleinen Weiterbildungsveranstaltung.

Von der Jagd selbst bekamen wir, bis auf den Besuch eines Jagdhundes, eigentlich wenig mit. Der uns sehr zugewandte Hund interessierte sich dermaßen für unser Equipment, dass wir schließlich unsere Rucksäcke und Kleidungsstücke an einen Baum hängen mussten. Aus dem versprochenen Gehacktesbrötchen für ihn wurde aber schließlich doch nichts. Wir riefen die auf seinem Halsband aufgedruckte Handynummer und damit sein Herrchen an und irgendwann war er zu ihm zurückgekehrt.
Bodo Schwarzberg; 03.12.2017

Jugendliche erhalten die Artenvielfalt

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Das ist ein Ziel des BUND-Kreisverbandes Nordhausen, das mit den in den Verordnungen unserer Naturschutzgebiete enthaltenen, von staatlicher Seite oft vernachlässigten Zielstellungen zusammenfällt…

Nachweislich war es seit der Wende vielfach durch ehrenamtliches Engagement möglich, bedeutende Wuchsorte bzw. Vorkommen bedrohter Pflanzenarten zu erhalten, an die meist auch zahlreiche Tierarten gebunden sind.

Beim 60. landschaftspflegerischen Einsatz des BUND-Kreisverbandes Nordhausen seit 2010 stand die Mahd eines Flachmoors im Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz im Mittelpunkt. Gerade, weil dieses Naturschutzgebiet in erster Linie durch seine auf Trockenheit spezialisierten Wiesen und Wälder bekannt ist, stellt die Erhaltung dieses exklusiven Feuchtgebietes eine wesentliche Schutzaufgabe dar. Auf Grund der Seltenheit derartiger, teils noch nährstoffarmer Feuchtbiotope im Gipskarst sind diese auch mit besonders großer Dringlichkeit zu erhalten.

Acht Enthusiasten fanden sich am vergangenen Sonnabendvormittag ein, um diese alljährlich anstehende Aufgabe zu erfüllen. Besonders erfreulich war die Teilnahme von drei Jugendlichen. Artenschutz und hier vor allem der ehrenamtliche aktive Artenschutz draußen in den Schutzgebieten, das ist eine generationenübergreifende Aufgabe, was umso mehr gilt, als die Politik nicht in der Lage und nicht wirklich gewillt ist, den Artenrückgang zu stoppen. Die Zukunft des Ehrenamtes im aktiven Natur- und Artenschutz ist wahrscheinlich eher sicherzustellen, als die so dringend notwendige Kontinuität der Politik bei der Erhaltung unser aller Lebensgrundlagen in unserer gegenwärtigen Gesellschaft.

Zunächst gab es eine Einführung in die Bedeutung des Flachmoors für das Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz. Meist wurden solche Flächen in früheren Jahren entwässert und umgebrochen, um sie landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Nur wenn dies nicht gelang, blieben sie, meist eingezwängt in intensiv genutztes Grünland oder Ackerland, erhalten. Sie fielen dann aber oft brach. Genauso erging es offenbar unserer Einsatzfläche.

Das kleine Flachmoor wird von Hangquellen gespeist, deren permanente Wasserschüttung die intensive landwirtschaftliche Nutzung wahrscheinlich verhinderte. Dadurch konnte eine überdurchschnittlich große Artenvielfalt vor der Vernichtung bewahrt werden. So siedelt dort zum Beispiel das in Thüringen stark gefährdete Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis). Diese einst häufigste Feuchtwiesenorchidee Mitteleuropas ist zumindest im Flach- und Hügelland zur Rarität geworden. Da Deutschland im Zentrum des relativ kleinen Areals liegt, ist auch dessen Verantwortlichkeit für die weltweite Erhaltung dieser Orchideenart groß. Durch die seit 2013 wieder regelmäßig durchgeführte einschürige Mahd (2013 bis 2015 im Zuge des Referenzprojekts Artenschutz mit dem LPV Südharz-Kyffhäuser e.V.) konnte 2017 erstmals wieder eine Zunahme des Bestandes registriert werden.

In besagtem Flachmoor befindet sich zudem ein Massenbestand des gefährdeten Schmalblättrigen Wollgrases (Eriophorum angustifolium), das erst jüngst wieder entdeckt wurde, und sich durch die artgerechte Bewirtschaftung innerhalb weniger Jahre wieder etablierte. Im April und Mai bietet die kleine Wiese einen schon von weitem auffallenden Anblick: durch die weiße „Watte“ der tausenden Wollgrashalme, das Gelb der Sumpf-Dotterblumen, durch das Rot der Orchideen und die Farben vieler anderen Gräser und Kräuter. Rund 50 Gefäßpflanzenarten konnten auf der nur wenige hundert Quadratmeter messenden Wese nachgewiesen werden. Sie ist eine Säule der Biodiversität in der ansonsten überwiegend trockenen Rüdigsdorfer Schweiz.

Eine floristische Kostbarkeit ist auch das unscheinbare Sauergras Carex lepidocarpa (Schuppenfrüchtige Gelbsegge), das erst 2015 für das Gebiet entdeckt wurde und als Zeiger kalkreicher, magerer Flachmoore bezeichnet werden kann. Für die globale Erhaltung der Art ist Deutschland auch „hoch verantwortlich“.

Jede publizierte Art und jeder Beitrag über die Artenvielfalt unseres Landkreises ist eine Maßnahme gegen den Gipsabbau und gegen andere wirtschaftliche Zerstörungen. Denn nur eine informierte, sensibilisierte Öffentlichkeit und Politik können wirksam sein.

Mit zwei Freischneidern und fünf Harken rückten die acht Enthusiasten der Biomasse zuleibe. Damit imitierten wir frühere Nutzungsformen; in manchen Gebieten nutzten die Bauern das Mähgut nasser Wiesen als Einstreu für ihre Ställe.

Ein herzlicher Dank geht an alle Teilnehmer, die nicht nur einen wunderbaren Einsatz im goldenen Herbst, sondern auch ein gemütliches Beisammensein mit Picknick genießen konnten. Die drei jugendlichen Teilnehmer versprachen übrigens, wiederzukommen.
Bodo Schwarzberg; 18.10.2017

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Tödliche Schönheit: Die Herbst-Zeitlose blüht

Die Krokuswiesen im sächsischen Drebach sind berühmt und alljährlich im März ein Touristenmagnet. Im Südharz gibt es Ähnliches, allerdings im Oktober und mit einer anderen Art, der Herbst-Zeitlosen…

Tödliche Schönheit (Foto: Bodo Schwarzberg)
Auf einigen der wenigen noch gemähten Bergwiesen im Landkreis Nordhausen kommen alljährlich oft hunderte, wenn nicht tausende Pflanzen dieses Liliengewächses zur Blüte. Ihr leuchtendes Violett ist zu dieser Jahreszeit meist der einzige Farbtupfer im verblassenden, sommerlichen Grün der Wiesen. Das hier angefügte Foto entstand gestern im Raum Ilfeld.

Die Pflanze mit dem poetischen Namen Herbst-Zeitlose fällt aber nicht nur durch ihre späte Blütezeit bis Oktober und ihre enorme Giftigkeit aus dem Rahmen. Auch die Tatsache, dass sich die Blüte vor den schmalen, leicht rinnigen Blättern aus dem Boden schiebt und die im laufenden Jahr frisch in der sehr tief liegenden Knolle gespeicherten Nährstoffe anzapft, ist eine Besonderheit.

Gegenwärtig sucht man also vergeblich nach den Blättern. Diese entwickeln sich erst im Frühjahr und sind dann ob ihrer Gestalt und Länge meist gut zu sehen. Auch die Fruchtbildung vollzieht sich ungewöhnlicherweise zwischen dem Herbst und der neuen Vegetationsperiode geschützt vor Schnee und Frost im Verborgenen. Erst im April oder Mai erscheint die dreiteilige Kapsel in der Mitte der sich entwickelnden Blattrosette an der Oberfläche.

Die schwarzen, kugeligen Samen enthalten, wie auch die anderen Pflanzenteile eines der stärksten heimischen Gifte, das Colchizin. Der Verzehr der Herbst-Zeitlosen endet schnell tödlich, die Hälfte einer Versuchstiergruppe aus Mäusen verendet bereits bei 5,89 mg Gift pro kg Körpergewicht bei peroraler Verabreichung. Das von uns Menschen subjektiv gefällte Urteil „schön“ ist in der Natur nicht selten mit dem objektiv gültigen Urteil „giftig“ verbunden.

Tödliche Schönheit (Foto: Bodo Schwarzberg)
Bisher erwies sich Colchizin als zu giftig für den Einsatz in manchen medizinischen Bereichen. Verwendung findet es aber in der Gichttherapie und in der Forschung: Grundlegende Mechanismen bei der Zellteilung werden durch Colchizin verändert (Mitose). Auch Weidetiere sind nicht immun gegen das Colchizin. Allerdings können sich Schafe und Ziegen allmählich an das Gift gewöhnen und vertragen höhere Dosen.

Vorsicht ist Bärlauchsammlern angeraten: Ab und an verwechseln sie das beliebte Lauchgewächs mit den Blättern der Herbst-Zeitlose – mit uunter Umständen fatalen Folgen. Jedoch sind die glatten Bärlauch-Blätter im Gegensatz zu den leicht längsfaltigen Blättern der Herbst-Zeitlosen gestielt – und sie verströmen den unverkennbaren knoblauchartigen Geruch. Außerdem ist die Herbst-Zeitlose eine Pflanze nährstoffreicher, frischer Wiesen, der Bärlauch (Allium ursinum) hingegen kommt vor allem in feuchten Laubwäldern vor. An Waldrändern sind aber gemeinsame Vorkommen nicht immer auszuschließen.

Noch bis in den Oktober hinein können wir den Anblick der blühenden Herbst-Zeitlosen genießen, und das am besten bei Sonnenschein: Bei bedecktem Himmel oder Regen sowie am Abend schließt dieser hübsche „Krokus“ des Herbstes seine Blüten.

Bodo Schwarzberg; 02.10.2017