Unwiederbringlich: Vernichtet am Kohnstein (1)

In mehreren Teilen werden bemerkenswerte Pflanzenarten aufgeführt, die einst am Kohnstein siedelten. Die Zahl der Arten, von denen Wuchsorte durch Gipsabbau vernichtet werden und wurden, macht sprachlos. Eine Beitragsreihe von Bodo Schwarzberg…
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Im Jahre 1905 umspülte die Zorge fast den Nordostfuß des Kohnsteins. Heute liegen zwischen beiden mehrere hundert Meter. Der auf der Postkarte sichtbare Teil des Kohnsteins wurde zu Schwefelsäure und Gipskartonplatten verarbeitet. Diese können nicht „renaturiert“ werden.Hier im Gebiet des Südharzer Zechsteinrandes leistet die Wirtschaft einen rigorosen Beitrag zur Verlängerung der Roten Listen. Gerade schickt sich die Gipsindustrie an, Vorschläge für die so genannte Renaturierung des Steinbruches am Kohnstein zu unterbreiten und präsentiert sich selbst als möglichen Vollstrecker. Dies der Bevölkerung als Wohltat zu verkaufen, verbietet sich aber. Denn die Beseitigung von durch den Bergbau angerichteten Schäden durch die Verursacher dürfte zum einen selbstverständlich sein.

Der Industrie muss das Wasser schon kurz unter den Ohrmuscheln stehen, wenn sich mehrere, letztlich konkurrierende Firmen genötigt sehen, gemeinsam ein derartiges Projekt zu verfolgen. Eine wirkliche Beseitigung der Schäden ist aber genau betrachtet gar nicht möglich. Dem Luftbild nach, dürfte dem Kohnstein gut ein Drittel seiner bisherigen Masse entrissen worden sein. Postkarten aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zeigen die Zorge tatsächlich am Fuße des Kohnsteins fließend. Heute liegen die oberen Ränder des Steinbruches mehrere hundert Meter westlich des Flusses!

Hier wurde Landschaft, wie auch im Raum Ellrich und im Alten Stolberg, im wahrsten Wortsinne vernichtet.
Das Wort „Renaturierung“ würde wörtlich übersetzt bedeuten, die ursprünglich dort gegebenen natürlichen Verhältnisse quasi 1:1 zurückzubringen. Niemand aber kann den abgebauten Kohnsteinteil zurückbringen und damit auch nicht die dort einst herrschende, ursprüngliche Vielfalt an Biotoptypen, Pflanzen- sowie Tiergemeinschaften.

Die früher dort u.a. siedelnden Blaugrasrasen beispielsweise könnten wenigstens zum Teil natürlichen Ursprunges gewesen sein, das heißt, eine Bewaldung fand auf Grund der Steilheit des Geländes, wie wahrscheinlich an Teilen des Mühlbergs in Niedersachswerfen, wenigstens stellenweise nicht statt. Wird die ursprüngliche Vegetation aber entfernt, dann kann es dort niemals wieder eine ursprüngliche Vegetation geben. Diese ist einmalig und unersetzlich.

Das Vorhaben, eine denaturierte Fläche „renaturieren“ zu wollen, kann also nur als Firlefanz bezeichnet werden. Es geht der Industrie einzig und allein darum, die in der Bevölkerung und in der Politik herrschende Antigipsabbaustimmung zu ihren Gunsten zu drehen.
Der am Kohnstein angerichtete Schaden ist aber zum anderen nicht wieder gut zumachen. Die besonderen Ausbildungsformen der Blaugrasrasen im Gebiet werden von verschiedenen Autoren als endemisch für Europa bezeichnet, sie gelten hier im Zechsteingebiet als einzige außerhalb der Alpen siedelnde („dealpine“) Reliktrasen (nach MEUSEL 1939).

Der Schaden ist auch deshalb nicht wieder gut zumachen, weil der Kohnsteinsteinbruch und all die anderen Steinbrüche eine Vielzahl heute bedrohter und teils gesetzlich geschützter Pflanzenarten vernichteten und vernichten. Diese haben sich überwiegend im Zuge der nacheiszeitlichen Entwicklung und durch eine extensive, d.h. naturschonende menschliche Wirtschaftsweise über Jahrtausende angesiedelt. Diese Arten sind z.T. hochsensibel, d.h. sie benötigen ein ganz bestimmtes Zusammenspiel unterschiedlicher Standortaktoren, die für so viele vernichtete Arten nicht künstlich geschaffen werden können.

Lassen Sie sich von der Industrie nicht einreden, sie könne alles wieder gut machen, neue Steinbrüche seien doch gar nicht so schlimm. Schauen Sie in die Welt hinaus: Die Wirtschaft hat den Planeten ökologisch an den Rand des Abgrunds designt. Der Mensch und seine Umwelt interessieren sie nur insofern, dass sie ihren Kapitalinteressen dienlich sind. Selbiges kann man am Verhalten der Gipsunternehmen gerade ausgiebig studieren. Eine Einheit von Ökonomie und Ökologie gibt es nicht, die Wirtschaft beweist dies tagtäglich. Nicht nur mit dem Abgasskandal. Lassen wir uns also nicht wie unwissende Eingeborene in den tropischen Regenwäldern Südamerikas über den Tisch ziehen.

In mehreren Teilen werde ich eine Liste von Arten präsentieren, die einst am Kohnstein siedelten, meist seit langem aber hier nicht mehr vorkommen. Als Literaturquelle dient die „Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend“ von 1886, geschrieben von den Botanikern A. VOCKE und C. ANGELRODT. Die von mir aus der Literaturquelle zusammengestellten Arten bevorzugen überwiegend Bedingungen, wie sie einst am verwerteten Ost- bzw. Nordostrand des Berges herrschten. Bei einigen Arten schreiben die Autoren auch konkret vom Ostrand des Kohnsteins als ehemaligen Wuchsort. Die Angaben hinter dem deutschen Namen beziehen sich auf die aktuell gültige Thüringer bzw. auf die deutsche Liste gefährdeter Gefäßpflanzenarten (RL 2=stark gefährdet, RL 3=gefährdet, ein „§“ kennzeichnet den Schutz nach Bundesnaturschutzgesetz).

Neben den genannten Botanikern VOCKE und ANGELRODT kann unter anderen auch der ehemalige hallesche Botanik-Professor Hermann MEUSEL (1909-1997) als wichtiger, wissenschaftlicher Zeitzeuge der Vernichtung benannt werden: Die damaligen Vegetationsverhältnisse u.a. am Kohnstein beschreibt er im Jahre 1939 ausführlich in seiner grundlegenden Arbeit „Die Vegetationsverhältnisse der Gipsberge am Kyffhäuser und im südlichen Harzvorland“.

MEUSEL setzte sich, wie auch der frühere, mit dem Bundesverdienstkreuz geehrte ehemalige Nordhäuser Kreisnaturschutzbeauftragte, das Kreistagsmitglied Dr. Walter ELMER (1913-2008), massiv für die Erhaltung unserer artenreichen Landschaft ein. MEUSEL schrieb 1939: „An der steilen Nordostwand dieses Berges müssen einst ausgedehnte Grasheiden vorgekommen sein. Heute ist fast alles durch Steinbruchbetrieb zerstört. Aber selbst die wenigen Reste bei der Schnabelsburg weisen noch eine sehr reiche Vegetation auf.“

MEUSEL dürfte sich kaum vorgestellt haben können, wie sich das Abbaugeschehen nach dem Zweiten Weltkrieg und bis heute entwickeln würde. Die Rasengesellschaften und wärmeliebenden Gebüsche, die er noch sah und beschrieb, wurden mit dem Gestein weggesprengt.

Folgende, bedrohte oder geschützte Pflanzenarten wurden, gemäß VOCKE & ANGELRODT (1886) und teils auch nach MEUSEL (1939) einst am Kohnstein nachgewiesen, die meisten in Pflanzengesellschaften, die vom abgebauten Teil des Berges beschrieben wurden (Teil 1).:

  • Pulsatilla vulgaris (Gewöhnliche Kuhschelle) RL 3/3/&
  • Anemone sylvestris (Großes Windröschen) RL -/3/§
  • Aconitum lycoctonum (Gelber Eisenhut) RL-/-/§
  • Arabis sagittata (Pfeilblättrige Gänsekresse) – Wiederfund weniger fruchtender Pflanzen durch den Autor am oberen Steinbruchrand 2015 RL 2/-
  • Biscutella laevigata ssp. tenuifolia (Schmalblättriges Brillenschötchen), die Sippe kommt heute weltweit nur noch an einer Stelle im Südharzer Zechsteingebiet vor. Der Endemismus der Unterart (bzw. ihre genetische Identität) ist jedoch nicht zweifelsfrei bewiesen. In jedem Fall aber gehört das Brillenschötchen zu den besonders schwerwiegenden Verlusten des Kohnstein-Steinbruchs. RL 2/2/§
  • Fumana procumbens (Nadelröschen) RL 2/3
  • Parnassia palustris (Sumpf-Herzblatt) RL 2/3
  • Viola collina (Hügel-Veilchen) RL 2/2
  • Dianthus armeria (Rauhe Nelke) RL 2/-
  • Genista germanica (Deutscher Ginster) 3/-

Teil 2 folgt
Bodo Schwarzberg

Quellen:
KORNECK, D, SCHNITTLER, M. & VOLLMER, I. (1996): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Deutschlands. – Schriftenreihe Vegetationsk. 28: 21-187.
Korsch, H., W. Westhus, K. HORN & W. JANSEN (2011): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Thüringens. – Naturschutzreport 26: 365-390.
MEUSEL, H. (1939): Die Vegetationsverhältnisse der Gipsberge im Kyffhäuser und im
südlichen Harzvorland. – Hercynia 2: 1-372
VOCKE, A. & ANGELRODT, C. (1886): Flora von Nordhausen und der weiteren Umgebung. Berlin.

Rettung bodensaurer „Trockenrasen“ BUND-Einsatz Artenschutz

Mit einem Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde auf zunächst einen Pflegeeinsatz im Mai möchte der BUND-Kreisverband Nordhausen ein neues Kapitel in der Erhaltung unserer an unterschiedlichsten Biotoptypen sehr reichhaltigen Landschaft aufschlagen. Bodo Schwarzberg erläutert es…
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Foto: Bodo Schwarzberg

Das Hunds-Veilchen (Viola canina) gehört zu den typischen Vertretern der Flora bodensaurer „Trockenrasen“

Denn bodensaure „Trockenrasen“ sind noch stärker gefährdet, als die bei uns verbreiteteren basiphilen Trocken- und Halbtrockenrasen über Gips. In der jüngsten Ausgabe des Naturschutzreports (Heft 28/2015-Herausgeber: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie) wird der erstgenannte Biotoptyp als „von vollständiger Vernichtung bedroht“ bezeichnet. Zugleich weist eine Karte den Landkreis Nordhausen als einen Schwerpunktkreis für bodensaure „Trockenrasen“ im Freistaat aus.

Die Publikation ist für den BUND-Kreisverband Anlass genug, sich diesem fast vergessenen, etwas artenärmeren Biotoptyp zu widmen. Der vollständige Verlust soll im Landkreis Nordhausen durch Mahd und Entbuschung sowie in engem Kontakt zur UNB verhindert werden.

Reste trockener, bodensaurer Rasengesellschaften siedeln im Gebiet vor allem über Bundsandstein nördlich der Gipshügeln und südlich der Bruchscholle des Harzes, z.B. im Raum Neustadt. Typische Pflanzenarten sind u.a. das Hunds-Veilchen (Viola canina), die Pillensegge (Carex pilulifera), der Frühlings-Ehrenpreis (Veronica verna) und das Heidekraut (Calluna vulgaris).

Bodensaure atlantische Heidekrautheiden gehören im Landkreis ebenso zu den akut bedrohten Biotoptypen. Sie bilden sich mitunter auch über Gips aus, aus dem der Kalkanteil weitestgehend ausgewaschen worden ist. Auch auf die wenigen noch erhaltenen Flächen dieser Formationen ist der Fokus sehr dringend zu legen. Es gab im Landkreis bereits große Verluste, so zum Beispiel am Eichenberg im Raum Windlücke. Reste dieser auch optisch sehr ansprechenden Pflanzengemeinschaften sind z.B. noch am Buchholzer Berg und auf dem BUND-eigenen Grundstück zwischen den NSG Himmelsberg und Mühlberg vorhanden, auch im Gebiet um Klettenberg.

Zur Erhaltung der bodensauren „Trockenrasen“ möchte der BUND-Kreisverband seinen aktiven ehrenamtlichen Beitrag leisten und auch die Öffentlichkeit sensibilisieren. Wir werden über unsere Arbeiten in der nnz berichten. Interessenten können sich gern unter bodo_schwarzberg@yahoo.de melden.
Bodo Schwarzberg

aktuelle Termine:

Was:

Jahreshauptversammlung des Kreisverbandes Nordhausen

Wann:

Dienstag, den 19.04.2016 um 18 Uhr

Wo:

Vereinshaus „Thomas Mann“
Wilhelm-Nebelung-Straße 39
99734 Nordhausen

Mobilmachung gegen TTIP & Co.

Der BUND Thüringen macht gemeinsam mit einem breiten Bündnis aus Umwelt- und Entwicklungsverbänden gegen die geplanten Freihandelsabkommen TTIP und CETA mobil und organisiert eine Busfahrt zur deutschlandweiten Demonstration unter dem Motto „Obama und Merkel kommen: TTIP & CETA stoppen! Für einen gerechten Welthandel!“ am 23. April in Hannover…
Unmittelbar vor der offiziellen Eröffnung der „Hannover Messe 2016“ durch Kanzlerin Merkel und US-Präsident Obama soll an diesem Tag ein deutliches Zeichen gegen die Abkommen gesetzt und vor ihren Gefahren gewarnt werden.

Mit der Protestaktion beziehen die Verbände auch Position gegen die in diesem Jahr zu diskutierende Ratifizierung des CETA-Abkommens mit Kanada durch den EU-Rat und das EU-Parlament.
„Die geplanten Freihandels- und Investitionsabkommen bringen weder Arbeitsplätze noch allgemeinen Wohlstand für viele, wie oft gepriesen, sondern mehr Gewinn für wenige zu Lasten von Natur, Umwelt und Gesundheit“, so Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen.

„Die Abkommen sorgen dafür, dass Zölle und unterschiedliche rechtliche Standards für Produkte abgebaut werden. Während die Verhandlungen auf der einen Seite unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlaufen, findet auf der anderen Seite eine undurchsichtige Beteiligung von Wirtschaftslobbyisten statt“, berichtet Vogel. TTIP und CETA hätten nicht nur die Senkung von Umwelt- und Verbraucherschutzstandards zur Folge, sondern auch die Untergrabung von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.

Vor diesem Hintergrund ruft der BUND Thüringen alle Interessierten dazu auf, das breite Gegnerbündnis zum Freihandelsabkommen in Hannover zu unterstützen. Mit einem eigens organisierten Bus für 46 Personen wird sich der Verband auf den Weg machen, um in Niedersachsens Landeshauptstadt gegen Gentechnik und Hormon-Fleisch, gegen Intransparenz und Entdemokratisierung zu demonstrieren. Der Preis pro Person beträgt für Mitglieder des BUND 18 EUR und für Nichtmitglieder 20 EUR für Hin- und Rückfahrt.

Das Platzangebot ist begrenzt, zu einer schnellen Reservierung wird daher geraten. Informationen und Reservierung beim BUND Thüringen, telefonisch unter 0361-55503-10 oder per Mail: Philip.Schuchert@bund.net

Erhaltung des Breitblättrigen Wollgrases

Vor wenigen Wochen berichtete die nnz über den letzten Wuchsort des in Thüringen stark gefährdeten Breitblättrigen Wollgrases (Eriophorum latifolium) im Landkreis Nordhausen und über vorgesehene Erhaltungsmaßnahmen: Die zuständigen Behörden haben schnell und positiv reagiert…

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Foto: Bodo Schwarzberg

Blick auf einen Teil des Kalkquellmoores mit Breitblättrigem Wollgras. Durch die schonende Entfernung von Gehölzen leistet der Forst einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.

Noch im Februar gab es einen Vororttermin am Wuchsort der Art im südlichen Teil des Landkreises. Teilnehmer waren ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, ein Vertreter des Eigentümers der entsprechenden Fläche und der Antragsteller. Hervorzuheben ist auch die schnelle Reaktion der zuständigen Forstbehörde des Landkreises (Forstamt Bleicherode), die wesentlich zum Zustandekommen des Termins beigetragen hat. Der Wuchsort des Breitblättrigen Wollgrases befindet sich in einem kleinen Kalkquellmoor, das inmitten eines naturnahen Waldgebietes liegt.

Vereinbart wurde, vorbehaltlich einer Genehmigung des Eigentümers, die Entfernung von jungen Bäumen, die sich während der vergangenen Jahre in und am Kalkquellmoor wohl auf Grund von Nutzungsaufgabe entwickelten, auf einer Fläche von maximal ca. 150 Quadratmetern. Eine Nachpflege, die etwa die Entfernung des wahrscheinlichen Neuaustriebs zum Inhalt hätte, wird vom Antragsteller sichergestellt.
Die Genehmigung des Eigentümers liegt mittlerweile vor.

Da auch die Untere Naturschutzbehörde ihr Einverständnis gab, können die Pflegemaßnahmen zum nächsten geeigneten Zeitpunkt beginnen. Ob damit die Zukunft eines der letzten verbliebenen Wuchsorte der Art in Nordthüringen gesichert ist, muss abgewartet werden. Gerade sehr kleine Restbestände bedrohter Arten, die nicht selten weit entfernt von den nächsten verbliebenen Populationen siedeln, zeigen sich mitunter nur noch wenig flexibel gegenüber unterschiedlichsten negativen Einflüssen. Letztere sollten demnach weitestgehend eliminiert werden.

Wie bereits an den Wuchsorten zahlreicher anderer bedrohter Arten südlich des Harzes, so wird auch für den Wuchsort des seltenen Breitblättrigen Wollgrases eine regelmäßiges Beobachtung und Erfassung (Monitoring) sichergestellt. Hierdurch können auch wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, die den wissenschaftlichen und praktischen Artenschutz weiter voranbringen.

Die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Eigentümern und ehrenamtlichen Landschaftspflegern ist heute zwingend erforderlich, um Aufgaben zu erfüllen, die sich u.a. aus den Roten Listen und den Biodiversitätsstrategien von Bund und Land ergeben.

Das hier beschriebene Beispiel reiht sich ein in eine ganze Reihe von Erhaltungsbemühungen im Landkreis Nordhausen und auch darüber hinaus. Angesichts der gewaltigen Bedrohungslage für die Biodiversität, kann dies jedoch nur ein Anfang und nur Teil eines ganzen Maßnahmepakets sein.

Dem geplanten Naturschutzgroßprojekt im Naturpark Südharz blicken wir auch in diesem Sinne hoffnungsvoll entgegen. Der standortbezogene Artenschutz soll 2016 mit einer Fortsetzung des über das Programm ENL finanzierten Referenzprojekts Artenschutz gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser einen weiteren großen Schritt wagen.

Geplant sind aktuell auch Maßnahmen, die zunächst die negativen Auswirkungen der Rinderweide auf Wuchsorte bedrohter Arten im NSG Rüdigsdorfer Schweiz unterbinden. Zudem finden regelmäßig Pflegeeinsätze des BUND-Kreisverbandes Nordhausen statt.
Bodo Schwarzberg

Mehr Licht für die Artenvielfalt

Sieben Mitglieder und Gäste des BUND-Kreisverbandes Nordhausen absolvierten am vergangenen Sonnabend einen weiteren landschaftspflegerischen Einsatz im Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz. Wie immer ging es den ehrenamtlichen Naturschützern um die Erhaltung bedrohter Arten…

Dazu fällten wir mehrere Bäume (fast ausschließlich Birken), die sich durch Nutzungsaufgabe und fehlenden Verbiss vor allem nach der Wende auf den einst verbreitet offenen, heute teils fragmentierten Trocken- und Halbtrockenrasen angesiedelt haben.

Insbesondere ging es uns um einen Bereich, der nicht mit Rindern beweidet, sondern lediglich gemäht wird, und daher eine noch besonders artenreiche Flora aufweist. Das kleine Gebiet soll als Refugium und Trittstein fungieren, bis vielleicht auch außerhalb eine Nutzungsverbesserung eintritt.

An einer anderen Stelle wurde die Beschattung einer besonders erdflechtenreichen Gipsfelsflur durch die Gehölze zurückgedrängt. Sie beherbergt unter anderem ein bedeutendes Vorkommen der deutschlandweit extrem seltenen Erdflechte Buellia epigaea. Die Art gilt für manche Spezialisten sogar als seltenste Angehörige unserer so genannten Bunten Erdflechtengesellschaft. Diese Gemeinschaft fast durchweg stark bedrohter, zum Teil farbenfroher Flechtenarten, ist in der Rüdigsdorfer Schweiz durch Nährstoffeinträge infolge Rinderweide, Viehtritt und Gehölzentwicklung immer mehr verdrängt worden.
Von beiden Maßnahmen könnte zudem u.a. die deutschlandweit sehr seltene und stark gefährdete Einfache Wiesenraute (Thalictrum simplex ssp. tenuiolium) profitieren.

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Foto: Bodo Schwarzberg

Wieder hatten wir erstaunliches Glück mit dem Wetter. Eigentlich hatte der Deutsche Wetterdienst laut Presseberichten auch für den Südharz eine Unwetterwarnung wegen drohender Starkregenfälle herausgegeben. Diese blieben aber aus. Auf Grund der angeblichen Niederschläge wollten wir unseren 37. BUND-Einsatz zunächst aussetzen, entschieden uns aber dank eines günstigen Regenradars kurzfristig anders.
Der ehrenamtliche Einsatz war mit großem körperlichen Einsatz aller Mitstreiter verbunden. Schließlich mussten von Hand ganze Stammstücken bewegt werden. Besonderen Dank gilt Reiner Peix aus Ilfeld, der als gelernter Forstarbeiter die Fällungen übernahm. Helga und Karl Heinz Junker aus Sondershausen (!), Tobias Strietzel, Klaus Liebenrodt, ein weiterer Enthusiast und der Autor des Beitrages machten die Beräumung der unmittelbaren Einsatzfläche zu ihrer unverzichtbaren Aufgabe.
Der Einsatz war im Frühjahr 2015 mit Vertretern der zuständigen Behörden (Forstbehörde und Untere Naturschutzbehörde) abgestimmt worden. Beiden herzlichen Dank.

Im Mai soll eine gemeinsame Exkursion aller fleißigen BUND-Mitstreiter sowie ihrer Gäste durch das Naturschutzgebiet stattfinden. Der nächste Einsatz ist für März vorgesehen (bodo_schwarzberg@yahoo.de).
Bodo Schwarzberg

Willkommen auf den Seiten des BUND Kreisverband Nordhausen

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künftiges Vorranggebiet vorsorgende Rohstoffgewinnung VRS-2 bei Steigerthal

Foto: BUND Kreisverband Nordhausen

Termin monatliche Sitzung:

Besuchen Sie unsere monatliche Sitzung und lernen Sie unsere Aufgaben und Projekte persönlich kennen:
Jeder 1. Dienstag im Monat
ab 18:30 Uhr
Ort:
Vereinshaus „Thomas Mann“
Wilhelm-Nebelung-Straße 39
99734 Nordhausen

Eine genaue Wegbeschreibung finden Sie unter Kontakt

Aktionsgruppe „Südharz bleibt natürlich“:

Jeder 1. Dienstag im Monat
ab 17:00 Uhr
Ort:
Vereinshaus „Thomas Mann“
Wilhelm-Nebelung-Straße 39
99734 Nordhausen

 

Nächster Landschaftspflegeeinsatz:

Interessenten melden sich bitte unter: 01716530123 bei Bodo Schwarzberg

Missachtung von Landesplänen und Naturschutz-Vorgaben

BUND Thüringen fordert Stopp der Gipsabbau-Pläne am Winkelberg

Erfurt/Nordhausen. Der BUND Thüringen kritisiert den heutigen Scoping-Termin zum Gipsabbau-Vorhaben am Winkelberg im Südharz. Die Anhörung erfolgt, obwohl klar sei, dass für das Abbaufeld bereits verbindliche Schutzziele festgelegt sind, welche Gipsabbau ausschließen. Der BUND Thüringen fordert deshalb ein Eingreifen des Thüringer Umweltministeriums, um die Fortsetzung des unsinnigen Verfahrens durch das Landesbergamt zu stoppen. (mehr …)

Neue Rodungen am Himmelsberg

Foto: BUND Kreisverband Nordhausen

Nachruf zum Tag des Waldes für ein Stück unwiederbringlich vernichtetes Stück Gipskarst am Himmelsberg

Der BUND Kreisverband Nordhausen fühlt sich angesichts des Eindrucks, den die erneute Rodung am Himmelsberg hinterlässt, in seinen Vorhersagen vom Februar diesen Jahres (Thüringer Allgemeine vom 18.02.2015) bestätigt.
Der Lärm und die Erschütterungen des als Schrapper im Tagebau am Himmelsberg eingesetzten Gerätes dringt bis weit in das benachbarte Naturschutzgebiet. „Genau 2 Arbeiter waren in den 2 Steinbrüchen während unserer Begehung am Himmelsberg tätig, doch der Lärm, der durch die Arbeit verursacht wurde, war einfach unwirklich“, berichtet der Sprecher des BUND Kreisverbandes Nordhausen, Christian Darr. (mehr …)